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| 14:22 Uhr

Müll soll anders zu Strom werden
Abschiedsschmerz um alte Anlage beim Abfallentsorger in Lübben

 Die Anlage für die mechanisch-biologische Vorbehandlung des Restmülls des KAEV auf dem Deponiegelände Ratsvorwerk aus der Luft. Sie ist veraltet, deshalb muss die weitere Verarbeitung des Restmülls neu organisiert werden.
Die Anlage für die mechanisch-biologische Vorbehandlung des Restmülls des KAEV auf dem Deponiegelände Ratsvorwerk aus der Luft. Sie ist veraltet, deshalb muss die weitere Verarbeitung des Restmülls neu organisiert werden. FOTO: Kommunaler Abfallentsorgungsverb
KAEV wird die Restmüllver­arbeitung neu ausschreiben, weil die Anlage für die mechanisch-biologische Vorbehandlung bald ausgedient hat. Damit läuft auch ein Brandenburger Vorzeigeprojekt aus. Von Ingvil Schirling

Das hätte man sich beim KAEV Niederlausitz (Kommunalen Abfallentsorgungsverband) mit Sicherheit anders gewünscht. Doch die Fakten sprechen diesem zufolge eine klare Sprache, und die Schlussfolgerungen daraus tun weh. Die Rede ist von einer Anlage, die den Spreewälder Restmüll mechanisch-biologisch vorbehandelt. Dieser wird bisher weiter zu Ersatzbrennstoff verarbeitet. Abnehmer ist die Leag, die ihn zu Strom macht und damit den Kohleverbrauch reduziert.

Die Anlage für die mechanisch-biologische Vorbehandlung stammt aus dem Jahr 2005 – und wurde damals als absolutes Vorzeigeprojekt gefeiert. Das Bewusstsein der Verbraucher, wie man mit Müll umgeht und ihn möglichst vermeidet, hat sich in den vergangenen Jahren stark geschärft. Damals war die Idee, aus Müll Brennstoff zu machen, zwar längst nicht mehr neu, in dieser Art aber durchaus bemerkenswert – vor allem für einen kleinen Verband wie den KAEV mit damals 100 000, heute etwa 80 000 Einwohnern in der Region, für die er zuständig ist.

Die Anlage wäre nach sechs bis sieben Jahren abgeschrieben gewesen und ist dank beständiger Instandhaltung gut doppelt so alt geworden. „Doch trotz aller Wartungsarbeiten sind sehr hohe Verschleißerscheinungen zu sehen“, sagt Verbandsvorsteher Gunter Hempel. In eine neue Anlage zu investieren, würde Millionen verschlingen.

Doch das ist nicht das einzige Problem. Faktor Nummer zwei ist ein verschärfter Markt für die Ersatzbrennstoffe. „Die Preise gehen in die Höhe“, sagt Hempel weiter, der zu Jahresbeginn als Verbandsvorsteher Bernhard Schindler nachgefolgt ist. Für die Abnahme des derart vorbehandelten Restmülls muss der KAEV bezahlen. Mit dem Beschluss zum Kohleausstieg und dem resultierenden Strukturwandel produziert die Leag demnach weniger Strom aus Kohle und benötigt damit auch weniger Ersatzbrennstoff. Sinkt die Nachfrage, verschlechtern sich somit auch die Ausgangsbedingungen für das Produkt auf dem Markt.

Bis Ende 2020 wird die Anlage arbeiten. Die Entscheidung darüber, was dann folgt, war – und ist – alles andere als leicht. Der Grundsatzbeschluss ist gefallen: Nach Sichtung aller Zahlen und Fakten hat die Verbandsversammlung die ersten Weichen dafür gestellt, dass die Abnahme des Restmülls ausgeschrieben werden kann. Das muss europaweit erfolgen. Der Abfall wird dann ohne Vorbehandlung abgegeben. Gleich bleibt, dass der KAEV nach wie vor dafür bezahlen muss. Und, dass der Restmüll letztlich zumindest teilweise zu Strom wird. Der Weg dorthin wird aber anders sein.

Wie genau, ist noch nicht klar. Möglich wäre auch eine interkommunale Zusammenarbeit, sagt Gunter Hempel, doch wie das im Detail aussehen könnte, ist noch offen. Wichtiger Mitbestimmer ist die Verbandsversammlung des KAEV, die sich nach der Kommunalwahl Ende Mai demnächst neu konstituieren muss.

Der Grundsatzbeschluss aber ist – wenn auch schweren Herzens – gefasst. In einem weiteren Punkt ist sich Verbandsvorsteher Hempel sicher: „Wir werden alle Mitarbeiter weiterhin benötigen.“ Denn der KAEV hat zwei weitere spannende Projekte vor der Brust: Ein eigenes Blockheizkraftwerk und eine Fotovoltaikanlage. Oberstes Ziel sei es, die Gebühren weitgehend stabil zu halten.