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Jamlitz
Häftling ohne Hass auf Deutsche

Jamlitz. Jakob Richter aus Chicago hat das KZ Jamlitz überlebt. Bis Ende Januar 2018 gibt es eine Ausstellung über ihn und sein Leben im KZ.

Der ehemalige Häftling Jakob Richter hat das Konzentrationslager (KZ) in Jamlitz (Lieberose-Oberspreewald) überlebt. Er war als 16-Jähriger 1944 von Ausschwitz dorthin gebracht worden. Jetzt gibt es eine Ausstellung über ihn und sein Leben im KZ.

Zehntklässler des Max-Steenbeck-Gymnasiums in Cottbus haben das Material für die Anschauungstafeln zusammengetragen. Gestern wurde die Wanderausstellung im Justus-Delbrück-Haus in Jamlitz eröffnet. Mehr als 50 Gäste waren dabei. „Ich bin überrascht, dass sich so viele Leute dafür interessieren“, sagt Florentina Sader. Die Schülerin ist eine der jungen Leute, die sich mit dem Projekt auseinandergesetzt haben. Das Schicksal von Jakob Richter beeindruckt sie. „Wenn ich daran denke, wie Familien auf der Rampe im KZ auseinandergerissen wurden, um einzelne Mitglieder zu töten, bin ich dankbar, dass wir heute im Frieden leben und froh, dass ich meine Familie noch habe.“

Die Lehrerin Heike Kaps-Brettschneider hat das Projekt geleitet und während der Recherche festgestellt: „Die Geschichte ist bei den Schülerinnen und Schülern angekommen. Sie verdienen meine Hochachtung für ihre Leistung.“ Die Pädagogin selbst ist von der Begegnung mit Jakob Richter, der heute 88 Jahre alt ist und in Chicago lebt, beeindruckt: „Er ist ein netter, älterer Herr ohne Hass auf die Deutschen. Diese Einstellung ist für mich schwer vorstellbar.“

Auch Lätizia Bresler hat „diese Reaktion“ des ehemaligen Häftlings „nicht erwartet“. Der Zehntklässlerin ist zudem der Besuch der Projektgruppe im KZ Auschwitz in Erinnerung: „Das war für mich ein sehr prägendes Erlebnis.“ Die Schautafeln der Ausstellung stellen eindrucksvoll den Alltag der Häftlinge im KZ in Wort und Bild dar. Dokumentiert ist etwa der Lebens- und Arbeitsalltag, die Rolle der Lager-SS sowie der Todesmarsch. Mit ihrer Arbeit stehen die Jugendlichen in der Tradition, ihr Wissen über das KZ Nebenlager Lieberose-Jamlitz weiterzugeben, wie Andreas Weigelt sagt. Der Leiter der Dokumentationsstelle Lager Jamlitz würdigte zudem, „dass Jugendliche eine Ausstellung über einen Jugendlichen gemacht haben“. Er dankte den jungen Leuten ebenso wie der „rastlosen Lehrerin“ Heike Kaps-Brettschneider. Die Projektleiterin wiederum dankte den Eltern „für ihr Vertrauen“ und dafür, dass sie „das Projekt auch finanziell unterstützt haben“. Auch wenn die Wanderausstellung gestern feierlich eröffnet wurde: „Für uns ist die Geschichte noch nicht zu Ende“, sagt Heike Kaps-Brettschneider. „Wir wollen unbedingt am Thema KZ weiterarbeiten.“

Die Ausstellungseröffnung war Teil der Veranstaltung zur Erinnerung an die Errichtung des KZ-Außenlagers Lieberose vor 74 Jahren. Begonnen wurde die Erinnerungs- und Informationsveranstaltung mit einem interreligiösen Gedenkgottesdienst in der evangelischen Landkirche in Lieberose. Mit dabei waren der Rabbiner Andreas Nachama aus Berlin, Pfarrerin Marion Gardei, Beauftragte für Erinnerungskultur der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, sowie der Pfarrerin Susanne Brusch von der evangelischen Kirchengemeinde Lieberose und Land.

Die Ausstellung „überLAGERt-Das Überleben des Jakob Richter“ ist bis zum 30.Januar des nächsten Jahres im Justus-Delbrück-Haus in Jamlitz zu sehen.