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Führungswechsel
Kinderhilfsverein mit neuer Spitze

Führen den Lübbener Kinderhilfsverein für Tschernobyl künftig: Herta Katterle (links/Vorsitzende) sowie Danilo Markewitz (stellvertretender Vorsitzender) und Ute Moritz (von rechts/Kassenwartin). Brigida Melzer (2.von links) bleibt dem Verein als Ehrenvorsitzende erhalten. Foto: Andreas Staindl..
Führen den Lübbener Kinderhilfsverein für Tschernobyl künftig: Herta Katterle (links/Vorsitzende) sowie Danilo Markewitz (stellvertretender Vorsitzender) und Ute Moritz (von rechts/Kassenwartin). Brigida Melzer (2.von links) bleibt dem Verein als Ehrenvorsitzende erhalten. Foto: Andreas Staindl.. FOTO: Andreas Staindl
Lübben . Herta Katterle ist in Lübben für den Vorsitz gewählt worden. Brigida Melzer bleibt Ehrenvorsitzende.

Führungswechsel im Lübbener Kinderhilfsverein für Tschernobyl: Herta Katterle, Jahrgang 1940, ist die neue Vorsitzende. Sie löst Brigida Melzer (80) ab, die den Verein seit der Gründung vor fast 22 Jahren geleitet hatte.

Auch bei den Finanzen gab es einen Wechsel. Ute Moritz übernimmt das Ehrenamt der langjährigen Kassenwartin Christel Schneider. Weitere Vorstandsmitglieder wurden in ihrem Amt während der Jahreshauptversammlung kürzlich einstimmig bestätigt.

Die neue Vorsitzende will den Verein „erfolgreich weiterführen“ wie sie sagt. Die bisherige Führungsspitze sichert ihr „die volle Unterstützung“ zu. Ziel des Vereins ist es nach wie vor, betroffenen Kindern der Tschernobyl-Katastrophe und deren Familien zu helfen sowie ihr Leid zu lindern. Schwerpunkt ist der dreieinhalbwöchige Erholungsaufenthalt für elternlose, sozialschwache und gesundheitlich geschädigte Kinder jeweils im Sommer eines Jahres.

Der Aufenthalt in diesem Jahr ist vom 26.Juli bis zum 20.August geplant. Etwa 30 Kinder werden erwartet. Sie sollen vom Vorstand des Vereins vor Ort in Weißrussland ausgewählt werden, wie der alte und neue stellvertretende Vorsitzende Danilo Markewitz sagt: „Für die Gasteltern ist es wichtig, einiges über die Kinder zu erfahren, um sich auf deren Besuch einzustellen.“

Die Familien auf Zeit haben den Nachwuchs aus Weißrussland in den vergangenen Jahren mit viel Liebe und Herzblut betreut. „Unsere Gasteltern sind klasse“, würdigt Brigida Melzer deren großes Engagement. Für dieses Jahr werden weitere Gastfamilien gesucht. Der Kinderhilfsverein sichert nicht nur den Erholungsaufenthalt im Sommer sondern kümmert sich auch um besonders kranke und gesundheitlich schwer beeinträchtigte Kinder.

Artjom Karpowitsch ist einer davon. Er liegt im Wachkoma. Seine Familie ist auf Hilfe angewiesen. Aktuell benötigt Artjom einen Rollstuhl mit Kopfstütze, wie Brigida Melzer sagt. Sie hofft, „dass ein solches Hilfsgerät noch auf irgendeinem Dachboden steht und zur Verfügung gestellt wird“. Auch Dascha Swerowitsch ist ein Opfer der Tschernobyl-Katastrophe. Sie wurde einen Monat vor den „Super-Gau“ geboren. Der Verein aus Lübben holte sie mit acht Jahren aus dem Sterbehospiz, organisierte medizinische Hilfe und konnte das Mädchen so am Leben halten.

Auch Schenja Kantrussjewitsch ist schwer erkrankt. Die Strahlung hat Körper und Geist des Jungen zerstört, seine Schwester ist an den Strahlenschäden gestorben. „Die Familie lebt in armen Verhältnissen“, sagt Danilo Markewitz, der persönlich die ebenfalls sehr kranke Shenja Sedura betreut. Die kleine Sophia Nistjuk ist das jüngste Sorgenkind des Kinderhilfsvereins. Sie ist schwerstbehindert und sitzt im Rollstuhl. Für sie und ihre Mutter Julia ist in diesem Jahr ein erneuter Aufenthalt in der Reha-Klinik in Lübben geplant.

Ohne die zahlreichen Sponsoren und Unterstützer wäre die Hilfe nicht möglich. „Wir sind stolz auf unsere Bevölkerung, die unseren Verein großzügig unterstützt“, sagt der Vize-Vorsitzende stellvertretend für den gesamten Vorstand. „Es ist uns gelungen, auch 2017 viele Menschen von unserer humanitären Arbeit zu überzeugen und sie für ein Engagement zu gewinnen. Das gibt uns Mut, weiterzumachen.“

Neben dem Erholungsaufenthalt im Sommer sind in diesem Jahr noch Benefizkonzerte in Luckau sowie in Wildau geplant. Die Schokoladensammlung im Herbst soll es erneut geben. Ebenso will der Kinderhilfsverein wieder während des Adventsmarkts in Lübben präsent sein. Etwa 550 Euro konnten 2017 während einer humanitären Verlosung dort eingenommen werden wie die bisherige Finanzchefin Christel Schneider informiert. Sie und die bisherige Vorsitzende rücken jetzt ins zweite Glied, engagieren sich jedoch weiterhin. Karla Mauer steht dem Gremium nicht mehr zur Verfügung. Sie will sich aber weiterhin im Verein engagieren. Brigida Melzer, gesundheitlich angeschlagen, ist froh, nicht mehr die Verantwortung an der Spitze tragen zu müssen. „Ich freue mich jetzt auf die Zeit als Ehrenvorsitzende.“