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| 19:41 Uhr

Gedenken
Jamlitz: Gebet am Ort des Massakers

In Jamlitz ist am Montag am Ort eines schrecklichen Massakers im KZ-Außenlager Lieberose ein Gedenkort eröffnet worden. Peter Fischer vom Zentralrat der Juden (3. v. l.),  Jean-Lois Lallenmand (mit Fahne).
In Jamlitz ist am Montag am Ort eines schrecklichen Massakers im KZ-Außenlager Lieberose ein Gedenkort eröffnet worden. Peter Fischer vom Zentralrat der Juden (3. v. l.), Jean-Lois Lallenmand (mit Fahne). FOTO: Jörn Tornow
Jamlitz. Auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers in Jamlitz ist am Montag ein Gedenkort eröffnet worden. Er erinnert an das Massaker an 1342 vorwiegend jüdischen Lagerinsassen im Februar 1945. Bei der Einweihung waren auch Überlebende des KZ Sachsenhausen anwesend. Von Jörg Kühl

Auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers in Jamlitz ist am Montag ein Gedenkort eröffnet worden. Er erinnert an das Massaker an 1342 vorwiegend jüdischen Lagerinsassen im Februar 1945. Bei der Einweihung waren auch Überlebende des KZ Sachsenhausen anwesend.

Es braucht einige Minuten, bis die betagten Frauen und Männer, angeführt von einem Fahnenträger mit der französischen Trikolore, vom Bus bis zu der Stelle gelangen, an der bereits eine große Menschenmenge Aufstellung genommen hat. Abgestützt auf die Unterarme jüngerer Begleiter, schreiten sie zum neuen Gedenkort, ein Mann wird im Rollstuhl geschoben. Bei der Gruppe handelt es sich um Menschen, die das Grauen am eigenen Leib  erlebt haben: Sie sind Teilnehmer einer Delegation des französischen Verbands der Überlebenden des KZ Sachsenhausen.

Der Platz, auf dem sich die Menschenmenge versammelt hat, ist laut Morsch der tatsächliche Ort, an dem die SS-Wachmannschaften vom 2. bis 4. Februar 1945 insgesamt 1342 Insassen, die meisten davon waren ungarische und polnische Juden, mit Gewehrsalven und Genickschüssen ermordeten.

Peter Fischer, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, bezeichnete den Ort des Massenmords und gleichzeitig des noch unentdeckten Massengrabs als „jüdischen Friedhof“: „Dieser blutgetränkte Ort gilt uns als sehr heilig.“ Gemeinsam mit dem 96-jährigen Überlebenden Edgar Frischmann und dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Potsdam, Mikhail Tkach, rezitierte Fischer ein Gebet für die Ermordeten.

Generalsuperintendent Martin Herche  betonte als Vertreter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg die Notwendigkeit des Gedenkens. Er verwies auf Ereignisse, wie jüngst das  Neonazifestival in Ostritz oder die Anschläge auf die Gedenktafeln in Jamlitz vor zwei Jahren.

Bernd Boschan, der sich als Direktor des Amts Lieberose/Oberspreewald für die Gestaltung und Aufwertung des Gedenkortes eingesetzt hatte, sagte, ihm sei wichtig gewesen, einen würdigen Ort des Gedenkens zu ermöglichen.

Die Statssekretärin im Kulturminiterium Ulrike Gutheil, erinnerte an das jahrelange Ringen um einen würdigen Gedenkort. Ihr Ministerium ist Haupt-Finanzier der Gedenkstätte. Das KZ-Außenlager Lieberose in Jamlitz habe in der Vergangenheit ein Nischendasein in der Erinnerungskultur gespielt. Dieser Missstand werde jetzt behoben. Der neue Gedenkort sei auch ein Signal, dass Anschläge, wie die vor zwei Jahren, keinen Erfolg haben.

Der neue Gedenkort ist Ergebnis eines Wettbewerbs, aus dem der Entwurf  des Berliner Architekten Martin Bennis als Sieger hervorgegangen ist. Die Anlage besteht im wesentlichen aus einem ockerfarbenen geschotterten Weg, der sich wie ein Bilderrahmen um den Umriss einer nicht mehr vorhandenen Lagerbaracke legt. Den genauen Standort der Baracke hatten archäologische Grabungen nach den weiterhin vermissten  sterblichen Überresten von 765 Opfern in den Jahren 2009 und 2010 erbracht. Statt der Gebeine wurden damals dingliche Zeugnisse gehoben: Es fand sich die Grube, in der die Wachmannschaften ihre leer geschossenen Magazine gemeinsam mit ihren Alkoholflaschen vergruben. „Das ist für uns der Beweis, dass es sich hier um den exakten Tatort des Massenmordes handelt“, sagte Morsch in seiner Ansprache.

Der rechteckige Rundweg wird flankiert durch Textstelen, die zeitgenössische Augenzeugenberichte von Lagerinsassen, SS-Wachmannschaften, Anwohnern und anderen enthalten.  Als Zitate wurden nur solche verwendet, die sich auf das Jamlitzer KZ-Außenlager beziehen.

In einem zweiten Bauabschnitt ist vorgesehen, den neuen Gedenkort an die bestehende Dokumentationsstätte anzubinden. Im Zuge eines dritten Bauabschnitts soll ein Gebäude entstehen, dass als Dokumentations- und Schulungsstätte genutzt werden kann.