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Kirchentag mit wendischen Trachten und Tänzen

Die Volkstanzgruppe aus Zeißig begeisterte während des wendischen Kirchentags am Wochenende in Straupitz (Lieberose-Oberspreewald).
Die Volkstanzgruppe aus Zeißig begeisterte während des wendischen Kirchentags am Wochenende in Straupitz (Lieberose-Oberspreewald). FOTO: asd1
Straupitz. Christen haben ihren 61. Wendischen-evangelischen Kirchentag in diesem Jahr in Straupitz (Lieberose-Oberspreewald) gefeiert. Andreas Staindl / asd1

Sie machten damit die besondere Rolle der Reformation für die Wenden deutlich. Martin Luthers Bibelübersetzung ins Deutsche ermutigte wendische Geistliche vor rund 500 Jahren, religiöse Texte ins Wendische zu übersetzen. Der wendische Pfarrer und Universalgelehrte Albin Moller aus Straupitz gab 1574 Luthers kleinen Katechismus und Kirchenlieder als erstes Buch in wendischer Sprache heraus. Dieses Werk stellte einen wichtigen Impuls für die Entwicklung der wendischen Schriftsprache dar.

Daran, und an das Wirken Albin Mollers, wurde während des gesamten Kirchentags erinnert. Christen der Niederlausitz feierten am Wochenende gemeinsam mit ihren Schwestern und Brüdern aus der Oberlausitz. Zahlreiche Trachtenträgerinnen waren rund um die Schinkel-Kirche in Straupitz unterwegs.

Ein nicht alltägliches Bild. Ursula Klaue war von den historischen Trachten begeistert. "Die Frauen sehen damit toll aus", sagt sie. "Ich habe so etwas noch nie gesehen. Es ist schon beeindruckend, auch junge Leute in Tracht zu sehen." Die Urlauberin aus Mecklenburg-Vorpommern ist eher zufällig in Straupitz vorbeigekommen: "Wir sind mit den Fahrrädern unterwegs, hatten uns kein besonderes Ziel ausgesucht." Der wendische Kirchentag wurde mit einer zweisprachen Andacht am Samstagnachmittag am Albin-Moller-Denkmal vor dem evangelischen Pfarrhaus eröffnet. Vorträge über "Reformation und Wenden" schlossen sich an. Der wendische Gottesdienst, ein festlicher Abendmahlgottesdienst, war einer der Höhepunkte der zweitägigen Veranstaltung. Mit ihm wurde der Festsonntag eingeleitet. Mit Mollers Neuinterpretation des Gesangsbuchs wurde ein Bogen von der alten vorreformatorischen Liturgie über die Reformation bis in das 21. Jahrhundert gespannt. Zudem feierte die Komposition "Liturgia trinitatis" von Sebastian Elikowski-Winkler Premiere. Das Werk wurde vom Chor "Budysin" aufgeführt. Mit einem zweisprachigen Programm wurde am Sonntagnachmittag an Traditionen der Wenden und Sorben erinnert. Tanz, Gesang und Modenschau wurden geboten.

Die Zahl der Besucher war allerdings überschaubar. Doch diejenigen, die zugeschaut haben, waren begeistert. Von den getanzten und gesungenen Erinnerungen, aber auch vom wendischen Leben im neuen Gewand. Sarah Gwiszcz sorgte mit ihrer Modenschau für Erstaunen bei den Besuchern. Die selbstständige Modedesignerin aus Lübbenau vermischt Traditionelles und Modernes. Sie macht dadurch die wendische und sorbische Tracht auch für heutige Generationen interessant und tragbar. Sie und ihre Models bekamen am Sonntag viel Beifall. Das Publikum war aber auch von der Tanzgruppe aus Zeißig (Stadt Hoyerswerda) begeistert. Die Volkstanzgruppe hat mit Tänzen in original sorbischen Trachten gezeigt, wie sich frühere Generationen vergnügten, den Gemeinschaftssinn pflegten und sie über die Trachten sowie die Sprache mit ihrer sorbischen Heimat verwurzelt waren. "Große Klasse", sagt Roland Köhler aus Sachsen. "Die Gruppe hat Brauchtum wunderbar und nachvollziehbar präsentiert." Viel Beifall gab es auch für die Trachtengruppe "Nowa Niwa" aus Neu Zauche (Lieberose-Oberspreewald). Chöre aus der Nieder- und aus der Oberlausitz, darunter der Spreewald-Frauenchor aus Lübben, gestalteten das kulturelle Programm am Festsonntag mit.

Für den Straupitzer Pfarrer Christoph Hanke war das zweitägige Fest "eine großartige Sache". Posaunenchöre sorgten für einen stimmungsvollen Abschluss des wendischen Kirchentags.

Der Kirchentag unter dem Motto "Am Anfang war das Wort" war einer der Höhepunkte regionaler Christen anlässlich des 500. Geburtstags der Reformation.