Fenia Becker fehlt. Ihr Platz bleibt frei. Nur ihre Gitarre steht dort, fast so, als würde das Mädchen jeden Augenblick zur Tür reinkommen und mitspielen. Doch die Drittklässlerin steht derzeit vor anderen Herausforderungen.

Nach einer Mandel-Operation war sie am Entlassungstag nach einem Herzstillstand ins Koma gefallen (die RUNDSCHAU berichtete). Seitdem kämpft sich die Neunjährige zurück ins Leben. „Die Nachricht von dem Unglück hat uns schwer erschüttert“, sagt Lisette Zobel. „Fenias Schicksal berührt Schüler und Lehrer unserer Schule, hat uns alle ganz schön mitgenommen.“ Die Leiterin der Grundschule in Gröditsch (Märkische Heide) versucht gemeinsam mit ihren Kolleginnen, den anderen Kindern das Unglück begreifbar zu machen. „Musik ist eine gute Möglichkeit, Gefühle zuzulassen und zu verarbeiten“, sagt Lisette Zobel.

Das Projekt „Klasse Musik“ bietet den Rahmen. Es ermöglicht den Schülerinnen und Schülern einen instrumentalorientierten Musikunterricht. Fenia hatte sich für die „Gitarren-Klasse“ entschieden. Sie wollte sich, wie die anderen Mädchen und Jungen auch, auf den großen, öffentlichen Auftritt in diesem Schuljahr vorbereiten. Daraus wird nichts. Die anderen Kinder üben ohne sie. „So konzentriert habe ich die Schülerinnen und Schüler noch nie erlebt“, sagt die Musiklehrerin Simone Dziubaty. „Niemand murrt, alle machen bereitwillig mit.“

Ihr großes Ziel: Das Benefizkonzert am 23. Mai dieses Jahrs in der Turnhalle der Grundschule in Gröditsch. Dort soll möglichst viel Geld eingespielt werden, um Fenia und ihren Eltern den Umgang mit dem Schicksal zu erleichtern. Hausumbau, behindertengerechtes Auto, Sondertherapien – die Herausforderungen sind riesig, finanziell, aber auch psychisch und physisch. Weitere Aktionen sind geplant oder schon angelaufen (die RUNDSCHAU berichtete).

„Ich bin sehr froh, dass so viele Menschen helfen wollen und für Fenia spenden“, sagt Malia Lehmann. Sie und die anderen Kinder der Schule üben derzeit fleißig für das Benefizkonzert. Ein besonderes Lied ist mit im Programm. Es beschreibt Tage in Moll. Tage, die schwarz sind. Tage, die man einfach hasst. Und doch verbreitet das Lied auch Hoffnung. Hoffnung auf bessere Tage. Auf die Sonne. Auf leuchtende Farben. Auf das Leben. Lisette Zobel geht mit den Kindern den Text durch, verhilft ihnen zu der Erkenntnis, dass das Leben Schatten und Licht bereithält.

Das Lied versprüht Zuversicht und Hoffnung für Fenia. „Es würde ihr gefallen“, sagt Charlotte Lindorf, eine ihrer besten Freundinnen. Musik ist zumindest ein Zugang zu dem Mädchen, das sich derzeit in der Reha befindet. „Ihr Vati hat erzählt, dass sie auf Musik reagiert“, sagt die Schulleiterin. Die Kinder sind in Gedanken bei Fenia. „Wir haben ihr zu Weihnachten Briefe geschrieben und ihr gewünscht, dass sie schnell wieder gesund wird“, erzählt John Slotke. „Das ist uns nicht leicht gefallen, auch, weil deutlich geworden ist, dass uns Fenia fehlt.“

Vor wenigen Wochen hatte das schwerkranke Mädchen Geburtstag. „Wir haben ihr ein Sitzkissen mit unseren Namen für den Rollstuhl geschenkt“, erzählt Helena Dillan. „Sie soll sich schließlich an uns erinnern.“ Am besten aber wiederkommen. „Ich hoffe, dass Fenia gesund wird und möglichst viele Dinge wieder selbst machen kann“, sagt Enni Dillan. „Mit dem Benefizkonzert wollen wir unseren Teil beitragen.“ Der Erlös des Konzerts soll helfen, ein Therapiegerät anzuschaffen.

Das Konzert am 23. Mai dieses Jahres beginnt um 17.30 Uhr. Jeder ist herzlich willkommen.