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| 02:42 Uhr

Klein, krumm und schmackhaft

Im Lieberoser Familienzentrum FIZ des Deutschen Roten Kreuzes: Referentin Gisela Christl aus Lübben reicht den Besuchern mit einer Mulde Senfgurken-Häppchen. Brigitte und Gerhard Deutschmann aus Blasdorf bei Lieberose (v. r.) greifen zu.
Im Lieberoser Familienzentrum FIZ des Deutschen Roten Kreuzes: Referentin Gisela Christl aus Lübben reicht den Besuchern mit einer Mulde Senfgurken-Häppchen. Brigitte und Gerhard Deutschmann aus Blasdorf bei Lieberose (v. r.) greifen zu. FOTO: B. Marx/bdx1
Lieberose. Die beliebte Spreewälder Gurke hat in Lieberose bei einem unterhaltsamen Seminar im Mittelpunkt gestanden. Im Treffpunkt "Familie im Zentrum" (FiZ) stellte Gisela Christl die Frucht in den Variationen "von sauer bis lustig" vor. Die Anwesenden "garnierten" den Vortrag mit Rezepten, Erfahrungen und Erlebnissen. Bernd Marx / bdx1

Mit dem Gurken-Abc, von A wie Anbaufläche bis Z wie Zitronenmelisse, stellte die Lübbener Expertin Gisela Christl zahlreiche Details zum Anbau, der Verarbeitung und Vermarktung des weithin bekannten Spreewaldgemüses vor. Im Spreewald werden von einer etwa 640 Hektar großen Anbaufläche rund 40 000 Tonnen Gurken pro Jahr abgeerntet. In der regionalen Konservenindustrie verarbeitet, gelangen die an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen reichhaltigen Fruchtkörper zum Verbraucher.

Die Beigaben zur Gurke wie Zwiebeln, Senfkörner, Knoblauch, Fenchel, Estragon, Thymian, Dill, Salbei, Chili, Pfefferkörner, Salz und Essig verfeinern den Geschmack von "Cucumis sativus", wie der lateinische Name der Gurke ist.

"Ich legte früher die Gurken selbst ein, heute kaufe ich die bekannten Gurkensorten aus dem Spreewald", sagte Christina Dahlitz, Leiterin des Familienzentrums. "Meine Lieblingsgurke ist die Gewürzgurke", so Julia Selleng aus Jänschwalde.

Auch die Pfeffer- und Knoblauchgurke, die Meerrettich- und Chiligurke muss nicht lange auf einen Verkoster warten. In letzter Zeit machen die Aronia-Gurke und die Curry-Senf-Gurke von sich Reden. "Die Honiggurke ist auch nicht zu verachten", sagte Gerhard Deutschmann (78) aus Blasdorf bei Lieberose, der beim Gedanken an das veredelte Gemüse genüsslich mit der Zunge schnalzte.

"Ich fand die Senfgurke, mit Bautzner Senf eingelegt, geschmacklich ganz toll", konnte sich Erika Neumann aus Lieberose noch erinnern. Jeder der 20 anwesenden "Gurkenfreunde" brachte seine persönlichen Erfahrungen zur bedeutenden Feldfrucht ein, wie schon einst der Brandenburger Dichter Theodor Fontane. Bei seinem Besuch im Jahre 1859 in Lübbenau bezeichnete er den Spreewald als das "Vaterland der sauren Gurke".

Auf Wegweiser und auf Wochenmärkten, aber auch in Ausstellungshallen internationaler Verbrauchermessen hat es die Gurke geschafft. Der "Gurken-Radwanderweg" ist weit und breit bekannt, und so mancher Ort wirbt mit dem "Gurkenmarkt". Gurkenbrot, Gurkenbratwurst und Gurkenschokolade sind bei vielen Genießern die "Renner".

So mancher Kosmetikfan möchte Gurkenscheiben, Gurkencreme, Gurkenmilch und Gurkenwasser nicht mehr missen. Die "Gurke" erklomm sogar die adlige Sprossenleiter, denn in Golßen wird jährlich das "Gurken-Königspaar" und im Lübbenauer Stadtteil Lehde seit 1999 die "Gurkenkönigin" gekrönt.

Bei den gegenwärtigen Zampertouren und Fastnachtsfesten gibt es bestimmt in den Dörfern einen Gurkenlikör, Gurkenschnaps oder eine Gurken-Bowle zur Verkostung. Und für die körperliche Stärkung liegen Brote mit Gurkensülze und Gurkenleberwurst parat. Auch das Gurkeneis wird nicht verschmäht.

"Ich lasse auf eine würzige Senfgurke nichts kommen", so die 75-jährige Brigitte Deutschmann und nahm die von Gisela Christl in der Mulde gereichten Senfgurken-Häppchen freudestrahlend in Empfang.