(asd) Der Wahlkampf hat begonnen. Anders kann man die Diskussion um die Nachnutzung des Grundstücks des ehemaligen Obdachlosenheims in der Weinbergstraße in der Kreisstadt während der Sitzung des Lübbener Finanzausschusses kürzlich nicht deuten. Benjamin Kaiser (CDU) übte heftige Kritik am „Schnellschuss aus Australien“. Der Kontinent hat nur deshalb etwas mit der Spreewald­stadt zu tun, weil der Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende Frank Selbitz (Pro Lübben) zurzeit dort unterwegs ist (die RUNDSCHAU berichtete). Und seine Fraktion ist es, die das Obdachlosenheim wieder ins Spiel gebracht hat. Der Bürgermeister soll nach dem Wunsch von Pro Lübben beauftragt werden zu prüfen, welche Möglichkeiten der Nachnutzung es für das Grundstück des ehemaligen Obdachlosenheims gibt.

Wenn es nach Benjamin Kaiser geht, wäre die Nachnutzung die ursprüngliche Nutzung: „Ich plädiere dafür, das Heim wieder dort draußen zu aktivieren.“ Und dann schob er nach, was aufhorchen lässt: „Zum Schutz der Bürger in Lübben-Nord. Ich bin mit der Unterbringung von Obdachlosen dort nicht zufrieden.“

Dass Bürger vor Obdachlosen geschützt werden müssen, will Sven Richter (Die Linke) so nicht stehen lassen: „Für die Zustände in Lübben–Nord sind nicht nur Obdachlose verantwortlich. Auch andere Bürger, vor allem Jugendliche machen dort Probleme.“ Ihm zufolge sind derzeit maximal vier obdachlose Personen in einer Neubauwohnung in Lübben-Nord untergebracht. Wie deren Situation dort ist, darüber soll der Bürgermeister Lars Kolan (SPD) die Stadtverordneten informieren. Diesen Auftrag haben die Ausschussmitglieder der Verwaltung erteilt.

Die Nachnutzung des Objekts in der Weinbergstraße ist damit noch nicht geklärt. Während Benjamin Kaiser wieder Obdachlose dort unterbringen würde, macht für Sven Richter weder das noch ein Verkauf des Objekts „einen Sinn“. Er brachte vielmehr ein Wasserwerk am Standort in Richtung Neuendorf ins Spiel. Pro Lübben hatte auch die Nutzung als Kindertagesstätte zur Diskussion gestellt. Benjamin Kaiser lehnt das ab: „Wer soll denn sein Kind dorthin bringen?“

Das Grundstück des ehemaligen Obdachlosenheims liegt oberhalb des Weinbergs zwischen der Kernstadt Lübben und dem Ortsteil Neuendorf abseits der Bundesstraße im Wald. Doch nicht der Vorschlag von Pro Lübben allein brachte Benjamin Kaiser auf die Palme. „Ich finde es langsam zum Kotzen, dass uns Frank Selbitz ständig Schnellschüsse vorlegt. Dabei ist er die Hälfte seiner Zeit als Stadtverordneter nicht vor Ort in Lübben.“

Die Frage, was mit dem Grundstück wird, bleibt weiter offen. Der Ausschussvorsitzende Burkhard Herzke (Pro Lübben) hat die Vorlage zurückgezogen: „Wir sollten jedoch weiter über die Zukunft des Objekts nachdenken.“