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| 02:48 Uhr

Kreativität in Holz im Dubener Knast

Gefangene Frauen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Luckau-Duben bearbeiten Birkenholz. Sie haben am Workshop Holz mit der Kunsttherapeutin Kerstin Heinze (2. v. r.) teilgenommen.
Gefangene Frauen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Luckau-Duben bearbeiten Birkenholz. Sie haben am Workshop Holz mit der Kunsttherapeutin Kerstin Heinze (2. v. r.) teilgenommen. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Duben. Gefangene in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Luckau-Duben werden mit verschiedenen Projekten auf das Leben in Freiheit vorbereitet. Der Workshop Holz ist eins dieser Angebote. Die Kunsttherapeutin Kerstin Heinze aus Dahme hat mit Häftlingen Holzkunstwerke hergestellt. Andreas Staindl / asd1

Mit Basteln hatte Kathlen B. bisher wenig am Hut, mit künstlerischen Arbeiten schon gar nicht. Und doch hat sich die 37-Strafgefangene am Workshop Holz beteiligt. "Er bringt mir Abwechslung. Ich komme mal für ein paar Stunden raus aus meiner Zelle und auf andere Gedanken."

Abwechslung für Kopf und Hände nennt es Antje Traue. Die Leiterin Bildung und Freizeit in der JVA verweist darauf, dass die Projekte helfen sollen, "Einstellungen und Verhalten der Gefangenen zu ändern. Wir wollen ihnen Wege aufzeigen, wie sie ihr Leben nach der Entlassung sinnvoll nutzen können, welche Möglichkeiten der Freizeitgestaltung es gibt."

Das Fertigen von Skulpturen aus Holz ist eine Möglichkeit. "Ich hätte nicht gedacht, dass mir diese Arbeit so viel Spaß macht", sagt Angelique B., eine 23-jährige Strafgefangene. "Es macht mir Freude, das Holz zu bearbeiten. Und wenn etwas fertig ist, bin ich stolz auf mich." Sie hat erst im Knast gemerkt "wie kreativ ich bin". Ob Angelique nach ihrer Entlassung weitere Kunstwerke aus Holz fertigen wird, weiß sie noch nicht: "Ich möchte gern Fotografin werden. Da muss ich auch kreativ sein."

Kerstin Heinze ist mit den Teilnehmerinnen des Workshops "zufrieden. Sie sind sehr kreativ." Die Kunsttherapeutin will "die Kreativität der Gefangenen anregen, ihnen etwas für ihr weiteres Leben mitgeben. Für manche Häftlinge ist das Gefängnis auch eine Chance." Das sieht Angelique ähnlich: "Wenn ich nicht inhaftiert worden wäre, wäre wohl alles noch viel schlimmer geworden."

Der Zwang, Geld für die Befriedigung ihrer Sucht beschaffen zu müssen, hätte ihrer Ansicht nach irgendwann böse geendet. Im Knast hat die 23-Jährige Zeit zum nachdenken. Und sie bearbeitet Holz. "Am Anfang muss man ordentlich etwas wegschlagen", erklärt Kerstin Heinze. "Das erfordert schon Mut - eine Eigenschaft, die die Gefangenen auch später gut gebrauchen können." Kathlen wollte dem Birkenholz einen Zwerg abringen: "Mit dieser Idee bin ich rangegangen. Zwischendurch wäre ich fast auf die Zeichentrickfigur Bart Simpson umgeschwenkt."

Kurz vor Ende des Workshops hatte ihr Werk etwas Majestätisches, sah es aus wie ein König mit Krone. Die Kunsttherapeutin hat ihr und den anderen Frauen bei der Arbeit geholfen, Anregungen und Tipps gegeben. Ihr Fazit des Workshops: "Einige Gefangene haben Talent, sie wissen es nur nicht."

Die Frauen haben ihre Holzskulpturen an fünf Wochenenden gefertigt. Sie können die Exponate nach ihrer Entlassung mit nach Hause nehmen, wie Antje Traue sagt. Kerstin Heinze arbeitet regelmäßig mit inhaftierten Frauen in der Justizvollzugsanstalt in Luckau-Duben. Sie leitet den wöchentlichen Kreativkurs. "Von einigen Gefangenen ist sie überrascht: "Sie haben gute Bilder gemalt."

Die Teilnehmer des Workshops Holz kommen allesamt aus der Kreativgruppe. Das Thema "Köpfe" haben sie mit eigenen Ideen sowie mithilfe der Kunsttherapeutin umgesetzt. "Ich bin dankbar für das Angebot", sagt Angelique. "Es fördert nicht nur die Kreativität, sondern bringt auch Abwechslung und lenkt vom Alltag hier im Knast ab."