„Ich kann ihnen nicht sagen, dass es ein Konzept gibt“ , machte die Justizministerin die Hoffnungen der Gäste, die der Einladung der CDU in den „Hexenkessel“ gefolgt waren, gleich zu Beginn der Diskussionsrunde zunichte. Der Ablauf sei so, dass die Immobilie der Luckauer JVA - nachdem alle Häftlinge umgezogen sind - in den Besitz des Finanzministeriums übergehe. „Die Justiz hat Möglichkeiten der Nachnutzung geprüft, doch für unser Ressort gibt es keine“ , teilte die CDU-Politikerin ihren Zuhörern mit. Sie sei aber gerne bereit, die Vorschläge der Luckauer mit nach Potsdam zu nehmen und an ihre Kollegen vom Finanzministerium weiterzugeben.
Nach Ansicht von Hanns-Detlef von Uckro zog sich Barbara Richstein damit zu schnell aus der Affäre: „Ich denke schon, dass sie als Justizministerin gefragt sind, sich Gedanken über eine Fortführung - etwa als Außenstelle der JVA in Duben - zu machen. Bedarf an Haftplätzen ist ja da“ . Es müsse alles dafür getan werden, damit die Haftanstalt nicht zu einer Investruine mitten in der Stadt werde. „Immerhin sind nach der Wende Millionen in die JVA Luckau gesteckt worden. Und auch wenn die Gebäude leer stehen, kostet ihre Unterhaltung ja viel Geld“ , gab von Uckro zu bedenken.
„Ich kann ihnen keine Hoffnung machen, dass die JVA Luckau als Außenstelle gebraucht wird“ , erwiderte die Ministerin. Die neuen Haftanlagen seien großzügig geplant worden, so dass es voraussichtlich keinen zusätzlichen Bedarf an Haftplätzen geben werde. Dies könne man leicht ändern, wenn man Straftaten strenger ahnden und das Strafmaß für Delikte erhöhen würde, schlug Lothar Langner der Ministerin vor.
Diese gab aber zu bedenken, dass die hohen Betriebskosten der Luckauer Anstalt sowie die ungenügenden Sicherheitsbedingungen die Weiternutzung unmöglich machten. Die Idee, ein Erlebnishotel in dem zum Teil denkmalgeschützten Gemäuer einzurichten, gefiel Barbara Richstein dagegen gut. Doch dies hielt Hanns-Detlef von Uckro für unrealistisch.
Ein weiterer Luckauer regte an, die Luckauer JVA zukünftig als Domizil für soziale Dienste wie etwa den Täter-Opfer-Ausgleich zu nutzen. Diese Einrichtungen seien bereits untergebracht, außerdem sei die Immobilie für diese Zwecke viel zu groß, entgegnete die Justizministerin.

„Besonderes Flair“ erhalten
„Die alten Gebäude der Anstalt haben ein ganz besonderes Flair“ , betonte eine Vertreterin der Justizvollzugsanstalt. Deshalb seien sie erhaltenswert. Sie machte den Vorschlag, mit Hilfe von EU-Fördermitteln Projekte in der Luckauer JVA zu etablieren. „Man darf die Stadt mit dieser Aufgabe aber nicht allein lassen. Hier steht auch die Justiz in der Pflicht“ , unterstrich sie.
Einer ihrer Kollegen regte an, erst kürzlich sanierte Gebäudeteile für den offenen Vollzug weiter zu nutzen. Doch das schloss die Ministerin aus. „Mit dem offenen Vollzug ist viel Missbrauch getrieben worden“ , erklärte Barbara Richstein. Außerdem sehe sie Sicherheitsprobleme, da die Anstalt mitten in der Stadt liege.

Millionen Euro wären nötig
„Ich sehe schwarz. Das Geld, das nötig wäre, um das zum Großteil marode Gebäude wieder nutzbar zu machen, ist gar nicht aufzubringen. Dazu bräuchte es Millionen Euro, und die sind nicht da“ , zeigte sich ein Luckauer pessimistisch. Ihm sei es lieber, die alte JVA werde abgerissen, um Bauland für Neues zu schaffen, als dass sie dem Verfall preisgegeben werde, merkte ein anderer Berstestädter an.
Luckaus stellvertretender Bürgermeister, Günter Petschick, betonte, dass sich die Stadt auf keinen Fall „totschenken lassen“ werde. Die Ideen, die von BTU-Studenten erarbeitet worden sind, hätten keine ganzheitliche Lösung ergeben und seien finanziell auch nicht zu machen. „Wir bemühen uns weiter, aber eine Patentlösung haben wir auch nicht“ , sagte Petschick.
Justizministerin Richstein geht davon aus, dass die Immobilie über kurz oder lang zum Verkauf ausgeschrieben wird, weil die öffentliche Hand sie nicht halten kann. „Ich hoffe, dass sich ein Investor mit einem sinnvollen Konzept findet“ , sagte sie.