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| 02:44 Uhr

Kino entführt in andere Welten

Lübben. 385 Schüler aus der Region Lübben, aus Königs Wusterhausen und aus Lübbenau haben die Schulkinowochen des Projekts Filmernst in Lübben genutzt. Es gab ein breites Angebot an verschiedenen Streifen und sehr unterschiedliche Reaktionen. Ingvil Schirling

Ein Raunen geht durch die Reihen: Zwei Männer küssen sich auf der Kinoleinwand. Sekunden später kollektives Kreischen: Ein nackter Mann ist kurz zu sehen. Es ist der Abspann des berühmten Films "Sonnenallee", die Lübbenauer Oberschüler sind gut drauf, haben viel gelacht. "Es war sehr lustig und hat mir sehr gut gefallen", sagt Sarah Dameck aus Groß Lübbenau. "Sehr informativ" fanden Alina Kusche und Jasmin Rost aus Lübbenau den Streifen, vor allem deshalb, "weil wir die Zeit von früher nicht so kennen". Es sei eher zwischendurch auch mal lustig gewesen. Vor allem aber sei deutlich geworden, dass es früher ganz anders war als jetzt.

Die beiden Mädchen sind aus den Jahrgängen 1999 bis 2000, der Film spielt angesichts der Berliner Mauer in der DDR der 1970er-Jahre. "Unsere Lehrerin hat das Thema schon gut mit uns vorbereitet", sagt Alina Kusche. Daher werde das Thema Zuhause wohl auch nicht mehr so heiß diskutiert.

Schweres Thema

Während Alina und Jasmin noch reden, ruft ein anderes Mädchen "super" als Antwort auf die Frage, wie es ihr gefallen hat. Ungleich schwerere Kost hingegen mussten Acht- und Neuntklässler Anfang der Woche verdauen. Die Paul-Gerhardt-Gymnasiasten sahen den Streifen "Land in Sicht". Der Dokumentarfilm von Judith Keil und Antje Kruska erzählt von drei Flüchtlingen in der Brandenburger Provinz und ihrem mühsamen Weg zu Arbeit und Anerkennung. Die unfreiwillige Komik beim Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen, die der Film aufzeigen soll, kam offenbar nicht an. Denn das Gespräch nach der Vorführung, in dem Inhalte mit professioneller Moderation nochmals besprochen und verdeutlicht werden sollen, kam nur schwer in Gang. Unklar bleibt, warum. Lehrerin Harieth Förster geht davon aus, dass die Achtklässler mit der Schwere des Themas beschäftigt waren.

Mit 385 Schülern bei acht Vorführungen blieben die Teilnahmezahlen diesmal weit hinter denen des Vorjahres zurück. 2015 waren fast 600 Kinder und Jugendliche mit dabei. Alle drei Lübbener Grundschulen sowie die in Gröditsch und Straupitz nutzten das Angebot, ebenso das Oberstufenzentrum Lübben und die Schule des Zweiten Bildungsweges in Königs Wusterhausen. "Die Förderschule am Neuhaus ist eigentlich immer mit dabei", ergänzt Liane Schulz. Die Mitarbeiterin der Spreewald-Lichtspiele begleitet die Filmernst-Schulkinowochen schon lange, auch, seit das Lübbener Kino unter Regie der Familie Hahn 2011 wieder eröffnete.

Betreiber steht zu Angebot

Matthias Hahn ist vom Bildungsauftrag dieses Angebots überzeugt: "Mit Filmernst schiebt man nicht die riesengroßen Gewinne", sagt er und steht voll dahinter, dass das Programm qualitätsvolle Streifen für Schüler auf die Leinwand bringt. Auch die Filmauswahl kommt bei beiden an - etwa, dass "Sonnenallee" auf Wunsch im Tausch gegen "Taxi Teheran" gezeigt wurde und der Film "Die Schüler der Madame Anne" zusätzlich.

Zum Thema:
Die Lübbener Spreewald-Lichtspiele beteiligen sich gern an Programmen, die spielerisch Bildung vermitteln. Im Januar und Februar gastiert das "Spatzenkino" mit Filmen für Kinder ab vier Jahren im Saal an der Poststraße. Das Kurzfilmprogramm zeigt am 17. Februar ab 10 Uhr "Bootsmann auf der Scholle", "Der kleine Tiger auf der Sonnenblume" und "Die kleine Prinzessin", moderiert und mit Bewegungseinlagen für die Kleinen. Anmeldung unter 030 4494750 oder direkt im Kino.