ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:41 Uhr

Einzelhandel
„Ideen verschwinden in Schubladen“

Lübben. Die Belebung der Breiten Straße bleibt eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Von Steven Wiesner

Die Breite Straße bleibt ein Dauerthema in Lübben. Weder Händler noch Vertreter der Stadt sind wirklich glücklich mit der Attraktivität der innerstädtischen Einkaufsgasse. „Die Breite Straße ist zwar noch kein Sorgenkind, es besteht aber Handlungsbedarf“, ordnete Karin Jacobsen, die Sachgebietsleiterin Stadtplanung in der Stadtverwaltung, kürzlich in der RUNDSCHAU ein. Nun melden sich auch die Gewerbetreibenden zu Wort, die sich in vielen Belangen im Stich gelassen fühlen und mit Nachdruck auch den Eindruck widerlegen wollen, sie würden selbst vielleicht zu wenig tun, um den Betrieb anzukurbeln. „Es ist eben nicht mit einem hübschen Schaufenster und netter Beratung getan“, sagt Ines Brunkhorst von der Interessengemeinschaft Breite Straße. „Wer das behauptet, macht es sich sehr einfach.“

Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie seit vielen Jahren ein Fotogeschäft in der Breiten Straße. Der Umsatz nimmt seit Jahren ab, sagt sie. In Zeiten, in denen Globalisierung und Digitalisierung ein neues Konsumverhalten geschaffen haben, ist dies eine Entwicklung, die sich nicht nur in der Breiten Straße Bahn gebrochen hat, sondern den gesamten Einzelhandel schwächt. „Der Wettbewerb findet nicht mehr nur bundesweit statt, sondern weltweit“, sagt Brunkhorst. „Die Leute gucken bei uns im Laden und lassen sich beraten, bestellen tun sie dann aber im Internet.“

Vor diesem Hintergrund lässt sich die Interessengemeinschaft, die aus 19 Händlern besteht, auch nicht den Vorwurf gefallen, zu wenig Eigeninitiative an den Tag zu legen. „Im Gegenteil“, sagt Mandy Gosdschick, die einen Schreibwarenladen direkt am Straßeneingang leitet. „Wir wollen. Wir haben die Ideen. Aber die verschwinden bei den Stadtverantwortlichen meist in Schubladen.“ Martina Haug, die mit dem Avanti-Modegeschäft in der Breiten Straße ansässig ist, stimmt mit ein: „Das Miteinander fehlt. Wir haben das Gefühl, dass uns die Stadt gar nicht wahrnimmt.“ So viele Aktionen habe man schon in Eigenregie initiiert und finanziert, beispielsweise das Kinderfest, Kooperationen mit Schulen, Gewinnspiele oder einen eigenen Mini-Weihnachtsmarkt. „Und im Gegenzug ist für die Breite Straße nicht mal ein Weihnachtsbaum oder Winterbeleuchtung drin“, bemängelt Haug. „Sowas gibt es selbst im kleinsten Dorf.“

In der Stadtverwaltung weiß man, dass es noch genügend Potenziale auszuschöpfen gibt. So arbeitet man derzeit an einem Wegeleitsystem, das mehr Touristen vom Bahnhof in die Innenstadt lenken soll. „Leider aber reden wir schon seit zehn Jahren darüber“, bemerkt Ines Brunkhorst. „Es könnten langsam mal Taten folgen.“ Als generelles Problem für die Innenstadt sieht sie überdies die Tatsache an, dass es im Zentrum keinen Anlaufpunkt für den täglichen Bedarf gibt. „Wir haben nur Supermärkte außerhalb des Zentrums. Das zieht die Leute in die Autos und an den Stadtrand“ – lässt sie aber nicht zu Fuß durch die Innenstadt bummeln.

Die Replik der Interessengemeinschaft macht deutlich, wie sehr man scheinbar aneinander vorbei arbeitet. Sinnbildlich dafür steht die Aussage von Martina Haug in Bezug auf den Brückenplatz, der zwischen der Breiten Straße und dem Marktplatz samt Rathaus liegt: „Das ist die einzige Brücke, die ich kenne, die keine Verbindung, sondern eine Grenze darstellt.“ Offensichtlich also besteht in der Breiten Straße nicht nur Handlungs-, sondern auch eine Menge Redebedarf.