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Holländerwindmühle statt Klassenzimmer

Gerd Nowak (li.), Geschäftsführer der Holländerwindmühle, demonstriert das Sägen. Wolfang Raband (r.) unterstützt ihn.
Gerd Nowak (li.), Geschäftsführer der Holländerwindmühle, demonstriert das Sägen. Wolfang Raband (r.) unterstützt ihn. FOTO: asd1
Straupitz. Sechstklässler der "Von-Houwald-Grundschule" in Straupitz (Lieberose-Oberspreewald) haben jetzt einen besonderen Unterricht erlebt. Sie besuchten im WAT (Wirtschaft/Arbeit/Technik)-Unterricht die Holländerwindmühle im Ort. Es war das erste Mal, dass eine Straupitzer Schulklasse die Mühle als Unterrichtsort nutzte. Andreas Staindl / asd1

Vor vier Monaten wurde der Kooperationsvertrag zwischen dem Mühlenverein und der Grundschule in Straupitz geschlossen (die RUNDSCHAU berichtete). Die Idee, dass sich die Schüler quer durch alle Unterrichtsfächer mit dem historischen Bauwerk befassen sollen, wurde jetzt erstmals mit Leben erfüllt. Die Lehrerin Karola Kanter hatte die Mädchen und Jungen auf den Besuch in der Mühle vorbereitet. "Ich bin froh über die Möglichkeit, den Unterricht mal anders zu gestalten", sagt sie. "Theorie und Praxis lassen sich so optimal verknüpfen." Während des Mühlenbesuchs der Kinder standen einheimische Hölzer im Mittelpunkt. Klar, die Holländerwindmühle ist auch eine Sägemühle. Welche Bäume gibt es in der Region? Und was lässt sich aus deren Holz herstellen? Wolfgang Raband führte die Grundschüler durch den besonderen Unterricht. Der ehemalige Physik-Lehrer ist Mitglied im Mühlenverein. Er unterstützt seine früheren Kollegen in der Schule in Straupitz. "Herr Raband hat uns die einheimischen Hölzer, und was man aus ihnen machen kann, gut erklärt", sagt Nicole Schulze. Die Sechstklässlerin fand es auch interessant zu erfahren, "mit welchen Werkzeugen die Menschen früher gearbeitet und wie sie Holz bearbeitet haben". Die Kooperation ist für sie die Chance, "dass wir Grundschüler jetzt mehr über die Mühle in Straupitz erfahren". Der Bürgermeister Winfried Rekitt hatte schon während der Vertragsunterzeichnung von der Holländerwindmühle als einer "wahren Fundgrube" gesprochen. Kompetente Fachleute des Mühlenvereins sollen den Kindern helfen, ihr theoretisches Wissen zu erweitern. Und die Lehrer haben die Chance, Unterricht anschaulicher zu gestalten. "Unsere Schülerinnen und Schüler sollen etwas fürs Leben lernen", sagt Karola Kanter. "Wir besuchen regelmäßig regionale Unternehmen." Auch weitere Besuche in der Holländerwindmühle seien schon geplant. "Mit Viertklässlern wollen wir uns demnächst mit dem Korn in der Mühle beschäftigen", kündigt die Lehrerin an. Emely Prauka hat diesmal viel über Holz erfahren. "Es war interessant, mal etwas Neues zu hören und dabei nicht im Klassenzimmer zu sitzen", sagt die Sechstklässlerin. "Ich finde die Mühle spannend." Gerd Nowak, Geschäftsführer der Holländerwindmühle, hatte den Kindern die alten Sägemaschinen vorgestellt. An einer Säge lag ein wuchtiger Stamm einer Esche. Aus ihm werden Bretter und Bohlen gesägt. Wie das geht, hat der Geschäftsführer demonstriert. Die Grundschüler staunten, wie mühsam das ist. Nach zehn Minuten waren vielleicht 30 Zentimeter geschnitten. Komplett wird der Stamm erst in einigen Wochen zerschnitten wie Gerd Nowak erklärt. Drei bis vier Mal pro Jahr wird ihm zufolge die Säge für solche Arbeiten genutzt. Man kann Holz aber auch mit der Hand bearbeiten wie Wolfgang Raband den Sechstklässlern erklärte. Er will die Kinder bei Holzarbeiten während eines Projekttags vor Ostern dieses Jahres unterstützen. Die Grundschüler waren auch schon während ihres Besuchs in der Mühle gefordert. Sie hatten nach der besonderen Unterrichtsstunde schriftliche Fragen zum Thema Holz zu beantworten. "Die Leistungen werden bewertet", sagt ihre Lehrerin.