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Hopfen und Malz nicht verloren

SCHLEPZIG.. „Hopfen und Malz – Gott erhalt’s!“ Der alte Spruch ist Leitspruch für die Spreewälder Privatbrauerei. 28 neugierige RUNDSCHAU-Sommertouristen überzeugten sich gestern an Ort und Stelle, wie Bier gebraut wird. (-ds)

Torsten Römer weihte sie in einige Geheimnisse dieser Kunst ein.
Hopfen, Malz und Wasser - nur daraus darf Bier sein. So legt es das Deutsche Reinheitsgebot von 1516 fest. In der Spreewälder Privatbrauerei ist das Gesetz. „Aber es gibt doch so viele Biersorten. Wie ist das denn mit diesen Zutaten zu machen„“ Einer aus der Runde zweifelte, doch Römer zerstreute die Besorgnis, es könnte doch noch anderes im Bier sein. Die Mischung der Malze beim Bieransatz macht das Besondere aus. Der Braumeister bestimmt, ob ein Bier eher herb oder lieblich wird. Dunkles Bier verlangt einen Ansatz, der anders als beim Pils ist.

Eine Wissenschaft für sich
Im Sudhaus wurde es wissenschaftlich, denn das Brauen ist eine Wissenschaft für sich. „Die Brühe, die mal Bier werden soll, wird gekocht“ , erklärte Römer an den beiden Edelstahl-Kesseln. Er erklärte die einzelnen Arbeitsschritte und zeitlichen Abläufe beim Brauen. Hier lasse man dem Bier Zeit, um zu reifen. „Vier Wochen und acht Stunden dauert es, bis es bei uns gezapft werden kann“ , verwies Römer auf die aufwändige Herstellung.
Die Spreewälder Privatbrauerei trägt die Jahreszahl 1788 im Namen - warum“ In jenem Jahr bekam der Besitzer dieses Schlepziger Hofes das Braurecht, das in all den Jahren seither nicht erlosch. Römer ergriff die Chance und eröffnete am 1. Juli 1998 - 210 Jahre später - seine Brauerei an denkwürdigem Ort.
In Schlepzig sorgen Torsten Römer und Uwe Zech dafür, dass in den sieben Tanks mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 18 000 Litern nie Ebbe herrscht. Von Montag bis Donnerstag wird gebraut. An den anderen Tagen werden Anlagen gereinigt und gewartet. Ein wichtiger Mann, der Berliner Braumeister Marco Pottrick, selber leitet die beiden „Gehilfen“ in Schlepzig an und garantiert, dass alles so gebraut wird, wie es sein muss.
Helles, Dunkles, Weizen und Festbier - diese Biersorten stellt die Brauerei her. Mit der ungefilterten Herstellung hat das naturtrübe Bier einen unverwechselbaren Geschmack, wie sich die Sommertouristen bei der Verkostung nach dem Rundgang überzeugen konnten. „Es schmeckt sehr gut, ein bisschen bitter, aber herrlich frisch“ , so das Urteil von Horst Galenzkowski. Erwin Ackermann ließ es sich ebenfalls munden und war wie die anderen Gäste über die schmackhafte Erfrischung erfreut.
Bier aus Schlepzig wird in zehn Gaststätten in der Spreewaldregion ausgeschenkt. Römer war mit seinen Festbieren bei Stadtjubiläen wie in Beeskow, Buckow und Fürstenwalde präsent. „Und jetzt mischen wir uns auch noch in die Bundespolitik ein“ , schmunzelte er und verwies darauf, dass Bier aus der Schlepziger Privatbrauerei aus den Zapfhähnen des Bundespressestrandes mitten im Berliner Regierungsviertel fließt. „Das läuft dort unwahrscheinlich gut, und wir können gar nicht genug nachliefern“ , freut sich Römer.

Entdeckungen per Kahn
Feuchtfröhlich wurde auch der zweite Teil der gestrigen Sommertour. Andreas Krüger lud die Gäste zu einer Kahnfahrt durch einen Teil des Unterspreewaldes ein. „Ich bin bisher noch nicht in Schlepzig Kahn gefahren. Das ist ein schönes Erlebnis, das ich meinen Urlaubsgästen empfehlen werde“ , so Gerda Blümel aus Lübben. Von der Hauptspree ging die Tour durch die Quaasspree, in den Wussekgraben, den in den 80er Jahren angelegten Durchstich als Verlängerung des Zerniasfließes und schließlich die Hauptspree zurück. Die Sommertouristen erfreuten sich an den vielen Libellen - in diesem Gebiet wurden mehr als 30 verschiedene Arten gezählt -, entdeckten einen Mink, der gerade das Fließ durchschwamm, bewunderten zahlreiche Seerosen mit ihren weißen und rosafarbigen Blüten. Der Fährmann beantwortete viele Fragen zu Land und Leuten, machte auf Naturschönheiten aufmerksam und erzählte so manche Anekdote aus Schlepzig.
„Eine schöne Sommertour. Man hat vieles erfahren und entdeckt, was es Interessantes vor der eigenen Haustür gibt“ , sagten einige zum Abschied nach erlebnisreichen Stunden.
Info zum Thema Die nächste Sommertour führt am Dienstag, dem 29. Juli, um 10 Uhr in die Paul-Gerhardt-Kirche Lübben, in der Architekt Uwe Burckhardt unter anderem die derzeit laufende Sanierung des Gebäudes erklären wird. Am Donnerstag, dem 31. August, beginnt die Sommertour um 10 Uhr an der Cafeteria im Innenhof der Landesklinik Lübben. Den Ausflüglern werden die Klinik und speziell die Physiotherapie-Abteilung, die stationäre wie ambulante Patienten betreut und die für die Sommertour-Teilnehmer im Rahmen der Rückenschule eine kurze Übung zum Mitmachen plant, vorgestellt.
Da die Teilnehmerzahl bei beiden Führungen begrenzt ist, bitten wir um Anmeldungen bei der RUNDSCHAU-Lokalredaktion Lübben unter Tel. 03546/22 51 21.