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Interview
„In der Unterhaltung steckt das Wort Haltung“

Sebastian Krumbiegel tritt am 6. Dezember mit einer musikalischen Lesung im Lübbener Wappensaal auf.
Sebastian Krumbiegel tritt am 6. Dezember mit einer musikalischen Lesung im Lübbener Wappensaal auf. FOTO: Wustmann / LR
Lübben. Eine Lesung zur Eröffnung des neuen Bücherbusses für die Fahrbibliothek - wie passend. Eine musikalische Lesung - noch schöner. Dass aber Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel mit seinem aktuellen Solo-Programm am Nikolaustag im Lübbener Wappensaal zu diesem Anlass auftritt, dürfte etwas ganz Besonderes werden.  Im Vorfeld wollte die LR wissen, worauf sich das Publikum am 6. Dezember freuen kann.

Herr Krumbiegel, was haben Sie mit dem Lübbener Publikum am Nikolausabend vor?

So ganz genau weiß ich das selbst nicht. Ich bin zurzeit auf musikalischer Lesetour, das ist für mich etwas Neues und macht mir unheimlich Spaß. Ich lese aus meinem Buch „Courage zeigen - warum ein Leben mit Haltung gut tut“ und singe Stücke von Udo Lindenberg, Rio Reiser, eigene Lieder - wie und was genau, hängt immer sehr vom Publikum ab. Das Programm ist immer anders. Ich lasse mich treiben und habe eine Antenne dafür, was hier geht.

An diesem Abend geht es um die Fahrbibliothek, deren neuer Bus eingeweiht wird. Ein guter Anlass für Sie?

Ich finde so einen Bücherbus herrlich und man sollte dankbar sein und so etwas als Errungenschaft betrachten, statt immer nur über die Politiker zu schimpfen. Trotzdem möchte ich nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher kommen. Ich bin der Meinung, dass man ganz unabhängig von der Botschaft die Leute unterhalten sollte, zum Lachen und zum Weinen bringen, um Haltung und Inhalt zu transportieren. In „Unterhaltung“ steckt ja auch das Wort „Haltung“.

In Ihrem Buch verarbeiten Sie unter anderem den Überfall auf Sie durch zwei Rechtsradikale Anfang der 2000er Jahre.

Es geht noch um mehr, auch darum, was ich 1989 erlebt habe. Der rote Faden ist das „Courage“-Thema. Ich lasse die Leute sehr nah an mich ran. In der Verarbeitung dieser Dinge merkt man sehr, wie ich ticke - auch, was für ein Glück ich hatte in meinem Leben. Ich komme mit den Leuten ins Gespräch, nehme mir danach auch noch Zeit, um Bücher zu signieren und so weiter. Ich glaube, jedem tut es gut, nicht in seiner Box zu bleiben, sondern die Perspektive zu wechseln. Dafür ist so eine Veranstaltung doch gut.

Wird es denn auch Prinzen-Songs an dem Abend zu hören geben?

Gar nicht. Es gibt uns ja nach wie vor. Seit 27 Jahren bin ich mit den Prinzen unterwegs, gerade erst hatten wir ein Konzert im Leipziger Gewandhaus, das der Hammer war. Ich würde es als unanständig empfinden, mit unseren Songs in meinem Solo-Programm aufzutreten. Ich bringe aber ein großes Repertoire an anderen Stücken mit und wähle je nach Stimmung aus.

Mit Sebastian Krumbiegel
sprach Ingvil Schirling