Herr Städter, was tun Sie persönlich für den Klimaschutz?

Städter Bis auf zwei Tage im Jahr fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit. Ich wohne in einem sehr energieeffizienten Haus, meine Stromkosten sind sehr gering, da ich meine gesamte Beleuchtung auf LED umgerüstet habe. Beim Konsum versuche ich mich an lokale Produkte zu halten und ich versuche auch im Alltag, mich auf nachhaltige Mobilität zu beschränken. Ich nutze fast ausschließlich die Bahn für Dienstreisen und private Fahrten. Das sind Beiträge, die man als Privatperson ohne Einschränkung jeglichen Komforts leisten kann. Wir als Gesellschaft müssen etwas tun, das bedeutet, dass auch jeder Einzelne etwas tun muss. Es gibt dazu eigentlich kaum eine Alternative. Der Beitrag, den jeder Einzelne leisten kann, hängt natürlich von den jeweiligen Lebensumständen ab.

Warum braucht eine Kleinstadt wie Lübben eigentlich einen Klimaschutzmanager?

Städter Klimaschutz ist eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren und braucht eine sehr langfristige Strategie. Unser Klimaschutzkonzept zielt auf das Jahr 2026 ab, aber man muss heute schon 2050 im Blick haben, denn Gebäude stehen im Durchschnitt 80 oder 100 Jahre lang.

Ein Großteil meiner Arbeit ist die Entscheidungsvorbereitung, bezogen auf unsere Klimaziele. Ich muss auch immer wieder daran erinnern, dass wir bestimmte Projekte schon jetzt durchsetzen müssen, um unsere langfristigen Klimaziele zu erreichen.

Ihre Stelle ist dem Bauamt zugeordnet. Sind Sie also nur für bauliche Fragen zuständig?

Städter Nein, ich bin in allen Bereichen tätig. Dass ich speziell bei der Stadtplanung angesiedelt bin, ist für uns die logische Zuordnung in unserer Organisationsstruktur. Ich übernehme eine beratende Funktion und natürlich bin ich auch für fachliche Fragen da, etwa wenn es um Wirtschaftlichkeitsberechnungen oder den aktuellen Stand nachhaltiger Energieerzeugung geht. Ich bin in diesem Bereich auch für die Fördermittelbeantragung zuständig. Natürlich bin ich auch für jeden Bürger immer ansprechbar, wenn es darum geht, konkrete Ideen zu besprechen oder auf Fragen einzugehen.

Welche Ziele für den Klimaschutz hat sich Lübben gesetzt und wie werden diese umgesetzt?

Städter Im Bildungsbereich haben wir ein Kita- und Schulprojekt, das in diesem Jahr anläuft. In einem Energiesparmodell sollen Kinder und Jugendliche lernen, wie Energie erzeugt wird und wie man effektiv mit ihr umgeht. Im Gebäudebereich geht es um Energieeffizienz, also darum, weniger Energie zu verbrauchen und  mehr  erneuerbare Energien zu nutzen. Zudem ist Mobilität ein großes Thema. Lübben ist eine Autostadt, deshalb setzen wir stark auf die Elektromobilität. Ein neuer Bereich, der noch nicht in unserem Klimaschutzkonzept vorkommt, ist die Klimafolgenanpassung. Da bin ich hauptsächlich im Bereich der langfristigen Stadtplanung tätig. Konkret geht es darum, wie Gebäude nachhaltig mit Wärme versorgt werden können und wie man ein Mikroklima in bestimmten Bereichen der Stadt schaffen kann, etwa durch Grünflächenvernetzung, Dachbegrünung oder Frischluftschneisen. Auch die nachhaltige Energieerzeugung in der Stadt spielt eine Rolle, etwa mittels Photovoltaikanlagen auf den Dächern.

Es gibt Stimmen aus der Bevölkerung, die befürchten, diese Anlagen zur Erzeugung von Solarenergie könnten später zu Sondermüll werden.

Städter Die Frage könnte man genauso  zu Autoreifen oder jedem neuen Handy stellen, da weiß man auch nicht, wie sie später entsorgt werden. Momentan kann eine Gefahr durch die Solarmodule ausgeschlossen werden. Ich gehe nicht davon aus, dass Photovoltaikanlagen in irgendeiner Weise einmal Sondermüll werden. Vielmehr ist es so, dass wir eine Kreislaufwirtschaft haben werden.

Unser Leser Siegfried Grohmann bemängelte kürzlich, dass in Lübben zum einen in der Vergangenheit für private Baumaßnahmen zahlreiche Bäume abgeholzt wurden und dass es zum anderen erneut zu Fällungen für eine Photovoltaikanlage auf der ehemaligen Deponie „Langer Rücken“ kommen soll. Bäume filtern CO2 aus der Luft und produzieren Sauerstoff. Widerspricht das Fällen nicht dem Klimaschutz?

Städter Zum ersten Fall kann ich nur sagen, dass es sich um ein Privatgrundstück in einem unbeplanten Innenbereich in der Stadt handelte und dass es dort möglich ist, Wohnbebauung zu schaffen. Wenn dort auch Fällungen erfolgt sind, waren sie durch eine Genehmigung gedeckt und es haben sicherlich Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen stattgefunden.

Im zweiten Fall geht es dem Leser um eine Sanierung von einer Altablagerung, da ist der Hintergrund etwas anders. Dort werden die Bäume nicht gefällt, um eine Solaranlage zu schaffen, sondern es handelt sich um eine ehemalige Hausmülldeponie, auf die in den 1970er Jahren der Hausmüll der Lübbener gebracht wurde. Wir haben dort eine Belastung des Grundwassers festgestellt, sodass eine Sanierung erforderlich ist. Bei der Sanierung wird ein Hügel entstehen, auf dem später keine tief wurzelnden Pflanzen stehen dürfen. Wir sind bestrebt, diese Flächen nachhaltig zu nutzen und entsprechend soll dort eine Photovoltaikanlage entstehen.

Lübben lebt vom Tourismus, viele Besucher reisen mit dem Auto an. Kann man zugleich Tourismus und  Klimaschutz fördern?

Städter Wir vereinen das in gewisser Weise. Mit unserer öffentlich zugänglichen, kostenlosen Ladestation für Elektroautos am Parkplatz Burglehn bieten wir den Touristen zum einen die Möglichkeit, elektrisch hierher zu kommen. Zum anderen haben wir eine sehr gute Bahnverbindung nach Berlin, sodass wir unseren Gästen empfehlen, mit der Bahn anzureisen. In den kommenden Jahren nehmen wir Maßnahmen vor, die es attraktiver machen, mit der Bahn zu kommen, das Fahrrad mitzunehmen und zum Beispiel direkt mit dem Fahrrad in die Stadt zu fahren. Das Bahnhofsumfeld wird attraktiver gemacht, wir werden die Wegeverbindung vom Bahnhof in die Innenstadt in den kommenden zwei Jahren deutlich verbessern. Auch den Nahverkehr schauen wir uns an.

Mit Matthias Städter
sprach Liesa Hellmann.