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| 01:00 Uhr

Immer mehr Schuldner im LDS

Lübben.. „Die Zahl der Menschen, die dem Landkreis Dahme-Spreewald Geld schulden, ist in den vergangenen Jahren erheblich angestiegen.“ Auf rund 1,2 Millionen Euro im Jahr schätzt Vollstreckungsbeamtin Angelika Herzig die Summe, die durch sie und die übrigen sechs Innen- und Außendienstmitarbeiter allein für den Landkreis eingetrieben werden müssen. Weitere rund 450 000 Euro sollen im Auftrag öffentlicher Gläubiger von den Schuldnern eingetrieben werden. Von Krino Müller

Wie viele Schuldner es genau sind, von dem der Kreis noch Geld bekommt, kann Angelika Herzig nicht sagen. Wohl aber, dass jährlich rund 7500 bis 8000 Fälle bearbeitet werden müssen. Das bedeutet, dass so mancher Schuldner mit mehreren „Fällen“ in der Kreide steht. „Vor drei Jahren hatten wir es noch mit etwa 5000 Fällen jährlich zu tun“ , erinnert sich die Vollstreckungsbeamtin. „Doch die soziale Situation der Menschen“ sei ein Grund für die rasante Steigerung. Vor etwa zehn Jahren waren es sogar nur 500 000 Mark, die jährlich eingetrieben werden mussten. Kein Wunder sei es, dass das Personal erst kürzlich auf sieben Kräfte aufgestockt worden sei. Und mit durchschnittlich 1000 „Fällen“ pro Mitarbeiter sei schon wieder eine Belastungsgrenze erreicht, so Angelika Herzig.
Die Ursachen für Schulden sind breit gefächert. Wenn die Gebühren für Volkshoch- oder Musikschule nicht bezahlt werden, wenn die Gebühren für Baugenehmigungen „vergessen“ oder Rückzahlungsaufforderungen des Sozialamtes oder Steuerforderungen ignoriert werden, dann beginnt zunächst ein Mahnverfahren, sagt Landkreis-Kämmerer Manfred Hunger. Das schließt im schlimmsten Fall mit der Vollstreckung ab. Ohne die, ist Angelika Herzig überzeugt, „würde niemand mehr bezahlen“ .
Vor allem aber, bestätigt auch Manfred Hunger, sind es Bußgelder, zu denen sich Betroffene nur ungern bekennen. Wenn der „Blitzer“ zugeschlagen hat, fällt es vielen schwer, vor allem, wenn sie finanziell ohnehin klamm sind, für das Bild zu zahlen. „Die versuchen alles, um sich zu drücken“ , so Angelika Herzig aus beruflicher Erfahrung. Das müsse auch schon mal mit Haft gedroht werden. Manche kämen dann sogar auf die Idee, „ins Gefängnis gehen wollen“ , sagt sie. Sie missverstehen die Androhung von Haft und glauben, damit ließen sich Schulden bezahlen.
Manche Schuldner machten es den Vollstreckungsbeamten auch nicht leicht. Nicht nur, dass Mitarbeiter bis zum Erfolg oder der Erkenntnis, dass nichts zu holen ist, mehrfach ihre „Kunden“ aufsuchen müssen. Auch im Umgang beginne die Palette bei „freundlicher Einsicht“ , sagt Angelika Herzig, „und endet bei Drohungen“ . Wenn es wirklich mal knifflig werde, hole sich der Kreis Amtshilfe von der Polizei. „Das kommt aber nur selten vor“ , sagt die Vollstreckungsbeamtin.
Manche „Fälle“ erledigten sich schon nach kurzer Zeit. Wenn eine Zahlung nur verschlampt worden sei und bezahlt werde, wenn die „Zahlungsvollstrecker“ vor der Tür stehe, könne der „Fall“ schnell abgeschlossen werden. Habe jemand kaum Geld, „bemühen wir uns darum, eine einvernehmliche Reglung hinzukriegen, beispielsweise eine Ratenzahlung. Wichtig ist, dass die Einsicht besteht, dass Schulden bezahlt werden müssen.“ Wenn auch das nichts fruchte, müsse gepfändet werden. „Vorausgesetzt, es gibt etwas, das wir pfänden können“ , sagt Angelika Herzig. Die Erfahrung habe gezeigt, dass viele „Kunden arbeitslos sind und nur das Existenzminimum haben“ . Deshalb wundere sie sich auch, wie einige in die Schuldenfalle getappt sind.
Im schlimmsten Fall müssten Durchsuchungsbeschlüsse beschafft werden. „Das ist viel aufwändiger“ , betont Angelika Herzig. Sie appelliert an die Einsicht der Schuldner, denn: „Je mehr wir damit zu tun haben, um so teurer wird alles.“ Manchmal sei es von Bedeutung, wenn ganz schnell das Gespräch mit dem Gläubiger gesucht werde. „Dann wird meistens ein Weg gefunden“ , sagt Manfred Hunger.
Eine Besonderheit sei, so Angelika Herzig, wenn sich jemand im Insolvenzverfahren befinde. Dann dürfe der Insolvenzberater eine solche Rechnung gar nicht bezahlen. Das habe in einem Fall ein Schuldner so sehr bedauert, dass er schriftlich vorgeschlagen habe, die Schuld beim Kreis gemeinnützig abarbeiten zu können, erinnert sich die Vollstreckungsbeamtin.