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Turmaufstieg
Jahresausklang aus einer anderen Perspektive

Vera Städter (li.) führt die Gäste auch an den drei Glocken vorbei. Sie hatte auch am Silvestertag zum Aufstieg auf den Turm eingeladen.
Vera Städter (li.) führt die Gäste auch an den drei Glocken vorbei. Sie hatte auch am Silvestertag zum Aufstieg auf den Turm eingeladen. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Lübbens Türmerin gibt Besuchern einen Einblick in den Turm der Paul-Gerhardt-Kirche. Von Andreas Staindl

Der Turm an der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben entwickelt sich immer mehr zum Publikumsmagnet. Vera Städter führte auch 2017 von Frühjahr bis Herbst zahlreiche Gruppen hinauf und sorgte oftmals für Aha-Effekte.

Doch am letzten Tag des alten Jahrs wurde Lübbens Türmerin selbst überrascht. Zahlreiche Leute aus ganz Deutschland wollten während des Turmaufstiegs dabei sein. „Mit einem so großen Interesse habe ich nicht gerechnet“, sagt Vera Städter. „So groß war die Resonanz an Silvester noch nie.“ Sie führt das etwa auf die Lübbener Wochenpost (die RUNDSCHAU berichtete) zurück, mit der die Tourismus, Kultur und Stadtmarketing (TKS) GmbH in Lübben seit ein paar Monaten wöchentlich auch bei touristischen Leistungsanbietern wirbt und auf Höhepunkte aufmerksam macht.

Auch Freia und Matthias Krug hatten vom Turmaufstieg erfahren. Die beiden Dresdener verbrachten den Jahreswechsel im Spreewald und wollten auch den Turm an der Paul-Gerhardt-Kirche besteigen. „Wir haben es nicht bereut“, sagen sie. „Es ist ein tolles Angebot. Die Türmerin ist super, halt so, wie man sich eine richtige Spreewälderin vorstellt. Sie hat die Geschichte des Turms spannend, aber auch sehr unterhaltsam vermittelt.“

Vera Städter überfordert ihre Gäste nicht mit Fakten und Zahlen. Sie erzählt vielmehr kleine Episoden, weist auf interessante Details hin und bezieht die Teilnehmer ihrer Führungen charmant mit ein. Wie schwer sind die Glocken? Wann werden sie geläutet? Und was hat es mit der Blechtür auf der ersten Zwischenstation auf sich? Die Gäste machen Vorschläge. Sie stehen den drei Glocken im Turm unmittelbar gegenüber. Kurz zuvor hatten sie die Tür gesehen, hinter der sich der Dachstuhl der Kirche befindet und die das Gotteshaus im Zweiten Weltkrieg vor dem verheerenden Feuer bewahrte.

Dann steigen sie die Holztreppen noch höher hinauf. Die Aussichtsplattform befindet sich in 22 Meter Höhe. 115 Stufen sind es bis dort oben. Ein Gehilfe darf das jeweils nachprüfen. Er wird von der Türmerin vor jedem Aufstieg bestimmt, bekommt eine entsprechende Mütze auf den Kopf, muss als Letzter der Gruppe hinaufsteigen und aufpassen, dass niemand zurückbleibt. Eine Gaudi, die ankommt und mit einem Türmertrunk belohnt wird.

Der Ausblick aus 22 Meter Höhe entschädigt auch die anderen Teilnehmer. „Es hat sich gelohnt, den Turm zu besteigen“, sagen Katja und Inge Bullmann. „Man hat einen tollen Blick auf die Stadt und das Umfeld, erfährt zudem noch Interessantes über den Turm selbst. Wir sind froh, dass wir den Turmaufstieg mitmachen durften, noch dazu mit einer so charmanten Türmerin.“ Die beiden Frauen aus Demitz (Landkreis Bautzen) haben den Jahreswechsel in Lübben verbracht: „Unser Vermieter hatte uns den Tipp für den Turmaufstieg gegeben.“ Dass das überhaupt möglich ist, ist engagierten Bürgern der Kreisstadt zu verdanken. Sie haben den alten Wehr-und Wachturm sanieren lassen und damit vor dem Abriss zu DDR-Zeiten bewahrt. 2014 feierte der Turm seinen 520. Geburtstag.

Seit 2011 führt Vera Städter Gäste nach oben. Sie ist die erste und einzige Türmerin der Tourismusregion Berlin-Brandenburg. Die Turmaufstiege tragen ihre Handschrift. Sie hat auch die Türmerstube eingerichtet. Teilnehmer der Aufstiege kommen direkt daran vorbei.