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Krausnick darf nicht bauen

Ortsbürgermeister Erwin Hormann zeigt auf die Grundstücke, die in Krausnick als kleines Wohngebiet entwickelt werden sollten. Weil sie im Landschaftsschutzgebiet des Biosphärenreservats Spreewald liegen, lehnte das Umweltministerium die Entwicklung ab.
Ortsbürgermeister Erwin Hormann zeigt auf die Grundstücke, die in Krausnick als kleines Wohngebiet entwickelt werden sollten. Weil sie im Landschaftsschutzgebiet des Biosphärenreservats Spreewald liegen, lehnte das Umweltministerium die Entwicklung ab. FOTO: Ingvil Schirling
Krausnick. Das aktuelle Streitthema Bauen im Landschaftsschutzgebiet treibt neue Blüten. Dem Ortsteil Krausnick im Unterspreewald ist von der Oberen Naturschutzbehörde des Umweltministeriums in Potsdam untersagt worden, vier Grundstücke an der "Kurzen Straße" mittels Bebauungsplans zu einem kleinen Wohngebiet zu entwickeln. Ingvil Schirling

Die Begründung: Die Flächen liegen im Landschaftsschutzgebiet des Biosphärenreservats Dahme-Spreewald.

Das trifft allerdings auf einen Großteil von Krausnick zu. Dennoch sollte auch diesem Dorf die Möglichkeit zur Eigenentwicklung eingeräumt werden, argumentiert das Amt Unterspreewald in seiner Bitte um Zustimmung, die der LR vorliegt. Auf sechs Seiten wird detailliert dargelegt, dass aus früheren Planungen vorgehaltene Flächen für Grundstücke nicht mehr zur Verfügung stehen, weil sie entweder zwischenzeitlich bebaut wurden oder mittlerweile als Wald gelten. Weiter argumentiert die Amtsverwaltung mit Zuzug vor allem von Arbeitskräften bei Tropical Islands. Führungsmitarbeiter würden derzeit in Hotels wohnen, heißt es. Auch ihnen müsse die Möglichkeit gegeben werden, "sich am Arbeitsort dauerhaft niederzulassen." Die Amtsverwaltung begründet, warum in Krausnick Häuser gebaut werden sollten, obwohl der Ort eine Gemeinde mit dem benachbarten Groß Wasserburg bildet, indem es das neue Wohngebiet "Kleiner Grund" gibt. Der Gerechtigkeit halber "sind dem Ortsteil Krausnick ebenfalls maßvolle Möglichkeiten der Eigenentwicklung einzuräumen", argumentiert das Amt. Zudem seien die beiden Dörfer sehr unterschiedlich gewachsen. "Die Traditionen sind hier so stark ausgeprägt, dass die junge Generation nicht ihre angestammte Dorfgemeinschaft verlassen will."

Die konkreten Interessenten für die geplanten Baugrundstücke stammen selbst aus Krausnick. Mindestens eine der Flächen gehört einem Ortsansässigen, der dort gerne bauen würde.

Mit diesen Argumenten beantragte die Amtsverwaltung im November 2016 die Zustimmung beim von Jörg Vogelsänger (SPD) geführten Umweltministerium, trotz Biosphärenreservat eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Die Antwort der Abteilung 4 (Naturschutz) vom 3. April liest sich allerdings, als hätten die Mitarbeiter das Schreiben gar nicht richtig zur Kenntnis genommen. In der Ablehnung wird darauf verwiesen, dass in Krausnick noch etlichen Flächen zur Verfügung stünden. Die Behörde verweist auf die gleiche Aufstellung, aus der die Amtsverwaltung ableitet, dass keine Flächen mehr offen sind. Eine Prognose, die den "zusätzlichen Wohnbedarf durch den potenziellen Zuzug von Arbeitskräften des "Tropical Islands" belegt, liegt nicht vor", hält das Ministerium der Amtsverwaltung entgegen. Zudem gebe es kein städtebauliches Konzept der Gemeinde, aus dem sich der Bauleitplan ableiten lasse. Es bestünden "offensichtliche Alternativstandorte", verweist das Ministerium auf den "Kleinen Grund" in Wasserburg.

Erwin Hormann, Ortsvorsteher von Krausnick, sagt: "Ich bin bitterböse enttäuscht von dieser Ablehnung." Dem Ministerium wirft er vor, vom Schreibtisch aus zu entscheiden. "Es entspricht nicht dem, was hier wirklich vorhanden ist", sagt er. "Mit solchen Entscheidungen werden die Menschen an den rechten Rand der Gesellschaft gedrückt", gibt er seinen Sorgen Ausdruck. Krausnick, so argumentiert Hormann, erfreut sich nach einem Bevölkerungsrückgang wieder steigender Zahlen. Vier bis fünf Kinder würden dieses Jahr noch geboren. Er schätzt sogar ein, dass Interesse für 20 bis 25 Eigenheime bestünde. "Wir kämpfen darum, dass junge Leute in Krausnick bleiben."

Es besteht immerhin seit mehr als 1000 Jahren, ergänzt Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass eine Entwicklung mit diesen Baugrundstücken nicht möglich sein soll", sagt er. "Man kann die Frage stellen, was man sich da anmaßt." Die Entscheidung führe auch "zu Konsensverlust bei Bürgern mit Blick auf Schutzgebiete. Das wird aus meiner Sicht überhaupt nicht gesehen", warnt er. Da Krausnick - wie viele Orte im Spreewald - zum Großteil im Biosphärenreservat liegt, werde es sehr schwer, noch Bebauungsmöglichkeiten auszuweisen, "wenn die Hürden so hoch geschraubt werden".