Seit Jahren sind sie in der Spreewaldstadt absolute Mangelware. Junge Paare mit schmalem Geldbeutel können ebenso ein Lied davon singen wie Sozialhilfeempfänger oder Rentner.

Ganze drei Angebote erscheinen auf dem Computerbildschirm, gibt man bei Internet-Immobilienanbietern eine Anfrage nach ein bis maximal zwei Zimmern bis maximal 280 Euro kalt in Lübben ein. Zwei davon sind WG-Zimmer der Genossenschaftlichen Wohnungsgemeinschaft (GWG), und auch das dritte Angebot - eine hübsche Zweizimmer-Wohnung im Lübbener Norden - stammt von ihr. Die Warmmiete für die 50 Quadratmeter summiert sich auf 334 Euro, dazu sind 1680 Euro Genossenschaftsanteile zu hinterlegen.

Der zweite große Anbieter in Lübben, die Wohnungsbaugesellschaft (LWG), zeigt fünf freie Mietwohnungen auf seiner Internetseite. Eine Ein- oder Zweizimmerwohnung ist nicht dabei. Es gibt fünf Mal drei Zimmer, 60 Quadratmeter, bis 320 Euro kalt.

Um das überschaubare Angebot konkurrieren aktuell - und das verschärft das Problem - nicht nur Einheimische mit wenig Geld, sondern auch Flüchtlinge, die mit einem Aufenthaltstitel in einen anderen Status wechseln und damit formal aus den Übergangswohnheimen ausziehen müssen. Und da es in Berlinnähe noch viel weniger kleine, günstige Wohnungen gibt, die Region mit dem BER Zuzug zu erwarten hat, wird sich das Problem weiter zuspitzen.

Landrat Stephan Loge (SPD) fordert seit Langem von den Kommunen, sich im sozialen Wohnungsbau mehr zu engagieren. Das zu übernehmen, ist nicht Aufgabe eines Landkreises. Es hat dazu bereits Gespräche gegeben. Bisher ohne sichtbare Resonanz. Warum?

Ein Neu- oder Ausbau ist trotz der günstigen Zinsen nicht so einfach. Zwar ist der Bedarf an kleinen, günstigen Wohnungen bei der GWG unbestritten. "Das sagen wir seit Jahren", sagt Vorstandsmitglied Nicole Jaegers. Was im Bestand der GWG an Wohnungen in Richtung klein und barrierearm verändert werden konnte, sei geschehen, ergänzt ihr Vorstandskollege Jürgen Busch. Doch zum Thema Neubau sagt er: "Das bekommen wir für den sozialen Wohnungsbau nicht hin, weil man die Investitionen über die Miete nicht refinanzieren kann. Da kann man sich gegen die Decke strecken, wie man will."

Hartmut Kohlmann als Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft LWG würde das direkt "mit unterschreiben". Um die 30 Zwei- bis Dreiraumwohnungen, im Zahlenverhältnis "gut durchmischt", seien täglich bei der LWG im Angebot - offenbar deutlich mehr, als auf der Internetseite sichtbar. Dass die LWG demnach also keinen Bedarf für einen Neubau sehe, "habe ich so nicht gesagt", antwortet er auf eine entsprechende LR-Frage. Zur Art der Nachfrage verweist er auf die aktuellen Bauaktivitäten an der Parkstraße. "Und das ist alles kein sozialer Wohnungsbau", schätzt er ein. Refinanzierbar, das kann man daraus ableiten, und möglicherweise in gedanklicher Planung, sind demnach komfortable, barrierearme, moderne Wohnungen für solvente Mieter.

Lübbens Bürgermeister Lars Kolan (SPD) sagt: "Lübben braucht als Kreisstadt neuen, attraktiven Wohnraum. Inwieweit die neuen Förderprogramme für sozialen Wohnungsbau für Lübben zielführend sind, muss erst noch geprüft werden."

Die Argumente von Fallstricken in den Förderprogrammen, um 40 Prozent gestiegene Baukosten seit 2000, hohe Anforderungen an Brandschutz und Energieeffizienz kontert Landrat Loge: "Selbst dann: Sollen die Leute auf der Straße schlafen?" Es gebe genug Möglichkeiten, günstig zu bauen. Und, verweist er auf die aktuell 12 000 Einpendler pro Tag in den Landkreis, auch künftig Bedarf.

Dem versucht die GWG mit alternativen Angeboten zu entsprechen, darunter Wohngemeinschafts-Zimmer in sechs Wohnungen im Lübbener Norden. "Ein großes Thema bleibt für uns die Barrierefreiheit, gerade für Ältere. Das darf nicht aus den Augen verloren werden", ergänzt Nicole Jaegers. Ein Neubau, führen die GWG-Vorstände weiter an, bindet viel Kraft und Zeit bei sich teils schnell ändernden Rahmenbedingungen. "Man trifft Entscheidungen für die nächsten 80 Jahre", gibt Jürgen Busch zu bedenken.

Einer, der sich damit gar nicht so schwer tut, ist Ralf Schwäbisch. Der Lübbener Investor baute in Fehrbellin einen Block in 40 Einzimmer-Wohnungen um und hat einen bunten Mix aus Mietern zum Ziel, "damit keiner ausgegrenzt wird". Ähnliches würde er gern in Lübben umsetzen, hat dazu mehrere Gebäude im Visier. Macht die Bank mit - bei steigenden Anforderungen - könnte der soziale Wohnungsmarkt in Bewegung kommen.