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Jetzt sind die Spundwände dran

Minister Jörg Vogelsänger (vorn r.) lässt sich vom Oberbauleiter Sven Gerhardt (vorn l.) über den Stand der Bauarbeiten am Wehr bei Hartmannsdorf informieren.
Minister Jörg Vogelsänger (vorn r.) lässt sich vom Oberbauleiter Sven Gerhardt (vorn l.) über den Stand der Bauarbeiten am Wehr bei Hartmannsdorf informieren. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Hartmannsdorf. Elf Millionen Euro sind ein großer Batzen Geld. Der Wehrersatzbau bei Hartmannsdorf (Stadt Lübben) ist das größte Bauvorhaben an einer Wehranlage während der laufenden Förderperiode in Brandenburg und ein Vorzeigeprojekt. Andreas Staindl / asd1

Die neue Anlage bekommt eine Kahnschleuse, einen Fischaufstieg und eine Querung für Fußgänger und Radfahrer. Klar, dass ein solches Vorhaben auch von der Landesregierung beobachtet und begleitet wird. Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) hat sich am Mittwoch persönlich vom Baufortschritt überzeugt.

Der Landespolitiker traf sich mit Vertretern der Baufirmen und verschiedener Behörden sowie des Wasser- und Bodenverbands "Nördlicher Spreewald" vor Ort. Der Verband führt die Baumaßnahme im Auftrag des Landes durch. "Wir liegen im Zeitplan", stellte Geschäftsführer Jörg Wiesner klar. 2019 soll der Wehrersatzbau realisiert sein. Im November 2016 wurde mit dem Projekt begonnen. Im ersten Bauabschnitt werden zwei Wehrfelder, die massive Schleuse sowie das Bedienhaus errichtet. Diese Maßnahmen sollen im Frühjahr 2018 abgeschlossen sein. Im zweiten Bauabschnitt werden dann die beiden anderen Wehrfelder sowie der Fischaufstieg gebaut.

Wie das technisch realisiert wird, erläuterte Sven Gerhardt dem Minister. Der Abteilungsleiter Wasserbau des Wasser- und Bodenverbands hat die Oberbauleitung des Projekts. Er erinnerte unter anderem daran, dass nach dem Baubeginn eine temporäre Schleuse errichtet und in Betrieb genommen wurde. Ein Teil der dafür verwendeten Spundwände bleibt im Wasser und bildet später die Begrenzung für den Fischpass. Die temporäre Schleuse ermöglicht Kahnfahrern und anderen Wassertouristen das Überwinden der unterschiedlichen Wasserhöhen auch während der Bauzeit. An Feiertagen etwa komme es wegen des langsamen Wasserdurchflusses dort zu längeren Wartezeiten, so Martin Matthei. Der Fährmann aus Lübben wünscht sich einen schnelleren Wasserdurchfluss, wenn die neue Schleuse errichtet ist. Ganz so schnell wie beim alten Wehr werde der Höhenunterschied nicht mehr ausgeglichen, jedoch schneller als mit der temporären Schleuse, sagte Jörg Wiesner. Martin Matthei war nicht zufällig vor Ort. Er setzte die Teilnehmer der Besichtigung mit seinem Kahn von einem zum anderen Ufer über - direkt vorbei an der Wehranlage. Baustellenbesichtigung quasi vom Wasser aus.

Derzeit werden die bis zu zwölf Meter langen Spundwände aus Stahl in die Spree gerammt. Sie halten das Wasser während der Bauphase. Bautaucher haben die Stahlbetonsohle der alten Wehranlage geschlitzt, um die Baugrube zu schließen. Jörg Vogelsänger war von der Ausführung der anspruchsvollen Arbeiten begeistert: "Man sieht, dass hier Spezialisten im Einsatz sind. Die beteiligten Firmen, aber auch der Wasser- und Bodenverband verstehen ihr Handwerk. Sie leisten hervorragende Arbeit."

Dabei ist der Wehrersatzbau nicht das einzige Projekt des Verbands. "Wir haben derzeit 24 Maßnahmen", sagte Jörg Wiesner, "das ist für unser kleines Team schon eine Herausforderung." Er wünscht sich künftig kürzere Planungszeiten sowie einfachere Ausschreibungs- und Vergabeverfahren, um Personal, Zeit und Geld zu sparen. Mehr als 400 Tage habe das Vergabeverfahren für den Wehrersatzbau bei Hartmannsdorf gedauert, erinnerte Sven Gehrhardt. Jörg Vogelsänger nahm diese Information zur Kenntnis und sagte: "Das ist sehr lange, doch wir sind schon besser geworden."

4,4 Millionen Euro investiert das Land Brandenburg in den Wehrneubau. Der Bund ist mit 6,6 Millionen Euro beteiligt. Die Anlage bei Hartmannsdorf dient der Hochwasserableitung. Sie hat eine wichtige Funktion für die Steuerung der Wasserstände in den Spreearmen innerhalb des Lübbener Stadtgebiets, im Ortsteil Hartmannsdorf sowie in den Teichgruppen in Nachbarschaft der Spree. "Wir werden das Bauwerk in hoher Qualität übergeben", versprach Jörg Wiesner. Der Minister will dann wiederkommen.