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Kirche als rettender Ort

Wetterfest vor malerischer Kulisse des Groß Leuthener Schlosses: Rund 450 Gäste Platz haben Samstag Platz genommen, um die Leipziger Philharmonie zu hören. Die jüdische Gemeinde Königs Wusterhausen hatte vier hochkarätige Solistinnen an den Flügel nach Groß Leuthen gebracht.
Wetterfest vor malerischer Kulisse des Groß Leuthener Schlosses: Rund 450 Gäste Platz haben Samstag Platz genommen, um die Leipziger Philharmonie zu hören. Die jüdische Gemeinde Königs Wusterhausen hatte vier hochkarätige Solistinnen an den Flügel nach Groß Leuthen gebracht. FOTO: Kockott/ikt1
Groß Leuthen. Das Wetter hat kein Verständnis für Kultur: Lesung mit Christian Redl und die Kinovorführung wurden ins Groß Leuthener Gotteshaus verlegt. Das Konzert am Samstag beeindruckte. Isabell Kockott / ikt1

Harald Larisch, Kurator der Aquamediale 2017, hat zur Eröffnung eines weiteren Höhepunktes im Veranstaltungskalender die richtigen Worte gefunden. "Der Veranstalter konnte viel planen, nur eines nicht: das Wetter." Der Regen am Freitagabend hatte die Organisatoren zu einer kurzfristigen Umbaumaßnahme gezwungen.

Mit ein wenig zeitlicher Verzögerung begann die eigentlich unter freiem Himmel im Garten des Wasserschlosses Groß Leuthen geplante Lesung mit Schauspieler und Musiker Christian Redl in der Groß Leuthener Kirche. "Ich kenne die Kirche noch nicht und bin gespannt, wie die Akustik hier gemeistert wird", sagt der Lübbener Klaus Friedrich. Der pensionierte Lehrer hatte im vergangenen Jahr bereits persönlich Bekanntschaft mit dem aus den Spreewaldkrimis bekanntem Kommissar gemacht. Etwa 100 Gäste verfolgten die musikalisch umrahmte Lesung der "Blume des Bösen". Die Chemnitzerin Manuela Kreuzig war nach der gut einstündigen Vorstellung sichtlich begeistert. "Ich werde nachsehen, ob es davon Aufnahmen gibt. Es war sehr faszinierend."

Auch das eigentliche Freiluftkino, welches im Anschluss folgte, wurde wetterbedingt kurzerhand in die Kirche verlegt. "Der Film war richtig toll", schwärmt Lilly-Sophie John. Die junge Groß Leuthenerin zeigt sich begeistert von der schauspielerischen Leistung der Protagonisten. Der gezeigte Film "4 Könige" handelt von vier traumatisierten Jugendlichen, die Weihnachten in der Psychiatrie verbringen. "Schade war, dass der Ton in der Kirche nicht so gut war", fügt die 15-Jährige an.

Der Samstag begann sehr verhalten. Das wenig sommerliche Wetter hatte nur wenige Menschen nach Groß Leuthen gelockt. Über den Kunst- und Handwerkermarkt schlenderten vereinzelte Besucher. Auch die von der Kulturarche e.V. vorbereiteten Führungen durch den Ort, den Schlosspark und die Kirche wurden eher zu Einzelgesprächen für Interessierte. Als schließlich zur besten Kaffeezeit ein wenig die Sonne herauskam, kam sichtlich mehr Bewegung ins Dorf. Bevor die Plätze zum Konzert der Leipziger Philharmonie eingenommen wurden, lockte im Pfarrhaus der Gemeindekirchenrat mit Kaffee und Kuchen sowie herzhaften Schmalzstullen. Hier kamen Bewohner des Ortes und Gäste in lockerer Atmosphäre miteinander ins Gespräch.

Die einzigartige Kulisse des Groß Leuthener Schlosses gepaart mit klassischer Musik lockte Zuhörer aus Nah und Fern an. So waren Eberhard Hampe und Manfred Kleinhans extra aus Hannover angereist. "Wir verbinden das natürlich mit einer Stippvisite im Spreewald", erzählen die Musikkenner.

Das historische Gemäuer im Hintergrund, der Blick auf den See, unter grünen Bäumen im Schlosspark - die Kulisse sei für so ein Konzert einzigartig. Die Besucher verfallen an diesem Abend in einhelliges Schwärmen. "Es ist toll, dass hier in der ländlichen Gegend so etwas auf die Beine gestellt wird", sagt Eberhard Hampe.

Diese Meinung teilt auch Egbert Seifert. "Obwohl es nur ein halbes Orchester ist, ist die Qualität sehr gut. Ein Highlight, ein Segen, absolut begrüßenswert für unsere Region", schwärmt der Schuhlen-Wiesener während der Konzertpause. Selbst die Glocken der Schlossturmuhr und die der Kirche stimmten zeitweilig mit ein bei Mozart und Beethoven. Das sorgte für schmunzelnde Gesichter bei Musikern und Publikum. Als nach gut zweieinhalb Stunden der Flügel verstummte und der Applaus der begeisterten Zuhörer abebbte, wurde sogleich ab- und umgebaut.

Mit Einsetzen der Dunkelheit übernahmen die DJs vom Club Bellevue die musikalische Beschallung. Stefan Jurrack und Bennet W. eröffneten als Residents des Lübbener Clubs den Abend mit elektronischen Klängen, gemixt an ihren Plattentellern. Als die Ruuuderboyz, ein spreewälder DJ-Trio, die Bühne enterten, war die Meute endgültig in Tanzlaune.