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| 11:03 Uhr

Illegal: Gifteinsatz gegen Wiedehopfe?

Naturfreunde sind entsetzt. Im Mai und Juni vergangenen Jahres wurden in Brandenburg zehn tote Wiedehopfe entdeckt, mindestens acht davon waren weibliche Tiere. "Traurige Funde, die es in dem Ausmaß so noch nicht gab", erklärte Frank Schröder. Er ist der erste Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu), Kreisverband Spreewald, der etwa 100 Mitglieder zählt.

Von Andreas Staindl

Zur Jahreshauptversammlung am Freitagabend in Lübben informierte Schröder seine Mitglieder vom Tod der geschützten Wiedehopfe und von Details. Drei der verendeten Vögel wurden im Oberspreewald östlich von Lübben gefunden. Je zwei fand man auf den ehemaligen Truppenübungsplätzen bei Lieberose und Jüterbog (Teltow-Fläming). "An allen Fundorten, die bis auf Alt Zauche weit außerhalb von Ortschaften liegen, befinden sich langjährig Niströhren, was die Vorkommnisse unerklärlich macht", sagte Schröder. Beim Nabu vermutet man illegalen Gifteinsatz. "Anders kann ich die Ergebnisse der Laboruntersuchung nicht werten", sagt der Vorsitzende.

Das Landesumweltamt Brandenburg hatte die Todesfälle untersuchen lassen. "Die Befunde sprechen eindeutig für eine Vergiftung", informierte Schröder. Der gefundene Wirkstoff Methiocarb werde eigentlich zur Schneckenbekämpfung eingesetzt. Im Mai und Juni habe es jedoch gar keine Schneckenplage gegeben. Zudem befänden sich drei der vier Fundorte in Naturschutzgebieten, wo Insektizide gar nicht ausgebracht werden dürften. Die Wiedehopfe könnten das Gift nur mit Insekten im Brutgebiet aufgenommen haben, ist Frank Schröder überzeugt. Er befürchtet, dass es auch tote männliche Wiedehopfe gibt. Die Weibchen habe man nur gefunden, weil sie von den Männchen in den Niströhren gefüttert werden. Sollte es weitere tote Wiedehopfe geben, plädiert der Kreisverband Spreewald des Nabu für eine Strafanzeige gegen Unbekannt.

Wie Frank Schröder weiter informierte, sei der Einsatz des gefundenen Giftes nur bis Oktober dieses Jahres zulässig. Jedoch keinesfalls, um geschützte Tiere zu töten. Doch das ist nicht das einzige Problem der Naturfreunde. Anzeige erstattet wurde beispielsweise wegen Fällens von Bäumen an der Straße Schönwalde nach Rickshausen und auf dem Lübbener Hauptfriedhof, wo gefährdete Käferarten jetzt ihres Lebensraumes beraubt seien. Zudem wehrt sich der Kreisverband gegen die aus seiner Sicht sinnlose Baumfällaktion im Spreewald, die in Größenordnung betrieben werde und obendrein Millionen verschlinge (die RUNDSCHAU berichtete schon mehrmals davon).

Der Nabu beteiligte sich im Vorjahr auch an Untersuchungen im Windkraftgebiet Dürrenhofe und installierte durch Gabriel Pelz sechs neue Fledermauskästen. Zudem wurden 7,5 Hektar Flächen angekauft. Auch beim Gewässerrandstreifenprojekt bringt sich der Naturschutzbund ein.

Vorgestellt zur Jahreshauptversammlung wurde außerdem der Exkursionsplan für dieses Jahr. Von Januar bis Dezember 2005 werden insgesamt 14 Veranstaltungen unter fachlicher Führung angeboten. Infos zum Nabu-Kreisverband Spreewald gibt es auch unter www.nabu-spreewald.de im Internet.