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Vorhaben in der Kreisstadt
Jugendliche sollen mitreden

Über Vereine sind junge Leute schon aktiv am gesellschaftlichen Leben in Lübben beteiligt. Die Cheerleader des HC Spreewald (im Bild) und die Fußballer des SV Grün-Weiß Lübben haben sich kürzlich beim Vereinssingens eingebracht. Die Stadt will den Nachwuchs auch bei Entscheidungen einbeziehen.
Über Vereine sind junge Leute schon aktiv am gesellschaftlichen Leben in Lübben beteiligt. Die Cheerleader des HC Spreewald (im Bild) und die Fußballer des SV Grün-Weiß Lübben haben sich kürzlich beim Vereinssingens eingebracht. Die Stadt will den Nachwuchs auch bei Entscheidungen einbeziehen. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau / Staindl Andreas
Lübben. Lübben will Kinder in die Stadtentwicklung einbeziehen. Bloß wie? Abgeordnete diskutierten.

Kinder und Jugendliche sollen aktiv an der Entwicklung und dem Leben in Lübben beteiligt werden. Die Idee hat durchaus Charme. Deshalb stand das Thema auch auf der Tagesordnung der Bildungsausschusssitzung zu Wochenbeginn in der Kreisstadt.

Doch das, was gut gemeint war, wurde schlecht verkauft. „Es war schon eine ordentliche Keule, was uns da geboten wurde“ wird Marco Sell (CDU/Grüne) später sagen. Der Stadtverordnete fand den Vortrag zum Thema „etwas trocken und sehr ambitioniert. Die Idee selbst, den Nachwuchs an Prozessen in der Stadt zu beteiligen, ist aber gut.“ Nur wie?

Versuche gab es schon, wie Lars Kolan (SPD) sagt. „Doch richtig erfolgreich waren diese nicht.“ Der Bürgermeister hat sich deshalb Hilfe geholt. Katja Stephan von der Fachstelle für Kinder- und Jugendbeteiligung in Brandenburg sollte aufzeigen, welche Möglichkeiten es gib. Die Diplom Soziologin nannte Themen, die Kinder und Jugendliche interessieren und welche Formen es in anderen Orten gibt, um den Nachwuchs aktiv zu beteiligen. Jugendparlamente, Jugendbeiräte, Konferenzen, Seminare und Workshops etwa gibt es ihr zufolge beispielsweise in Cottbus, Königs Wusterhausen und Senftenberg.

Doch wie könnte ein erster Schritt für Lübben aussehen? Und vor allem: „Wie kommen wir an die jungen Leute ran?“, wollte Lars Kolan wissen. Kinder und Jugendliche, vor allem Klassensprecher, waren anwesend. Erwartungen an die Veranstaltung hatten sie keine, wie sie Katja Stephan bestätigten.

Der Soziologin gelang es zudem nicht, den jungen Leuten zu entlocken, was sie sich in Lübben wünschen. Der Bürgermeister hat Verständnis dafür: „Jugendliche trauen sich in großer Runde oft nicht, ihre Meinung zu äußern.“

Robin Dyrda traut sich. Der Zehntklässler des Paul-Gerhardt-Gymnasiums hat schon frühere Versuche erlebt, Nachwuchs unter einen Hut zu bekommen. Ihm zufolge ist es daran gescheitert, „dass immer wieder neue Leute dabei waren. Ich würde es besser finden, wenn es ein Gremium mit festen Mitgliedern gibt. Interessierte Jugendliche können sich gern als Gäste einbringen.“

Er sei bereit, in so einem Gremium mitzuarbeiten. Susanne Nomine von der Caritas, die die Freizeiteinrichtung „die insel“ in Lübben betreibt, sind die Ziele der Beteiligung des Nachwuchses nicht klar: „Was wollen wir damit erreichen? Und wer will das überhaupt? Es wäre sehr schade wenn wir etwas organisieren und die Jugendlichen interessieren sich nicht dafür.“

Auch der Ausschussvorsitzende Jens Richter (CDU/Grüne) wünscht sich „mehr Informationen“ über die Beteiligung junger Leute. Katja Stephan hat das zugesagt. Sie will die Kreisstadt unterstützen: „Am Geld wird es nicht scheitern. Die Ideen, was junge Leute wollen, müssen jedoch von ihnen selbst kommen.“ Die Diplom Soziologin will Gespräche mit Trägern der Jugendarbeit führen um herauszufinden, „welche Formen der Beteiligung schon gut in Lübben funktionieren“. Diese Experten will sie später mit interessierten Jugendlichen zusammenführen.

„Wir sollten aber klein beginnen und die Latte nicht zu hoch hängen“, sagt Lars Kolan. Ein Weg könnte sein, junge Leute zu bestimmten Themen einzuladen. Etwa wenn es um den Bau eines neuen Spielplatzes,  um Öffnungszeiten eines Jugendklubs oder einen Proberaum für Musikgruppen geht. Auch beim öffentlichen Personennahverkehr könnte der Nachwuchs durchaus ein Wörtchen mitreden. „Beteiligung muss man lernen“, sagt Katja Stephan. „Die jungen Leute von heute sind schließlich die nächste Generation, die die Welt gestalten soll.“ Sie will Lübben Starthilfe leisten und ergänzt: „Beteiligung von Kindern und Jugendlichen hat positive Effekte auch für eine Kommune.“ Cornelia Hill von der Lübbener Stadtverwaltung steht als Ansprechpartnerin vor Ort bereit, um Aktivitäten in der Kreisstadt zu koordinieren. Anfang des nächsten Jahres soll es weitere Treffen geben.