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| 11:33 Uhr

Stadtentwicklung
Insek: Prioritäten auf dem Prüfstand

Lübben. Lenkungsgruppe soll nochmals einberufen werden. Ein Bad für Lübben ist wieder im Gespräch. Von Ingvil Schirling

Wie soll sich Lübben bis 2030 entwickeln? Welche Projekte müssen dringend angepackt, welche Schwerpunkte – auch mit Blick auf Nachbarkommunen – gesetzt werden? Die großen Leitlinien für Antworten auf diese Fragen gibt das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Insek) „Mein Lübben 2030“ vor. Es ersetzt das Planungswerk für Lübben 2020 und soll, wenn möglich, noch in diesem Jahr verabschiedet werden (die LR berichtete). Doch bei der ersten Lesung zögerten die Stadtverordneten aus gutem Grund. Knackpunkt ist, dass sich eine entscheidende Rahmenbedingung innerhalb kurzer Zeit ganz grundlegend geändert hat. Statt des erwarteten Bevölkerungsrückgangs darf sich die Kreisstadt inzwischen über Zuzug freuen. Das ist sehr positiv, stellt aber die bisherigen Ansätze für die Stadtplanung fast komplett auf den Kopf. Deshalb sprachen sich die Stadtverordneten nach kurzer Diskussion dafür aus, vor der zweiten Lesung mit dem angestrebten Beschluss in der letzten Sitzung dieses Jahres nochmals die Lenkungsgruppe einzuberufen, um die Prioritäten neu zu ordnen. Der Lenkungsgruppe gehören Vertreter der Stadtverordneten und -verwaltung an. „Wir hoffen, dass mit der Einberufung der Lenkungsgruppe der Zeitplan nicht ins Wanken gerät“, kommentierte zwar Stadtverordnetenvorsitzender Peter Rogalla angesichts der knappen Terminlage in der Vorweihnachtszeit. An der Absicht, in der zweiten Lesung zum Beschluss zu kommen, wird allerdings vorerst festgehalten.

Konkret ging es unter anderem um die Prioritäten des Ausbaus für die Kitaplätze. „Da sind wir schon zehn nach zwölf“, mahnte CDU/Grüne-Vorsitzender Jens Richter. Peter Schneider (Die Stadtfraktion) erweiterte den Rahmen: „Wenn wir neue Wohnflächen ausweisen, brauchen wir Spielplätze, weitere Betreuungsplätze und mehr Kapazitäten an Grundschulen. Da müssen wir flexibel sein.“ Er sprach zudem an, dass Luckau zum Mittelzentrum werden soll und dass diese Veränderung Auswirkungen auf die strategische Planung für Lübben haben wird. Wolfram Beck (Pro Lübben) warf ein, dass „die Prioritäten sich übermorgen schon wieder ändern können“.

Bürgermeister Lars Kolan (SPD) hatte da schon angeboten, die Lenkungsgruppe – auch auf Wunsch von Andreas Rieger (CDU/Grüne) – nochmals einzuberufen. „Die Feuerwehr Am kleinen Hain konnte man als eine der ersten Prioritäten sehen – inzwischen haben sich aber gerade im Bereich Kita ganz andere Notwendigkeiten ergeben“, stimmte er in den allgemeinen Tenor ein. „So etwas ist veränderlich, weil seit den ersten Entwürfen Zeit ins Land gegangen ist und neue Sichtweisen entstanden sind.“

Auch Katrin Heinz vom Unternehmen ebp in Berlin, das das integrierte Stadtentwicklungskonzept Insek von fachlicher Seite unterstützt, nahm die Hinweise gerne auf. Sie hatte zuvor die strategischen Schwerpunkte genannt wie Wohnungsbedarf, Einwohnerstabilisierung beziehungsweise -wachstum, Lärm- und Verkehrsbelastung und Klimaschutz. Der Lübbener Klaus Stephan hatte die Einwohnerfragestunde genutzt, um noch ein ganz anderes Projekt ins Spiel zu bringen. Wie es denn mit einem Themen-, Schwimm- oder Freibad aussehe, wollte er wissen. Es sei zwar von den Plänen nach langer Diskussion inzwischen Abstand genommen worden. „Doch wenn sich die Hälfte der Bevölkerung ein Bad wünscht, verstehe ich nicht, warum so etwas dann nicht aufgenommen wird.“ Es gebe schließlich neue Förderprogramme für kommunale Infrastruktur. Dieser Vorschlag wurde durchaus positiv aufgenommen, sowohl von Katrin Heinz als auch von mehreren Stadtverordneten. Der Vorteil: Steht so etwas in einem wichtigen strategischen Ausrichtungspapier wie einem Insek, kann bei entsprechender Antragstellung darauf verwiesen werden – und genehmigende Ministerien finden es scharz auf weiß wieder. In diesem Sinne sprachen sich beispielsweise Peter Schneider und Wolfram Beck dafür aus, „vor allem, weil es von einer breiten Bevölkerungsmehrheit getragen wird“, wie letzterer sagte.