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Knallbonbons zündeten musikalisch

LÜBBEN.. Silvester- und Neujahrsbonbons in ungewöhnlicher Verpackung hat es am Sonnabend beim ersten Wappensaal-Winterkonzert im neuen Jahr gegeben. Zwar schien der Programmzettel auf den ersten Blick eine Knallbonbon-Mogelpackung zu sein. R. Hottas

Denn angekündigt wurde das Berlin-Brandenburgische Sinfonie orchester zum Neujahrskonzert. Das wäre schön gewesen, aber wie sollte der große Klangkörper in den Saal passen? "Einfache Lösung: Die Musiker spielen im Saal, die Hörer sind auf dem Rang oder hören dank der offenen Fenster zu", ulkte ein Witzbold, der seinen Namen dann doch nicht sagen wollte. Die Lacher hatte er aber auf seiner Seite.
Die Lösung war, dass das Orchester Abgesandte nach Lübben geschickt hatte. Die Sopranistin Elisa Fenner, die Pianistin Alina Pronina, die Cellistin Chelina ChienChin Huang, der Flötist Armin Bassarak sowie der Violinist Klaus von Sokol waren die "Solisten-Vereinigung" des großen Klangkörpers.

Nicht nur Romantisches
Das musikalische Quintett hatte viele bunte Knallbonbons ins Programm gepackt. "Wir wollen nicht nur Romantisches zu Neujahr", vertraute Bassarak seinem Publikum an. In den Epochen zuvor und danach sei ja auch gern gelacht und gefeiert und auch mal besinnlich nachgedacht worden. "Das wollen wir in diesem Konzert auch versuchen", sagte er.
Einen Knallbonbon im Doppelpack zündeten die Musiker binnen einer guten Stunde mit Hilfe ihrer stimmlich bestens aufgelegten Sopranistin Elisa Fenner. Gab sie zu Anfang gemeinsam mit ihrem virtuosen Flötisten Bassarak die Arie "Ei, wie schmeckt der Coffee süße" aus Johann Sebastian Bachs "Kaffee-Kantate" mit allen gesanglichen Finessen, so war sie wenig später eine hinreißende Frau Luna von Paul Lincke, die wusste: "Schlösser, die im Monde liegen, bringen Kummer, lieber Schatz."

Der Walzer rauschte nicht
Der Neujahrs-Lieblings-Walzer vieler Hörer, nämlich "An der schönen blauen Donau" von Johann Strauß Sohn, plätscherte zwar im Quartett nur als Rinnsal. Aber beliebte Weisen von der "Humoreske" Dvoraks, über den mit dem Cello bravourös gespielten "Schwan" aus dem "Karneval der Tiere" von Saint-Saens, zwei berühmte Tangos bis hin zu Operetten-Melodien waren weitere Konzert-Knallbonbons, die an diesem Abend zündeten.
Lehars "Vilja-Lied" aus der "Lustigen Witwe" und "Meine Lippen, die küssen so heiß" aus "Giuditta" ließen vor allem Hörerinnen schmelzen. Als Überraschung und Programm-Änderung kam der Friedrich-Hollaender-Chanson "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" aus dem Film "Der blaue Engel" ins Programm, und auch das gefiel.
Herzlichen Schlussapplaus gab es für das "Mini-Orchester". Am meisten dürfte der der Pianistin Alina Pronina gegolten haben. Sie war bei fast allen Programmpunkten als Interpretin tadellos dabei. (-ds)