ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:17 Uhr

Eröffnet
Kunst am Wasser und im Zauberwald

 Zum Auftakt der Aquamediale 13 sind  Kähne für eine Fahrt durch die Seenlandschaft mit den zehn Kunstprojekten im Schlosspark gestartet.
Zum Auftakt der Aquamediale 13 sind  Kähne für eine Fahrt durch die Seenlandschaft mit den zehn Kunstprojekten im Schlosspark gestartet. FOTO: Ingrid Hoberg
Straupitz. Das 13. Internationale Kunstfestival Aquamediale unter dem Motto „Spreeland trifft …“ ist im Straupitzer Hafen eröffnet worden.

„Das ist ein weites Feld.“ Dieser Satz aus Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ ist zum Aphorismus geworden und den meisten wohl geläufig. Doch bei solchen Sprüche wie „Moral ist gut, Erbschaft ist besser.“  oder „Vor Gott sind eigentlich alle Menschen Berliner.“ fragt sich der Besucher: „Das soll von Fontane sein?“ Wer in Straupitz auf der Wiese zwischen Hafen und Schloss/Grundschule wandelt, kann diese Schrifttafeln entdecken.

Franz Zauleck hat sich mit dem Grenzgänger Theodor Fontane beschäftigt und den Spruch über die Berliner sinnigerweise an einen blau-weißen bayerischen Grenzpfahl gehängt. Zwölf Sprüche, zwölf Grenzpfähle, zwölfmal die Frage nach dem, was Grenze bedeutet und was dennoch verbindet. Der Wanderer wird selbst zwischen Fontanes Aphorismen zum Grenzgänger. Zauleck, Bühnenbildner und Grafiker, ist Jahrgang 1950 und damit der Nestor im Kreis der zehn nationalen und internationalen Künstler, die die Aquamediale 13 in diesem Sommer bestreiten. „Er ist der einzige, den ich schon kannte“, sagt Kurator Harald Larisch während der Ausstellungseröffnung am Samstagnachmittag.

Die meisten anderen Künstler sind mehr als 30 Jahre jünger und kreative Absolventen von Hochschulen, die sich der grafischen, zweidimensionalen Arbeit verschrieben haben. Sie haben sich in das Abenteuer aus der Ebene (Grafik) in den Raum (Installationen, Skulpturen) begeben und zeigen in Straupitz Objekte, die im Naturraum in Beziehung treten zu Nähe und Fremde, Heimat und Globalisierung. Das können die Besucher des Kunstfestivals entdecken und haben davon zur Vernissage gleich rege Gebrauch gemacht.

Nach der Eröffnung starteten Fährleute mit Besuchern auf eine rund einstündige Tour durch die Seenlandschaft am Schlosspark, um Kunst am Wasser und im verzaubert erscheinenden Wald zu entdecken. An diesem Tag haben die Gäste den Vorteil, kompetente Gesprächspartner mit an Bord zu haben – Kurator Larisch, Anika Meißner, Projektleiterin der Aquamediale, wie auch Künstlerinnen und Künstler.

„Anregungen für ihre Arbeiten fanden sie beim Gang durch die Natur“, sagt Harald Larisch.  Der Kurator berichtet, wie sorgsam bereits  bei der Vorbereitung vorgegangen wurde. „Wir befinden uns hier im Naturschutzgebiet“, sagt er. Und wie zum Beweis zieht die Schwanen-Familie mit sechs Jungen am Kahn vorbei. Ämter und Vereine sind in die Vorbereitung einbezogen worden. Die Gewässer werden von Anglern betreut und genutzt, ihre Hinweise wurden bei der Platzierung der Kunstobjekte beachtet.

„Mit hoher künstlerischer Qualität und kreativen Aktionen belebt die Aquamediale seit 2005 die Stadt Lübben und ihre Umgebung“, sagt Kulturministerin Martina Münch (SPD). Sie begrüßt, dass das Kunstfestival in diesem Jahr eine Brücke zu Fontane schlage. „Zu seinem 200. Geburtstag würdigen wir mit facettenreichen Veranstaltungen nicht nur seine Person, sondern werfen auch einen Blick hinter die Kulissen seiner Arbeit und können sein Werk im Spiegel des 21. Jahrhunderts neu entdecken“, so die Ministerin.

Wer die zehn Standorte in Straupitz lieber zu Fuß erkunden wollte, konnte sich Ingvil Schirling anschließen. Die Journalistin und Mitautorin des Buches „Heimat ist …“, das der Förderverein Aquamediale als Jahresgabe herausgegeben hat, ist mit Interessierten auf dem Landweg zu den zehn Standorten gegangen.

„Die (heilige) Spreewaldgurke“ des thailändischen Künstlers BACK ist am Eröffnungstag im Hafen hinter der Bühne, auf der das Trio Covermen und später das Landesjugendjazzorchester Brandenburg musizieren, nur versteckt zu entdecken. Einige Besucher arbeiten gern an der Vergoldung der Gurke mit. Jana Dörfelt hat für ihren regenbogenfarbenen Trichter einen Standort im Hafen gefunden. „Heimat to go“ – jeder der bisher raren Regentropfen wird gesammelt und kann, in Fläschchen abgefüllt, als Erinnerung an Straupitz, an den Spreewald, mitgenommen werden.

Flyer mit den zehn Stationen liegen für alle vor, die demnächst einen Rundgang planen. Und die Kahnfährleute sind auch auskunftsbereit, denn es gibt in der Saison täglich ab 10 Uhr Fahrten unter dem Motto „Kunst-Kahn-Staken“. „Wir hatten uns die Kunstwerke schon am Tag zuvor angesehen und hatten leider keine Beschreibung“, bedauert Bärbel Lachmann. Mit ihrem Mann Michael macht die Leipzigerin gerade Urlaub in Straupitz. Beide kommen schon seit den 1970er Jahren immer wieder in den Spreewaldort und freuen sich, dass ihr diesjähriger Besuch mit einer Veranstaltung wie der Aquamediale verbunden ist.

Möglich gemacht haben das viele Akteure vor Ort. „Alle Beteiligten haben sich eingebracht“, sagt Bernd Boschan, Amtsdirektor des Amtes Lieberose/Oberspreewald. Dazu gehören die Tourismus-Entwicklungsgesellschaft (TEG), fleißige Straupitzer und vor allem der Freundeskreis Kornspeicher um Simone Seeliger.

 Zum Auftakt der Aquamediale 13 sind  Kähne für eine Fahrt durch die Seenlandschaft mit den zehn Kunstprojekten im Schlosspark gestartet.
Zum Auftakt der Aquamediale 13 sind  Kähne für eine Fahrt durch die Seenlandschaft mit den zehn Kunstprojekten im Schlosspark gestartet. FOTO: Ingrid Hoberg