„Was ist fertig? Und wann ist man fertig? – Hoffentlich nie!“ Dieses Zitat von Paula-Modersohn Becker, die sich und ihr Werk immer wieder selbst in Frage stellte, haben Gisela Rüdiger (Jahrgang 1945) und Manuela Hinkeldey (Jahrgang 1956) als Motto für ihre Exposition gewählt. Absolut treffend, wie der in Siegadel lebende Maler und Grafiker Michael Bock in seiner Laudatio bestätigt. Beide Malerinnen betrachteten ihr Geschaffenes immer wieder selbstkritisch, „und das bringt sie voran.“ Seit rund zehn Jahren erfahre er hautnah, wie sich die zwei Frauen in das Malen hineinstürzten und „die Leidenschaft, mit der sie sich der Malerei verschrieben haben, ist etwas Besonderes“, hebt der von beiden Frauen geschätzte Malerei-Lehrer hervor. Die Bilder zeugten von hoher handwerklicher Qualität und präsentierten einen Einblick in die Vielfalt ihres künstlerischen Schaffens.

Beim Rundgang durch die Flure im ersten Stock des Landratsamtes fällt dem Betrachter vor allem die kräftige Farbgebung der realistischen Darstellung beider ins Auge. Während Manuela Hinkeldey ihren Fokus auf akribisch ausgearbeitete Details lenkt und damit Stimmungen transportiert, setzt Gisela Rüdiger ihren Schwerpunkt in der menschlichen Figur. Besonders deutlich wird dies an der Realisierung eines Themas, das sich mit „Karneval in Venedig“ beschreiben ließe. Hierfür hat Manuela Hinkeldey das Stillleben als Ausdrucksmittel gewählt, setzt Mandoline, Weinglas, Kerze und Fächer, Maske und Schleier sowie Schuhe großformatig in Szene. Gisela Rüdiger zeigt den Menschen im Kostüm und als Akt, sparsam ergänzt mit den das Thema verdeutlichenden Accessoires. Menschen zu malen, ob als Porträt, Gruppe oder Akt, sei für beide immer wieder eine Herausforderung. Ihre Malerfreundschaft ließe sie gemeinsam wachsen. „Wir tauschen uns aus und befruchten uns gegenseitig“, sagt Manuela Hinkeldey.


Kennengelernt haben sich beide während ihrer Malkurse an der Volkshochschule in Berlin-Treptow-Köpenick. „Ich habe dort vieles gelernt über Bildaufbau, das Mischen und den Einsatz von Farben“, erzählt Gisela Rüdiger während des Künstlergesprächs zur Ausstellungseröffnung. Bis heute sei die Volkshochschule ein „Treff aller Malsüchtigen, wie ich eine geworden bin“, beschreibt sie ihre Leidenschaft. Auch für Manuela Hinkeldey ist das Malen, zunächst als Eigentherapie in einer persönlichen Krise begonnen, „heute eine große Liebe geworden“, wie sie sagt. Diese verbindet sie seit 2005, als sie im Schloss von Prötzel, einem kleinen Dorf nahe Strausberg-Nord, ein gemeinsames Atelier fanden und dort gemeinsam in ihrer Malerei versanken.

„Das war ein tolles Ambiente mit hohen Fenstern und dem Blick auf den See“, schildert Gisela Rüdiger diese Zeit, die jedoch nicht lange währte. Denn schon bald wurde das Schloss verkauft. Doch weil die zwei Frauen dort nicht nur zum Malen hinfuhren, sondern auch Feste organisierten, ihre Freude an der Kunst erfolgreich anderen Menschen vermittelten, bekamen sie vom Bürgermeister die Kirche als Atelier zur Verfügung gestellt. „Drei- bis vier Mal im Jahr haben wir dann den Kirchenraum als Galerie vereinnahmt und dort Ausstellungen organisiert“, erzählt Gisela Rüdiger. Inzwischen seien sie wieder auf der Suche nach einem Atelier, denn der Förderverein des Ortes habe Geld für die Restauration der Kirche erhalten