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| 02:51 Uhr

Kino-Premiere nach 43 Jahren – auch ein Erfolg

FOTO: dpa/Agentur
Interview der Woche. Mit der Gangsterkomödie "Hände hoch oder ich schieße" setzt der Verein für Land- und Dorfkultur Schloss Groß Jehser das Nostalgische Sommerkino fort. Der Defa-Film aus dem Jahr 1966 war hochkarätig besetzt mit Rolf Herricht, Hans-Joachim Preil, Gerd E. Schäfer. Auch Herbert Köfer gehörte zu dieser Riege – er wird am 19. Juli in Groß Jehser als prominenter Gast dabei sein. (Quelle: www.film-zeit.de)

Die Film-Komödie "Hände hoch oder ich schieße" gehört zu den künstlerischen Arbeiten, die damals in der DDR dem restriktiven Kurs nach dem 11. Plenum des ZK der SED zum Opfer gefallen waren. Zwar kam der Stoff von Autor Rudi Strahl 1970 unter dem Titel "Noch mal ein Ding drehen" auf die Bühne, doch der Film hatte erst 2008 seine Premiere. Aus dem Material von 570 Filmbüchsen, das im Filmarchiv des Bundesarchivs lagert, wurde er rekonstruiert. Nun wird die Komödie in der Nähe von Calau, der Stadt der Kalauer, gezeigt und Herbert Köfer beantwortet vorab einige Fragen.

Kennen Sie Siegfried Kühn, den Initiator der Veranstaltung, als Regisseur aus Defa-Zeiten?
Ja, wir kennen uns gut, haben allerdings nie miteinander gearbeitet.

Erinnern Sie sich noch an die Bedingungen bei den Dreharbeiten für den Film Mitte der 1960er Jahre?
An besondere Bedingungen kann ich mich nicht erinnern, ich weiß nur, dass Filme in der heutigen Zeit wesentlich schneller fertiggestellt werden.

Wie war die Zusammenarbeit mit den anderen Schauspielern, beispielsweise Rolf Herricht, und mit Regisseur Hans-Joachim Kasprzik? Haben Sie mit dem Regisseur noch weitere bekannte Filme gedreht?
Ich denke, dass die Zusammenarbeit mit allen Darstellern eine sehr gute war, denn es ist ja auch eine gute Komödie dabei entstanden. Rolf Herricht war ein wunderbarer Kollege und Freund, mit dem ich in vielen Kino- und Fernsehproduktionen zusammengearbeitet habe. Was Hans-Joachim Kasprzik betrifft, habe ich mit ihm so wunderbare Filme wie zum Beispiel "Wolf unter Wölfen" gedreht. Der Rittmeister von Studtmann war eine meiner schönsten Rollen, die ich spielen durfte.

Zurück zu "Hände hoch oder ich schieße". Gab es Bemühungen, die Komödie dennoch ins Kino zu bringen?
Rudi Stahl hat einige Texte, die zum Aufführungsverbot des Films führten, umgeschrieben. Leider ohne Erfolg. Der Film wurde trotzdem nicht zur Premiere zugelassen.

Waren Sie dann im Jahr 2008 bei der Kinopremiere des Films dabei?
Ja - und zwar 43 Jahre nach seiner Fertigstellung! Das gab es vorher noch nie. Auch ein Erfolg.

Welcher Film aus der langen Liste Ihrer schauspielerischen Arbeit ist für Sie der wichtigste?
Den Wichtigsten gibt es nicht. Es sind eine Menge guter Filme, in denen ich mitgespielt habe und die mir wichtig sind wie zum Beispiel "Wolf unter Wölfen", "Nackt unter Wölfen", "Kleiner Mann, was nun?", "Grenadier Wordelmann", "Der Lumpenmann", verschiedene "Polizeiruf 110".

Sie haben zahlreich Preise für Ihre künstlerische Arbeit erhalten - vom Nationalpreis der DDR im Jahr 1969 über den Theodor-Körner-Preis bis zur Goldenen Henne im Jahr 2002 für Ihr Lebenswerk. Welchen Preis würden Sie gern noch einreihen?
Ich bin niemand, der Preise "sammelt". Ich freue mich, wenn meine Arbeit vom Publikum anerkannt wird, ob nun mit Preis oder ohne.

Sie haben im Guinness-Buch der Rekorde einen Eintrag als "ältester, prominenter, noch aktiver Trabrennfahrer". Wann sind Sie Ihr letztes Rennen gefahren? Oder haben Sie sich jetzt aufs Golfen verlegt?

Mein letztes Rennen bin ich vor zwölf Jahren gefahren. Es gibt jetzt eine Altersbeschränkung. Allerdings sitze ich noch ab und zu im Sulky und drehe ein paar Runden auf der Rennbahn, aber nur um die Pferde "warm" zu fahren. Ich habe bereits eine Trainingsstunde auf dem Golfplatz hinter mir. Es hat mir Spaß gemacht. Wer weiß, vielleicht werde ich noch Golfer, aber erst, wenn ich mich zur Ruhe gesetzt habe.

An welchen Projekten arbeiten Sie gegenwärtig?
Ich schreibe an einem Buch mit Anekdoten und Geschichten, die mir erzählt wurden oder die ich selber erlebt habe.

Außerdem bin ich in diesem Jahr zum siebenten Mal bei den Jedermann-Festspielen im Berliner Dom dabei. Gehe mit Köfers Komödian ten Bühne und "Rentner haben niemals Zeit" nach 150 gespielten Vorstellungen noch einmal auf Tournee. Des weiteren bereite ich mein 75-jähriges Bühnenjubiläum, was ich im nächsten Jahr begehe, vor. Und auch dem Fernsehen bleibe ich weiterhin treu. Für mich gilt nach wie vor der Spruch "wer rastet, der rostet".

Mit Herbert Köfer

sprach Ingrid Hoberg.

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Zum Thema:
Herbert Köfer ist am 17. Februar 1921 in Berlin im Prenzlauer Berg geboren worden. Seine Eltern besaßen einen Postkartenverlag. Deshalb begann er eine kaufmännische Lehre, die er aber abbrach. Um Schauspieler zu werden, ging er von 1937 bis 1940 an die Schauspielschule des Deutschen Theaters. Er wurde zum Militärdienst eingezogen, mehrfach verwundet. Nach der Kriegsgefangenschaft kehrt er zu seinen Eltern zurück. Bald darauf ging er zur Volksbühne in Berlin. Er arbeitet mit Regisseuren wie Wolfgang Langhoff und Viktor de Kowa und entdeckt das Kabarett. Seit1946 hat er auch für den Hörfunk gearbeitet. Er war 1952 der erste Nachrichtensprecher beim Fernsehen der DDR. (Quelle: www.film-zeit.de )

Zum Thema:
Der Defa-Film "Hände hoch oder ich schieße” wird am Samstag, 19. Juli, um 21 Uhr im Schlossgarten in Groß Jehser, Schmiedeweg 50, gezeigt. Projiziert wird die Komödie von Jakob Dams im früheren Landkino-Stil mit traditioneller Vorführtechnik (TK 35). Wer die Möglichkeit hat, kann sich einen Klappstuhl mitbringen. Bei schlechtem Wetter gibt es eine Ausweichvariante, informiert der Verein für Land- und Dorfkultur Schloss Groß Jehser. Der Eintritt kostet vier Euro. Als Theaterstück ist der Stoff von Rudi Strahl unter dem Titel "Noch mal ein Ding drehen" im Jahr 1970 an den Bühnen der Stadt Magdeburg uraufgeführt worden, weitere Aufführungen folgten. Der Film kam nicht ins Kino. Für die Rekonstruktion zeichnen die Defa-Stiftung und das Bundesarchiv-Filmarchiv verantwortlich.