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Kultur
Kongeniales Zusammenspiel aus Text und Ton in Lieberose

Lesung mit Musik oder Konzert mit Literatur? Der Förderverein Lieberose hatte am Samstag in die "Darre" eingeladen. Regina Hilber und Sören Gundermann traten als kongeniales Duo auf.
Lesung mit Musik oder Konzert mit Literatur? Der Förderverein Lieberose hatte am Samstag in die "Darre" eingeladen. Regina Hilber und Sören Gundermann traten als kongeniales Duo auf. FOTO: Jürgen Harnath
Lieberose. Beeskows Burgschreiberin Regina Hilber und Musiker Sören Gundermann begeistern in der Darre mit Lyrik und Prosa bezaubernd vertont. Von Jürgen Harnath

Es war schon eine ganz besondere Veranstaltung, zu der der Förderverein der Stadt am vergangenen Samstag in die Lieberoser Darre eingeladen hatte. Brachten doch Beeskows Burgschreiberin Regina Hilber und Musiker Sören Gundermann ein kongeniales Zusammenspiel aus Text und Ton auf die Bühne des Veranstaltungsortes. Bei dem Programm waren sich die Künstler nicht ganz einig, ob es sich um ein Konzert mit Literatur oder um eine Lesung mit Musik handelt.

Regina Hilber wurde in Hausleiten in Niederösterreich geboren und lebt seit 2006 in Wien. Sie schreibt Lyrik und Prosa. Neben den Einzelpublikationen sind Beiträge von Regina Hilber in zahlreichen Anthologien und Literaturzeitschriften erschienen. Ihre lyrischen Zyklen und Prosaarbeiten wurden vielfach ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Seit September vergangenen Jahres lebt und arbeitet Regina Hilber als 25. Burgschreiberin in Beeskow. „Ich habe vor vier Jahren schon einmal in Brandenburg, auf Schloss Wiepersdorf, gearbeitet und mich in diese Gegend mit seinen Kiefernwäldern regelrecht verliebt. Als die Burgschreiberstelle in Beeskow ausgeschrieben wurde, habe ich mich beworben und diese erfreulicherweise dann auch bekommen“, erzählte Regina Hilber. Burgschreiberin sein – das begreift Regina Hilber als ganz praktische Aufgabe. Sie veranstaltet mehrere Lesungen und stärkt damit das kulturelle Leben in der Region, denn diese Abende sind eine Gelegenheit für Literaturinteressierte, sich zu treffen. Natürlich schreibt sie auch: zurzeit vor allem an einem Essay-Band, der noch in diesem Jahr erscheinen soll.

Sören Gundermann wurde in Beeskow geboren und lebt heute in Frankfurt (Oder). Zunächst allein und dann bei Hans-Jürgen Taube, Iris Unger und Detlef Pauligk lernte er Klavier spielen. Er studierte am Institut für Musik und Musikpädagogik in Potsdam und der Universität in Warschau. Seit 2011 ist er als freischaffender Musiker und Komponist tätig. Sein Interesse gilt vor allem der Improvisation und der experimentellen Musik im Bereich Jazz. Mit den Bands „Jack Novelle” und „Septemberstrauch” veröffentlichte er drei Alben. Kennengelernt hatten sich Regina Hilber und Sören Gundermann bei der Antrittslesung der Literatin auf der Burg Beeskow. Sören Gundermann war dort als Begleitmusiker eingeladen. „Wir merkten sofort, dass wir gut miteinander konnten. Es gab da so etwas wie eine gleiche Wellenlänge, Ästhetik oder auch Verrücktheit. So entstand die Idee zu einem gemeinsamen Programm“, sagte Sören Gundermann.

Und so konnte das anwesende Publikum am Samstagnachmittag ein sehr schönes, abwechslungsreiches Programm der beiden Künstler erleben. Im Mittelpunkt stand eine moderne, ganz neue Adaption des Märchens „Rotkäppchen“ der Gebrüder Grimm. „Durch meine Tätigkeit auf Schloss Wiepersdorf wurde ich dazu angeregt. Der Legende nach sollen die Gebrüder Grimm das Märchen ja dort geschrieben haben“, erklärte Regina Hilber. Weitere Texte befassten sich mit dem Land Brandenburg, insbesondere mit dem Wald und Fragen zur Natur und dem Umgang mit ihr. Das ganze musikalisch von Sören Gundermann am Klavier ergänzt. Das Publikum dankte am Ende der Veranstaltung den beiden Künstlern mit herzlichem Beifall und verließ sichtlich beeindruckt, aber auch teils nachdenklich die Lieberoser Darre.