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| 18:47 Uhr

Platzbedarf
Kita-Debatte: Abgeordnete sind „erfreut, dass der Stein rollt“

 Wird da noch mehr draus? Die Fundamentarbeiten für den geplanten Modulbau an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule haben begonnen. Doch auf dem Gelände könnte auch noch eine Kita entstehen.
Wird da noch mehr draus? Die Fundamentarbeiten für den geplanten Modulbau an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule haben begonnen. Doch auf dem Gelände könnte auch noch eine Kita entstehen. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben. Die Verwaltung gibt Gas bei künftigen und möglichen Standorten. Doch in einem Punkt geht es den Abgeordneten jetzt fast zu schnell. Von Ingvil Schirling

Mit zwei konkreten Vorlagen der Stadtverwaltung kommt neuer Schwung in die Debatte um künftige Kita-Standorte. Besprochen wurden sie im Hauptausschuss diese Woche. Kommenden Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung könnte es dazu weitergehen. Einer der Vorschläge aber wurde nochmals zurück in den Fachausschuss verwiesen.

Es geht um die Frage, wie der Kitaplatzmangel behoben werden soll. Bisher gab es deutlichen Dissens um einen entscheidenden Kernpunkt: Die Verwaltung unter Bürgermeister Lars Kolan favorisiert eine „schnelle kommunale Kita“. Die Abgeordneten sind dagegen, weil sie unter anderem das dafür notwendige Personal für Planung und Bauvorbereitung in der Stadtverwaltung nicht sehen. Sie favorisieren stattdessen, dass auf einem Grundstück Am Eichengrund ein Ersatzneubau für die Awo-Kita Sonnenkinder entsteht, gebaut von der Arbeiterwohlfahrt oder der Lübbener Wohnungsbaugesellschaft. Eine integrationsgerechte Sanierung für das Gebäude an der Logenstraße erscheint im Moment schwierig.

Standort Am Eichengrund

Die Variante Am Eichengrund soll Bürgermeister Lars Kolan (SPD) nun vorantreiben. Die Verwaltung legte ein Papier vor, das ihn „mit der Entwicklung einer Lösung“ dafür beauftragt. Der Bau soll durch die Awo oder die LWG „mit der Maßgabe erfolgen, dass das erforderliche Grundstück über einen Erbbaupachtvertrag oder einen Verkauf zur Verfügung gestellt wird“, heißt es darin.

Diese Vorlage entspricht den Vorstellungen der Stadtverordneten und fand ausnahmslos Zustimmung im Hauptausschuss. „Ich bin erfreut, dass der Stein jetzt rollt“, sagte Marco Sell (CDU/Grüne). Peter Rogalla (Die Linke) ergänzte: „Die Verwaltung hat damit den Zeitgeist eingefangen und ihn, wenn auch mit Zeitverzug, abgebildet.“

Zeitschiene nachgefragt

Peter Schneider (Die Stadtfraktion) fragte nach einer zeitlichen Eingrenzung. Das hänge von den Gesprächen ab, antwortete Lars Kolan, und davon, welche Vereinbarungen zu schließen und Regelungen zu beachten seien. „Die vergangenen Wochen haben aber gezeigt, dass wir da keine Luft mehr ranlassen wollen“, sagte er.

Bei der zweiten Vorlage allerdings mussten die Hauptausschussmitglieder erstmal durchatmen. Die Verwaltung schlug ihnen weiter vor, an der Jahnstraße eine Kita zu bauen. Dazu hatte es einen Prüfauftrag gegeben. Ein Bebauungsplan grenzt an. Die Frage war, ob dort eine Kita gebaut werden dürfte, möglicherweise als temporäre Container- oder Modulbauvariante, um den um 40 Plätze jährlich steigenden Bedarf zeitnah abfangen zu können.

Nach Rücksprache mit dem Bauordnungsamt dürfte dort tatsächlich eine Kita mit 80 Plätzen zur Versorgung des Wohngebiets entstehen. „Es besteht die Möglichkeit, in Verbindung mit der 1. Grundschule, dem Hort, der Kindertagesstätte im Dreilindenweg sowie den Sportanlagen einen Bildungscampus zu bilden“, heißt es in der Vorlage. Mit dem Papier sollen die Stadtverordneten den Bürgermeister beauftragen, dort eine Kita zu errichten.

Mehr Kitaplätze als bisher im Gespräch

Allerdings hatte Peter Schneider große Probleme mit der Zahlengrundlage. Denn statt der benötigten 225 Plätze, von denen bisher immer die Rede war, würden dann mit den drei Neubauten 260 entstehen. Fachbereichsleiterin Petra Streiber erklärte das mit wegfallenden Plätzen durch die Awo-Kita an der Logenstraße. „Wir müssen ja irgendwo Ersatz schaffen“, sagte sie.

Dennoch wurde dieser Punkt nicht abschließend geklärt. Peter Rogalla fehlte der temporäre Aspekt und die Dimension der künftigen Schulplätze. Deshalb plädierte er dafür, diese neue Marschrichtung zunächst im Bildungsausschuss zu diskutieren.

„Wir wollten Geschwindigkeit. Jetzt ist so viel Tempo drin, dass wir aufpassen müssen, uns nicht zu überschlagen“, sagte er. Wenn auch Marco Sell beispielsweise die Campus-Idee „hervorragend“ fand, war der Beschluss am Ende einstimmig: Sie wird zuerst noch einmal im Bildungsausschuss beraten.

 Wird da noch mehr draus? Die Fundamentarbeiten für den geplanten Modulbau an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule haben begonnen. Doch auf dem Gelände könnte auch noch eine Kita entstehen.
Wird da noch mehr draus? Die Fundamentarbeiten für den geplanten Modulbau an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule haben begonnen. Doch auf dem Gelände könnte auch noch eine Kita entstehen. FOTO: LR / Ingvil Schirling