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| 17:56 Uhr

IG Spreewaldbahn holt Originaldiesellok zurück nach Straupitz
Ein Coup auf sechs Rädern

Seit mehr als einem Monat steht die altehrwürdige Spreewaldbahn wieder in Straupitz – und zieht auch schon den Nachwuchs an.
Seit mehr als einem Monat steht die altehrwürdige Spreewaldbahn wieder in Straupitz – und zieht auch schon den Nachwuchs an. FOTO: Kristian Lippold
Straupitz. Die Interessengemeinschaft Spreewaldbahn macht alte, urige Lokomotiven wieder erlebbar. Vor etwas mehr als einem Monat ist dem Straupitzer Verein eine einmalige Rückholaktion gelungen. Von Steven Wiesner

Sammlern wird ja oft unterstellt, sie würden all den Schrott, all die Dokumente und alles andere, was man eben so anhäufen kann, nur aus Selbstzweck zusammentragen. Doch Philipp Seemann gehört nicht zu dieser Gattung. Der 28-jährige Planungsingenieur aus Cottbus engagiert sich zwar nicht ohne Leidenschaft für die alten Spreewaldbahnen, er braucht das alles aber nicht, um sich zu verwirklichen. „In erster Linie machen wir das, weil wir die Menschen und Touristen in der Region begeistern können“, sagt er. „Wenn das niemanden interessieren würde, würde es uns nicht geben.“

Uns, damit meint Seemann die 36 Mann starke Interessengemeinschaft (IG) Spreewaldbahn. Selbige existiert seit 2010 als Verein und verfolgt das Ziel, die bis in die 70er-Jahre hinein und im Cottbuser Raum sogar bis 1983 aktive Spreewaldbahn für die Nachwelt zu erhalten und erlebbar zu machen. Und eben jenem Verein ist vor etwa einem Monat der größte Coup seit seinem Dasein gelungen: Denn mit der V10C-Diesellokomotive haben Seemann & Co. ein Originalexemplar zurück in den Spreewald geholt. Seemann: „Dass so etwas zurückkommt nach Straupitz, ist schon einmalig.“

Seit 1994 stand das Sechs-Rad-Gefährt bei den Harzer Schmalspurbahnen in Nordhausen still. Da sie nach wie vor Denkmalschutz-Status hat, konnte der Verein  die Lok zwar nicht käuflich erwerben, aber zumindest eine Dauerleihgabe arrangieren. Sie ist also nicht nur ein Projekt auf Zeit, das irgendwann wieder abgetragen wird. „Die Lok bleibt bei uns“, sagt Seemann. „Und sie ergänzt unsere bisherige Sammlung perfekt.“ Zwölf Fahrzeuge gehören mittlerweile zum Inventar des ehrenamtlichen Vereins, der sein Museumsgelände in der Bahnhofstraße 18 in Straupitz errichtet und zumeist samstags geöffnet hat. „Wir wollen einfach nicht, dass die Spreewaldbahn in Vergessenheit gerät.“

Oft werden Seemann und Mitstreiter auch darauf angesprochen, ob sie die Bahn nicht reaktivieren wollen? Ein solches Projekt aber würde wohl mehrere Millionen Euro kosten, schätzt Seemann. „Da können wir als kleiner Verein maximal der Impulsgeber sein.“ Allein der Transport der Diesellok habe den Verein schon um einen höheren, fünfstelligen Betrag erleichtert. Durchaus in konkreten Planungen befindet sich dafür eine Themenfahrradroute mit 24 Stationen durch den Spreewald von Lübben bis nach Cottbus.

Derlei Resonanz und Pläne zeigen: Seemann & Co. sammeln mitnichten nur für sich selbst. „Das Interesse der Leute ist gegeben.“ Nicht ohne Grund pilgerten zur Jubiläumsveranstaltung „120 Jahre Spreewaldbahn“ vor drei Wochen rund 1000 Besucher nach Straupitz.

Das IG Spreewaldbahn-Team posiert vor seiner neuesten Attraktion.
Das IG Spreewaldbahn-Team posiert vor seiner neuesten Attraktion. FOTO: Bernd Marx
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Logo IG Spreewaldbahn FOTO: IG Spreewaldbahn