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| 02:43 Uhr

Illegaler Welpenhandel: Dobermann-Welpe bringt Tierschützer auf heiße Spur

Ein Dobermannwelpe führte Ermittler auf die Spur.
Ein Dobermannwelpe führte Ermittler auf die Spur. FOTO: Fotolia
Wernsdorf. Eine beschauliche Einfamilienhaus-Siedlung in Wernsdorf bei Königs Wusterhausen. Nichts deutet auf das Grauen hin, das sich in einem Bungalow abspielt. I. Schirling

In kleinen Käfigen fristeten dort bis Dienstagabend elf Hunde ihr Dasein.

Auf die Spur des illegalen Welpenhandels kam der Fernsehsender RTL, der heute Abend ab 19.05 Uhr in seiner Sendung "explosiv" über den Fall berichten wird. Mithilfe eines Lockvogels versuchte er, einen an den Ohren und der Rute kupierten Dobermann-Welpen zu kaufen. Dahme-Spreewalds Amtstierärztin Dr. Jana Guth zufolge ist die Amputation aus Gründen des Schönheits-Ideals in Deutschland für die Rute seit 1998 und für die Ohren schon seit 1989 verboten.

Dennoch, und das wollte der Fernsehsender zeigen, ist es einfach, in Deutschland einen "vollkupierten" Dobermann zu kaufen. Er folgte einfach einer Anzeige über einen zu verkaufenden Welpen. Und erlebte dabei mehr als eine Überraschung.

Die schaurigen Zustände von elf Hunden in Käfigen war nur die erste. Als der Sender der Welpenverkäuferin seine Absichten enthüllte, riss die 30-Jährige die Papiere wieder an sich und wurde handgreiflich. Die Polizei kam mit acht Beamten zum Einsatz. Auch Amtstierärztin Jana Guth wurde gerufen.

Sie berichtet: "Die Tiere lebten in viel zu kleinen Käfigen, die Wände waren hochgradig verschmutzt, es war vermüllt, Kothaufen lagen herum." Sieben große Hunde der Rasse Dobermann und vier französische Bulldoggen waren es. Die Halterin, eine Berlinerin, sei ihr bekannt. "Sie hatte in Berlin schon viel Kontakt mit den Behörden und suchte sich bewusst einen Ort in Brandenburg", vermutet sie. Der kupierte Welpe, der im Internet zum Kauf angeboten worden war und das Reporterteam samt Tierschützer auf die heiße Spur gebracht hatte, hätte mit elf Wochen noch gar nicht nach Deutschland gebracht werden dürfen.

Dr. Jana Guth schritt zur Tat und stellte alle elf Hunde amtlich sicher. Die französischen Bulldoggen leben jetzt in Pflegestellen, die Dobermann-Hunde im Tierheim. "Die Halterin muss sich nun wegen zahlreicher Verstöße verantworten, die insbesondere das Tierschutzgesetz und die europäischen Einfuhrbestimmungen betreffen", sagt sie.

Was sie beschäftigt: "Elf Hunde machen Krach, und wir wunderten uns, dass uns keine Beschwerde vorlag." Nun aber habe sich herausgestellt: Dem städtischen Ordnungsamt lag eine Anzeige über Lärmbelästigung wegen Hundegebell vor. Es gelte künftig, die Berührungspunkte zwischen dieser Art Lärm und Tierschutz besser aufzuzeigen.

Wie LDS-Dezernent Wolfgang Starke (SPD) ermutigt sie Dahme-Spreewälder, Tierschutzverstöße zu melden. Die Fälle nehmen zu. Zwei amtliche Tierärzte in der Kreisverwaltung plus zwei weitere Kollegen sind gut ausgelastet.

Wer gesunde und gut sozialisierte Welpen kaufen möchte, sollte sich am besten einen Züchter aussuchen, der in einem anerkannten Verband wie dem VDH organisiert ist.