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| 15:14 Uhr

Lange Naturwacht-Nacht
Jäger der Nacht gehen Lübbenern ins Netz

Gabriel Pelz (r.) hält eine Zwergfledermaus in der Hand. Kinder dürfen sie als Erste streicheln. Der Fledermausfang lockte am Freitagabend etwa 30 Leute in den Wald am Kletterwald in Lübben.
Gabriel Pelz (r.) hält eine Zwergfledermaus in der Hand. Kinder dürfen sie als Erste streicheln. Der Fledermausfang lockte am Freitagabend etwa 30 Leute in den Wald am Kletterwald in Lübben. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Sie kommen mit der Dunkelheit. Der Hunger treibt sie an. Fledermäuse sind Jäger der Nacht. Sie sind vor allem faszinierende Tiere. Interessierte waren ihnen am Freitagabend auf der Spur. Von Andreas Staindl

Die Naturwacht des Biosphärenreservats Spreewald hatte zur 10. Langen Naturwacht-Nacht eingeladen. Mehr als 30 Leute waren in Lübben dabei. Mit einem so großen Interesse hatten die Veranstalter um den Naturwacht-Leiter Ralf Hegewald nicht gerechnet: „Ich bin sehr positiv überrascht.“

Als er die Teilnehmer am Kletterwald am Rande der Kreisstadt begrüßte, setzte gerade die Dämmerung ein. Doch an die Nachtruhe dachten selbst die zahlreichen Kinder nicht. Sie lauschten gespannt den einführenden Worten des Chefs der Naturwacht voller Vorfreude auf das, was da noch kommt. Mit Gabriel Pelz war ein ausgewiesener Fledermausexperte angekündigt. Der Fledermauskundler aus Lübben ist nicht nur von den fliegenden Säugern fasziniert, er besitzt auch ein enormes Fachwissen. Und das hat er am Freitagabend gern mit den Besuchern geteilt. Wie groß sind Fledermäuse eigentlich. Was fressen sie? Und wie schaffen sie es, sich selbst in dunkelster Nacht zu orientieren? Gabriel Pelz hat auf alle Fragen eine Antwort. Locker und unterhaltsam plaudert er über die Jäger der Nacht, spannt parallel dazu das große Fangnetz auf. Es ist keine hochmoderne Konstruktion, sondern ein Eigenbau aus Plasterohren, Zeltstangen, Ästen, Einweckgummis und einem Netz nach Vorlage von Haarnetzen, wie sie Frauen früher in der DDR trugen. Der Aufbau sieht etwas abenteuerlich aus, das Ergebnis später stimmt jedoch.

Katrin Hiob schaut Gabriel Pelz während des Aufbaus zu. „Schon allein deshalb hat sich der Weg nach Lübben gelohnt“, sagt sie sichtlich beeindruckt. Sie war aus Cottbus angereist „weil ich das Thema spannend finde. Wann kann man schon mal dabei sein, wenn Fledermäuse gefangen werden? Ich finde es toll, dass die Naturwacht so etwas öffentlich anbietet.“

Das mehrere Meter breite und lange Netz war direkt über dem öffentlichen Weg unmittelbar am Kletterwald aufgebaut. Gabriel Pelz hat den Standort so gewählt, dass links und rechts ein Baum das Fangnetz begrenzt: „Sonst würden die Fledermäuse um das Netz herum fliegen.“ Der Lübbener studiert und untersucht das Verhalten der geheimnisvollen Jäger seit Jahren. Er arbeitet dabei auch mit hochsensibler Technik, setzt Batcorder ein. Diese Geräte zeichnen Ultraschallgeräusche der Fledermäuse automatisch auf. Das hilft, um zu bestimmen, welche Arten sich in welchem Gebiet befinden. Am Freitagabend richten sich die Blicke ins große Fangnetz. Nach 20 Minuten zappelte die erste Fledermaus in den Maschen. Gabriel Pelz befreit sie gekonnt. Wenig später ist er dicht umringt. Alle wollen den fliegenden Säuger aus nächster Nähe sehen. Da hilft nur Disziplin. Anstellen wie an der Supermarktkasse. Einer nach dem anderen nimmt Kontakt zur Fledermaus auf – die Kinder zuerst. Berührungsängste haben sie nicht. Der Nachwuchs streichelt die Zwergfledermaus. „Ein tolles Gefühl“, sagt ein Mädchen. Sie hätte wohl am liebsten mit dem Tier gekuschelt. Einer der Jungen bat Oma um ein Foto: „Das glaubt mir sonst niemand.“

Es ist längst dunkel geworden, nur die Stirnlampe von Gabriel Pelz macht die Fledermaus überhaupt sichtbar. Er wird das Tier später vermessen und beringen, es dann wieder der Natur übergeben. Zuvor warten die Teilnehmer auf weitere Exemplare. Ein Geduldsspiel. „Vor allem Abendsegler müssten eigentlich ins Netz gehen“, sagt Gabriel Pelz. „Der Kiefernwald hier bietet ihnen ideale Bedingungen.“ Ohnehin ist ihm zufolge der Spreewald Heimat fast aller in Brandenburg vorkommenden Arten von Fledermäusen. „Ich finde es spannend, die Tiere aus nächster Nähe zu sehen und sie sogar anfassen zu dürfen“, sagt Marina Böhm. „Meine Kinder haben mich überredet, hier dabei zu sein. Ich habe es nicht bereut. Es ist ein schöner Abschluss unseres Urlaubs im Spreewald“, sagt die junge Frau aus Sachsen.