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Netzwerk Gesunde Kinder
„Keine Panik, auch wenn es blutet“

Rettungssanitäter Christian Hildebrand gibt sein Fachwissen weiter, auch beim Kinder-Notfall-Basiskurs kürzlich in der Spreewaldklinik in Lübben.
Rettungssanitäter Christian Hildebrand gibt sein Fachwissen weiter, auch beim Kinder-Notfall-Basiskurs kürzlich in der Spreewaldklinik in Lübben. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Rettungssanitäter Christian Hilebrand gibt (werdenden) Eltern Tipps in einem Kinder-Notfall-Basiskurs. Von Andreas Staindl

Kinder wollen die Welt entdecken. Das geht nicht immer ohne kleinere oder größere Unfälle ab. Für Eltern, Großeltern und andere Betreuungspersonen ist es deshalb wichtig zu wissen, wie im Ernstfall schnell zu handeln ist.

Ein speziell konzipierter Kinder-Notfall-Basiskurs macht sie fit dafür. Das Netzwerk „Gesunde Kinder“ im Landkreis Dahme-Spreewald, das auch im Norden des Landkreises Oberspreewald-Lausitz aktiv ist, bietet solche Kurse an. Einer fand kürzlich in der Spreewaldklinik in Lübben statt.

Das Interesse war recht groß. Die Netzwerk-Koordinatorin Sandra Kempe konnte etwa 25 Leute begrüßen. Notfallsanitäter Christian Hildebrand hat den Kurs durchgeführt. Das von ihm vermittelte Basiswissen hilft Ersthelfern, Erkrankte oder Verunfallte mit dem Notwendigsten bis zum Eintreffen des Rettungswagens zu versorgen.

Maximal 15 Minuten dürfen von der Alarmierung bis zum Eintreffen am Einsatzort im Landkreis Dahme Spreewald vergehen, wie der Notfallsanitäter erklärt. Seine Erste-Hilfe-Tipps helfen, ruhig und besonnen zu handeln – Basiswissen vorausgesetzt. Wie prüfe ich, ob der Verunglückte noch atmet, sein Herz schlägt, er bei Bewusstsein ist? Wann ist es besser, ihn in eine stabile Seitenlage zu legen? Wie reanimiere ich richtig? Und welche Besonderheiten sind bei Babys und Kleinkindern zu beachten? Für die Teilnehmer des Basiskurses gab es von Christian Hildebrand Antworten darauf und auf viele weitere Fragen.

„Er hat das super gemacht und wertvolle Hinweise für die Erste Hilfe bei Kindern gegeben“, sagt der Lübbener Matthias Hendrischk. Auch seine Frau Nadine fühlt sich jetzt „für den Ernstfall besser vorbereitet. Es ist gut zu wissen, worauf es im Notfall ankommt.“

Erste Hilfe bei Kindern unterscheidet sich schon von der bei Erwachsenen. Wenn etwa Babys oder Kleinkinder von Mund zu Mund beatmet werden müssen, reicht die Luft aus den Wangen des Ersthelfers. Denn Kinder haben ein viel geringeres Lungenvolumen als Erwachsene. Der Tipp des Fachmanns: Fünf Mal beatmen, und wenn dann noch immer kein Puls vorhanden ist, dauerhaft Herzdruckmassage bis der Rettungsdienst eintrifft.

Christian Hildebrand hat das Basiswissen sehr anschaulich rübergebracht. Viele Notfallsituationen hat er schon selbst erlebt, manche sehr häufig. Der Rettungssanitäter arbeitet seit 13 Jahren in seinem Beruf, begleitet seit vier Jahren auch Operationen. Sein Rat an die Teilnehmer des Kurses, vor allem an werdende Eltern: „Vertrauen sie auf ihre Instinkte. Mit dem angeborenen Mechanismus werden Sie im Ernstfall das Richtige machen.“ Doch ganz ohne den einen oder anderen fachlichen Tipp geht es manchmal doch nicht.

Christin Rau erwartet ihr erstes Kind. Die Lübbenerin ist im siebten Monat schwanger. Den Basiskurs hat sie auf Empfehlung einer jungen Mutter und gemeinsam mit ihrem Freund Patrick Reder besucht. Für den jungen Mann ist das selbstverständlich: „Klar, dass ich mich als künftiger Vater für das Thema interessiere. Ich will ja schließlich fit sein, wenn unser Baby da ist.“ Er sieht nach dem Basiskurs einer Notfallsituation „ein bisschen beruhigter entgegen. Ich habe wertvolle Hinweise erhalten. Etwa, dass man die Herzdruckmassage die ganz Zeit durchführt, bis der Rettungsdienst da ist.“

Christian Hildebrand hat den Teilnehmern auch vermittelt, wie sie mit Wunden, Brüchen, Verbrennungen und andere Verletzungen umgehen. Sein Rat: „Keine Panik, auch wenn es blutet. Es sieht meist schlimmer aus, als es ist.“ Der Notfallsanitäter ermutigte zudem, sich im Ernstfall professionelle Hilfe zu holen: „Scheue Sie sich nicht, mit der 112 die Leitstelle anzurufen. Kosten kommen auf Sie nicht zu.“