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Jetzt geht‘s in Lübben ums Ganze

Lübben soll eine der führenden Städte für Freizeitgestaltung und Erholung im Land werden. Der Kletterwald lockt schon jetzt viele Gäste aus nah und fern in die Kreisstadt.
Lübben soll eine der führenden Städte für Freizeitgestaltung und Erholung im Land werden. Der Kletterwald lockt schon jetzt viele Gäste aus nah und fern in die Kreisstadt. FOTO: asd1
Lübben. Der Name ist schon ein bisschen bekannt. Karsten Heinsohn, Firma Dwif, hat in dieser Woche zum wiederholten Male neue Ansätze einer strategischen Entwicklung in Lübben vorgetragen. Ingvil Schirling

Bisher ging es dabei um die Neuausrichtung der TKS, die seit Anfang des Monats umgesetzt werden soll. Nun geht‘s ums große Ganze. "Organisations- und Entwicklungskonzept für den Freizeit- und Erholungsstandort Lübben (Spreewald)" heißt der nächste Schritt, der die Spreewaldstadt und ihre strategische Ausrichtung bis 2026 vorzeichnen soll.

Das Wort "Tourismus" fehlt in diesem Titel völlig, obwohl es doch einer der Dreh- und Angelpunkte für Lübbens Entwicklung ist. "Wir wollen den Begriff nicht zu eng fassen", begründet Heinsohn. "Das Gemeinwohl ist ganz wichtig." Deshalb soll das Konzept, wiewohl der Tourismus die unangefochtene Hauptrolle spielt, auch spannende Ansätze für Einwohner, Einzelhändler und viele weitere Gruppen anbieten.

An den dicken Brocken tastete sich die Beraterfirma ähnlich wie bei der TKS mit einer Analyse und vielen Gesprächen heran. Chancen und Risiken sollten herausgearbeitet werden, Probleme benannt, Lösungsansätze aufgezeigt werden. Im Finanzausschuss war nun die erste Präsentation für die Öffentlichkeit.

"Das Qualitätsbewusstsein ist da und muss entwickelt werden", bringt Heinsohn eines von zwei wichtigen Kernergebnissen auf den Punkt. "Das Thema Kooperation ist die große Schwäche", legt er den Finger in eine nicht ganz unbekannte Wunde. Egal ob einzelne Gruppen untereinander oder verschiedene Bereiche mit einander: Kommunikation über die Sache, an einem Strang ziehen, das fällt oft schwer. "Dabei sind gemeinsame Aktivitäten ein ganz wichtiger Punkt. Ohne den wird es nicht funktionieren", ordnet der Berater den Zusammenhang mit dem Konzept ein.

Zu den Pfunden, mit denen Lübben hingegen wuchern kann, zählt die Natur - der Spreewald - als wichtigstes und größtes. Doch auch da lauern zwei Risiken: Zum Einen steht die Stadt dabei im Wettbewerb mit Burg, Lübbenau und dem Umland, die ähnliche Zielgruppen ansprechen. Heinsohn empfiehlt Abgrenzung als Lösungsansatz: Richtet sich Burg eher auf betuchte Wellnessgäste aus, könnte Lübben einen Schwerpunkt auf aktive Familien mit Qualitätsbewusstsein legen. Risiko Nummer zwei ist eines, das nicht zu unterschätzen und schwer zu beeinflussen ist: Die einzigartige Spreewaldnatur muss intakt bleiben. Stichwort Verockerung: "Damit steht und fällt alles", sagt Heinsohn.

Unterm Strich aber überwiegen die Chancen, so die Analyse. Strategisches Ziel ist es deshalb, Lübben als eine der führenden Städte für Freizeitgestaltung und Erholung in Brandenburg zu positionieren. "Das ist die Vision, auf die alle Maßnahmen ausgerichtet werden sollen", sagt er weiter.

Was die Finanzausschussmitglieder besonders interessierte, war die Umsetzung. Dafür hat die Dwif fünf Aktionsfelder und elf Schlüsselmaßnahmen definiert. Infrastruktur, beispielsweise ein weiteres Hotel mit 100 Zimmern und Tagungsräumen, Rundwander- und -radwege und ein Erlebnis- und Informationszentrum als kleinere Variante des früheren Traums vom Wasserreich Spree schwebt dem Unternehmen vor. Weitere Aktionsfelder sind die Arbeit an einer besseren Kommunikation und Vernetzung - auch mit den Nachbarorten. Eine professionelle Vermarktung mit emotionalen Bildern tut Not. Die Weiterentwicklung von Qualitätsbewusstsein rundet das Konzept ab.

Der Finanzausschuss empfahl es einstimmig zur Zustimmung in der Stadtverordnetenversammlung. Diese muss darüber Ende März befinden. Die Dwif ist noch für dieses Jahr vertraglich an Lübben gebunden und könnte dann auch beim Start der Umsetzung helfen.