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| 02:46 Uhr

Jamlitz stellt sich gegen Hass

Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (3. v. l.) hat gemeinsam mit Generalsuperintendent Martin Herche (l.), Peter Fischer vom Zentralrat der Juden (3. v. r.), Günter Morsch von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (2. v. r.), Marion Gardei, Beauftragte für Erinnerungskultur der evangelischen Kirche (4. v. r.), Pfarrerin Susanne Brusch (2. v. l.) und Simone Taubenek von der Polizei die Ausstellung in Jamlitz besucht.
Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (3. v. l.) hat gemeinsam mit Generalsuperintendent Martin Herche (l.), Peter Fischer vom Zentralrat der Juden (3. v. r.), Günter Morsch von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (2. v. r.), Marion Gardei, Beauftragte für Erinnerungskultur der evangelischen Kirche (4. v. r.), Pfarrerin Susanne Brusch (2. v. l.) und Simone Taubenek von der Polizei die Ausstellung in Jamlitz besucht. FOTO: I. Hoberg
Jamlitz/Lieberose. Die beiden Anschläge am 10. und 18. Mai auf die Dokumentationsstätte des ehemaligen KZ-Außenlagers Lieberose in Jamlitz rücken diesen Ort des Holocaust in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Der Ort soll künftig als Gedenkstätte ausgebaut werden. Ingrid Hoberg

"Wir stellen uns gemeinsam gegen Hass, Dummheit und Geschichtsvergessenheit und werden alles dafür tun, damit die Erinnerung und das Gedenken an diesem Ort gesichert werden", sagt Kulturstaatssekretär Martin Gorholt beim Besuch der Freiluftausstellung in Jamlitz. Er steht mit den anderen Besuchern unmittelbar neben der Stele aus Sicherheitsglas, die am Mittwoch in der Mittagszeit durch einen Sprengkörper stark beschädigt wurde. Die beiden anderen, am 10. Mai zerstörten Tafeln sind abgebaut worden. Dass die Suche nach den Tätern mit Hochdruck betrieben wird, zeigt die Tatsache, dass der Staatsschutz ermittelt, wie Simone Taubenek von der Polizeidirektion Süd sagte.

Peter Fischer, Vertreter des Zentralrats der Juden in Deutschland, verwies darauf, dass Jamlitz als ein Ort des Holocaust von internationaler Bedeutung sei - vergleichbar mit Oradour und Lidice. "Mord und Totschlag gab es in dem Lager schon vor der Auflösung", sagte er. Auf dem Gelände neben der Ausstellung haben Baracken gestanden, dort seien Menschen aus vielen Nationen ums Leben gekommen. Nach jüdischem Verständnis handle es sich um einen Friedhof - das habe ein Rabbiner bestätigt. Auf dieser Fläche, die sich im Eigentum des Landes Brandenburg befindet, wie Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, erklärte, soll ein neuer Gedenkort entstehen.

Zur Gestaltung dieser Fläche wird in Kürze ein Wettbewerb ausgeschrieben. Jamlitzer und Lieberoser sollen in den Entscheidungsprozess durch öffentliche Vorstellung der Planung eingebunden werden. Das Gedenken müsse an dem Ort stattfinden, an dem der Massenmord passierte, betonte auch Fischer.

Pfarrerin Susanne Brusch sagte, dass sie nach den Anschlägen viel Zuspruch für die bisherige Arbeit und Anteilnahme von den Mitgliedern der Kirchengemeinde, aber auch anderen Menschen erhalten habe: "Wir lassen uns nicht beeindrucken, wir halten das Andenken an die ermordeten jüdischen Häftlinge wach."

Zum Thema:
Bei der Auflösung dieses Außenlagers des KZ Sachsenhausen im Februar 1945 wurde von der SS 1342 Häftlinge erschossen. Weitere Infos zum Thema unter www.die-lager-jamlitz.de . Die Kirchengemeinde Lieberose und Land ist Träger der Gedenkstätte. Das Land sagt für 2017 rund 25 000 Euro Unterstützung zu. 12 000 Euro gibt es in diesem Jahr für Pflege und politische Bildung.