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| 14:38 Uhr

Aus Schwachgas wird Strom
Neue Technologien machen aus Abfall Strom

 So sieht ein Gasspeicher aus. Hier ein Beispiel aus Anatolien. Der KAEV hatte sich auch andernorts kundig gemacht für die künftige Nutzung von Schwachgas aus der Deponie. In einer ähnlichen Anlage soll Strom aus Deponiegas erzeugt werden – für den Eigenbedarf.
So sieht ein Gasspeicher aus. Hier ein Beispiel aus Anatolien. Der KAEV hatte sich auch andernorts kundig gemacht für die künftige Nutzung von Schwachgas aus der Deponie. In einer ähnlichen Anlage soll Strom aus Deponiegas erzeugt werden – für den Eigenbedarf. FOTO: KAEV / Ludwig Prax
Lübben. KAEV setzt an der Deponie Ratsvorwerk auf Fotovoltaik und Gasverwertung. Von Ingvil Schirling

Vor fast zwölf Monaten hat der KAEV einen Fördermittelbescheid im sechsstelligen Bereich für ein neues Projekt bekommen. Aus Deponiegas in Ratsvorwerk soll Strom werden. Seit diesem Monat nun läuft die konkrete Umsetzung. Die Bodenplatte liegt, seit Anfang Juli wird das Projekt Blockheizkraftwerk aufgebaut. Für September ist der Probebetrieb vorgesehen.

Ziel ist es, Strom für den Eigenverbrauch zu gewinnen. Dafür soll das in dem Deponiekörper langsam und in geringen Mengen freiwerdende Schwachgas genutzt und verarbeitet werden. 645 000 Euro Fördergeld kommen dafür von der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), 805 000 Euro sind die geschätzten Gesamtkosten. 15 Jahre lang soll die Anlage mindestens laufen und dabei – Stand jetzt – 70 000 Euro pro Jahr bei einer geschätzten Stromerzeugung von 320 000 kWh über zwölf Monate einsparen, rechnet der Verband vor.

 Die Bodenplatte für den Gasspeicher auf der Deponie Ratsvorwerk in Lübben steht schon. Der KAEV will im September mit dem Probebetrieb beginnen.
Die Bodenplatte für den Gasspeicher auf der Deponie Ratsvorwerk in Lübben steht schon. Der KAEV will im September mit dem Probebetrieb beginnen. FOTO: KAEV / Ludwig Prax

Die Bodenplatte ist hinter der Anlage in Ratsvorwerk sichtbar, darauf soll ein Gasspeicher errichtet werden, in dem das entweichende Gas aufgefangen wird. Dass aus Abfall auch nach Jahrzehnten noch Gas gewonnen und in Energie verwandelt werden kann, hat der Verband langfristig auf der stillgelegten und rekultivierten Deponie in Göritz bei Vetschau getestet.

Doch Deponien können noch auf andere Weise Energie liefern. Als zweites aktuelles Projekt soll eine große Fotovoltaikanlage auf dem Altkörper der Deponie Ratsvorwerk entstehen. Eine Fläche hatte der KAEV für diese Art der Energiegewinnung bereits verpachtet, nun will er diese Form in Eigenregie angehen. Die Ausschreibung sei gestartet, informiert Verbandsvorsteher Gunter Hempel. Eine Freiflächenanlage mit 750 kwp, das sind 750 000 Kilowattstunden, soll entstehen. „Das ist der maximale Wert, den man pro Jahr anschließen darf“, sagt Gunter Hempel.

Der Strom soll ins Netz eingespeist und größtenteils ebenfalls für den Eigenbedarf verwendet werden. Auch dies sei eine Strategie für die Zukunft, den Beitrag für den Endverbraucher stabil zu halten – relativ, wie Gunter Hempel einräumt. „Stabil heißt nicht gleichbleibend, sondern auf auskömmliche Weise gestaltet“, sagt er. Der KAEV habe die Gebühren seit zehn Jahren nicht erhöht. „Dass die steigen werden, ist klar“, blickt er voraus. Die jetzt neu entstehenden Techniken sollen dazu beitragen, dass sie sich moderat entwickeln.

Die vor mehreren Jahren diskutierte Fusion des relativ kleinen Abfall­entsorgungsverbandes sei unterdessen endgültig vom Tisch. „Und das wird auf lange Sicht so bleiben“, sagt der Verbandsvorsteher.