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| 01:26 Uhr

Kampf um Gerechtigkeiten und Konzessionen

Die Entwicklung der Apotheken-Landschaft in Cottbus ist das Thema der neuen Ausstellung im Museum. Leiterin Annette Schiffner (r.) und Karen Pank vom Förderverein haben zahlreiche alte Dokumente zusammengetragen.
Die Entwicklung der Apotheken-Landschaft in Cottbus ist das Thema der neuen Ausstellung im Museum. Leiterin Annette Schiffner (r.) und Karen Pank vom Förderverein haben zahlreiche alte Dokumente zusammengetragen. FOTO: Helbig
Dokumente aus vergangenen Jahrhunderten, Fotos und Schriftstücke erzählen in der neuen Sonderausstellung im Cottbuser Apothekenmuseum die Geschichte der Apotheken in der Stadt. Im Jahr 1568 gegründet, war die Löwen-Apotheke lange Zeit die einzige in Cottbus. Denn Besitzstände, Privilegien und Konzessionen sorgten europaweit dafür, dass die Zahl der Apotheken jahrhundertelang überschaubar blieb. Heute gibt es allein in Deutschland 21 000 Einrichtungen. Von Kornelia Noack

Etwa 700 Apotheken sind zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert in ganz Deutschland entstanden. In Cottbus seien es in diesem Zeitraum lediglich zwei gewesen, erklärt Annette Schiffner, die Leiterin des Museums. Neben der Löwen-Apotheke, der ältesten in der Niederlausitz und von Dr. Peter Hosemann gegründet, sei demnach im Jahr 1797 noch die Adler-Apotheke entstanden. Beide Einrichtungen hatten damals das sogenannte Exklusivprivileg, das von den Landesherren ausgegeben wurde und dem Betreiber die Alleinherrschaft sicherte. Es handelte sich um das höchste Privileg, da es vererbt und verkauft werden durfte. Strikt getrennt worden sei damals außerdem zwischen Ärzten und Apothekern, deren gemeinschaftliche Arbeit verboten war, so Annette Schiffner.
Das Privileg, so heißt es in den alten Schriften, sei damals häufig mit einem definierten Grundstück verbunden gewesen. „Dies bezeichnete man als Gerechtigkeit. Wurde das Grundstück dann verkauft, ging auch die Gerechtigkeit an den neuen Besitzer über“ , erklärt die Museumsleiterin.

Ausgabe von Personalkonzessionen
Mit dem Sieg der Französischen Revolution und damit dem Ende des Feudalismus sind die Apothekenprivilegien von Realkonzessionen abgelöst worden. Im Jahr 1890 wurde daraufhin in Cottbus die Kronen-/Marienapotheke gegründet, die vor sieben Jahren geschlossen wurde. Auf eine Order von Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1894 hin wurden dann auch Personalkonzessionen erteilt, das heißt Genehmigungen, die weder veräußert noch vererbt werden konnten. „In der Folgezeit gründeten sich in Cottbus die San dower, die Nord- und die Schiller-Apotheke. Somit sind in 35 Jahren drei Apotheken entstanden, so viele also wie zuvor in 300 Jahren“ , erläutert Annette Schiffner.
Durch die Verstaatlichung des Apothekenwesens in der DDR habe die Entscheidung über neue Einrichtungen in der Hand einer Kommission gelegen, erklärt die Museumsleiterin, die selbst jahrelang als Pharmazie-Ingenieurin tätig war. Im Jahr 1974 entstand somit in Cottbus die Poliklinik-Apotheke am Bahnhof. Später deckte in den vier Neubaugebieten jeweils eine Apotheke die Versorgung ab. Nach der politischen Wende bis heute schossen weitere zahlreiche Apotheken in Cottbus aus dem Boden. Ein Grund dafür sei das 2004 erneuerte Filialgesetz gewesen, wonach jeder Apotheker drei Filialen eröffnen darf, so Annette Schiffner.

Originale Privilegien zu sehen
Die aktuelle Sonderausstellung im Museum, das im vergangenen Jahr 3 500 Gäste begrüßen konnte, zeigt unter anderem ein Privileg aus dem Jahr 1701 aus Kirchhain mit dem Siegel von August dem Starken. „Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat das Dokument extra UV-Schutzverglast, um es der Öffentlichkeit präsentieren zu können“ , so Annette Schiffner. Gäste erfahren außerdem, mit welchen Nebenverdiensten sich Apotheker noch bis zum Anfang des vergangenen Jahrhunderts über Wasser gehalten haben. Die Preise für eine Apotheke beziehungsweise für eine Konzession seien enorm gewesen, sagt die Museumsleiterin, sodass es sich kaum jemand habe leisten können, vor dem 40. oder 50. Lebensjahr überhaupt eine Apotheke zu erwerben.
Neben Fotos von Fassaden ehemaliger Cottbuser Apothekengebäude sowie Erinnerungsstücke an stadtbekannte Apotheker wie Ernst Versen oder Dr. Kurt Elze sind außerdem das Privileg der Cottbuser Adler-Apotheke aus dem Jahr 1797, besiegelt von Friedrich Wilhelm dem Großen, sowie das Privileg der Löwenapotheke aus dem Jahr 1568 zu sehen.

Neue Broschüre erschienen
Diese begeht im September 2008 ihr 440-jähriges Jubiläum. „Ich glaube, es ist deutschlandweit einmalig, dass eine Apotheke über so lange Zeit und immer an der gleichen Stelle überlebt hat. Heute erfüllt das Haus noch immer denselben Zweck, man wandelt sozusagen in den Räumen einer vergangenen Zeit“ , so Annette Schiffner. Ihren runden Geburtstag werde die Einrichtung voraussichtlich mit einem Tag der offenen Tür feiern.
Aus Anlass der mittlerweile 13. Sonderausstellung im Cottbuser Apothekenmuseum ist die Broschüre Nummer zehn aus der Reihe „Zur Geschichte der Apotheken“ erschienen, dieses Mal zum Thema der Apothekengerechtigkeiten, darauf weist Annette Schiffner außerdem hin. Das Heft sei im Museum für drei Euro zu erwerben. Außerdem seien für Sammler nach wie vor die Broschüren über alte Arzneiformen (Nummer acht) und Apothekengefäße (Nummer neun) zu bekommen. Herausgegeben werden die begehrten Sammlerstücke vom Förderverein des Brandenburgischen Apothekenmuseums in Cottbus.

Service Angebot für Kenner
 Für interessierte Gäste, die die Räume des Apothekenmuseums bereits kennen, bietet die Einrichtung an jedem Mittwoch um 15 Uhr eine Führung ausschließlich durch die aktuelle Sonderausstellung „Apothekengerechtigkeiten in der Niederlausitz“ an, so Annette Schiffner. Um telefonische Voranmeldung jeweils von Dienstag bis Freitag unter der Nummer 0355 23997 werde gebeten. Führungen durch das gesamte Museum werden wie gehabt jeweils dienstags bis freitags um 11, 12, 14 und 15 Uhr sowie samstags und sonntags 14 und 15 Uhr angeboten.