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Kindertagesbetreuung
Angebot und Nachfrage bei Plätzen für Kitas nicht im Gleichgewicht

Lübben. Die Stadt Lübben analysiert das aktuelle Betreuungsangebot für Kinder und arbeitet daran, die Kapazitäten in den Einrichtungen kurzfristig wie perspektivisch zu erweitern.

Die Bedarfsplanung für die Plätze der Kindertagesbetreuung ist immer auch ein bisschen wie das Lesen in der Glaskugel. Und am Ende hält die Wirklichkeit wieder Überraschungen bereit. Doch ohne Planung geht es erst recht nicht und so ist die Lübbener Stadtverwaltung regelmäßig aufgefordert, den Ist-Zustand zu analysieren und eine Prognose für die kommenden Jahre abzugeben.

„In den vergangenen Jahren ist die Zahl des Bedarfs und der Versorgung mit Plätzen in der Kindertagesbetreuung von 744 im Jahr 2004 auf 1028 bis zum Jahr 2017 gestiegen“, stellt Petra Streiber, Leiterin des Fachbereichs Ordnung, Bildung und Soziales, fest. Die positive Entwicklung der Einwohnerzahl von Lübben und die Prognosen lassen erwarten, dass der Bedarf an Plätzen weiter steigen wird. Es werde davon ausgegangen, dass eine jährliche Steigerung von vier Prozent eintreten kann. Das entspricht einer Zahl von 50 Kindern, die jedes Jahr hinzukommen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, soll in Lübben der Ausbau der Kindertagesbetreuung in den kommenden Jahren verstärkt vorangetrieben werden.

„Derzeit sind 1028 Kinder in den Einrichtungen angemeldet. Die Kapazität für das laufende Schuljahr beträgt 1158 Plätze“, wie die Fachbereichsleiterin erklärt. Dabei sei jedoch zu berücksichtigen, dass der Bedarf für die einzelnen Bereiche Krippe, Kita und Hort unterschiedlich ist. So stehen in den Horteinrichtungen 373 Plätze zur Verfügung, die aktuell mit 350 Kindern belegt sind. Durch die Zuzüge im laufenden Jahr sowie Steigerung der Schülerzahlen im kommenden Jahr sind auch kurzfristig alle Kapazitäten voll ausgelastet.

In den Kitas und Tagesbetreuungsstellen stehen 785 Plätze zur Verfügung, von denen 678 derzeit belegt sind. „Allerdings liegen noch 133 Anträge für den laufenden Betreuungszeitraum 2017/18 vor, die bis Ende August 2018 versorgt werden müssen, so Petra Streiber. Deshalb könnte der Bedarf die Möglichkeiten bereits in absehbarer Zeit um 26 Plätze übersteigen.

Die Stadt versuche, alle Möglichkeiten auszuschöpfen und allen Antragstellern sobald wie möglich einen Platz in einer gewünschten Einrichtung zum Wunschzeitpunkt zu organisieren. Da die einzelnen Plätze jedoch nicht immer in der notwendigen Altersgruppe zum entsprechenden Zeitpunkt verfügbar sind, kann es zu Wartezeiten kommen, so die Erfahrung. „Es gibt täglich Änderungen“, sagt Elke Lubotta, seit Jahren für das Gebiet Kindertagesstätten in der Verwaltung zuständig. „Doch so extrem wie in diesem Jahr war es noch nie“, stellte sie kürzlich im Bildungsausschuss fest.

Um die Situation zu entschärfen, werden daher kurzfristig neue Tagespflegestellen gesucht und befristete Kapazitätserhöhungen geprüft. Mittelfristig wird die neue Kita in Treppendorf, die Ende 2018 fertig sein soll, teilweise Entlastung bringen. Eine bedarfsgerechte Versorgung ist entscheidend.

Erforderlich ist eine strategische Neuausrichtung für die Spreewald-Kreisstadt. Doch einen Zeitraum von zehn Jahren könne keiner überblicken, so die Fachbereichsleiterin. Beispielsweise habe der starke Rückgang der Arbeitslosigkeit in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass der Druck auf die Kapazitäten zur  Hortbetreuung enorm zugenommen habe. Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sei nicht so absehbar gewesen. Der Zuzug nach Lübben halte an und war auch nicht so prognostiziert worden. In der weiteren Planung soll nun von einem Plus von vier Prozent im Jahr ausgegangen werden – wenn das Wohnungsangebot der Nachfrage entsprechen kann.

Die Stadtverwaltung wird die Entwicklungsplanung für Schulen und Kindergärten überarbeiten, um die nötigen Baumaßnahmen schnell auf den Weg zu bringen. Es werden auch Möglichkeiten in Betracht gezogen, die zu schnellen Ergebnissen führen, wie beispielsweise  Containerlösungen.