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Hoher Wasserstand mit Rückstau

Das Problem auf einen Blick: Viel Regen in diesem Sommer, starker Bewuchs und Verschlammung der Fließe und Kahnfahrten, die einen einigermaßen stabilen Wasserspiegel als Grundlage brauchen. Das viele Wasser staut sich zurück, und das bringt Probleme.
Das Problem auf einen Blick: Viel Regen in diesem Sommer, starker Bewuchs und Verschlammung der Fließe und Kahnfahrten, die einen einigermaßen stabilen Wasserspiegel als Grundlage brauchen. Das viele Wasser staut sich zurück, und das bringt Probleme. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Kaum ist das Wasser vom einen Regen halbwegs abgelaufen, schon kommt neuer nach. So ist dieser Sommer. Im Spreewald wird damit ein lange bestehendes Problem deutlich verschärft, das nicht leicht zu lösen sein wird. Es ist vielfältig, komplex, von sehr unterschiedlichen Interessen abhängig und hat auch noch mit dem Klimawandel zu tun. Und es besteht dringender Handlungsbedarf. Ingvil Schirling

Die alteingesessenen Spreewälder stellten im Juni bei LR vor Ort in Lübben-Steinkirchen eine entscheidende Frage. "Warum wird das Wasser eigentlich am Hafen nahe der Schlossinsel rund 15 bis 20 Zentimeter höher gestaut als früher?", hieß es in der Runde. Damit traf man des Neptuns Kern. Hieb- und stichfest beantworten konnte dies keiner der anwesenden Fachleute. Im Kern ging es damals auch mehr um die Kernzonenerweiterung des Biosphärenreservats. Doch die Folgen, die zwischenzeitlich vor allem Natur und Landwirte zu tragen hatten, wurden damit angesprochen: Die Wiesen und Polder in Richtung Steinkirchen/Zerkwitz/Ragow vernässen zusehends. Nach den Starkregenfällen von Juli verwandelten sie sich in kleine Seen.

Die RUNDSCHAU versprach, der Frage nachzugehen. "Nach Recherchen des Landesamtes für Umwelt wurde die Erhöhung des Wasserstandes 1997 im Zusammenhang mit der Umgestaltung der Schlossinsel festgelegt", antwortet Thomas Avermann, Abteilungsleiter für Wasserwirtschaft und Flussgebietsmanagement, auf eine entsprechende Anfrage. Tatsächlich stieg der Oberpegel am Staugürtel I (Lübben) im Jahr 1999 sprunghaft von etwas über 1,60 auf 3,70 an. Festgelegt wurde das - Fachleuten zufolge größtenteils einstimmig - in den Staubeiräten.

Auch aus anderen Quellen wird bestätigt: Mit der Planung und dem Bau der Schlossinsel, zuvor ein großer Parkplatz, wurde der Wasserstand auf die jetzigen Werte erhöht.

In diese Zeit fallen trockene Jahre. Wie das Wasser im Spreewald gehalten werden kann, war damals das große Thema. Fast schon verzweifelt wurden Maßnahmen angesichts von historischen Niedrigwasserständen diskutiert.

Seither hat sich die Situation stark verändert. Und das liegt nicht unbedingt nur am Regen. Ein Grund ist, sagen von den Wasser- und Bodenverbänden Jörg Wiesner (Nördlicher Spreewald) und Rainer Schloddarick (Oberland Calau), dass die Folgen des Bergbaus mit der Grundwasserabsenkung hierzulande endgültig nicht mehr zu spüren sind. Trichterförmig und großräumig wurde damals das Wasser abgeschöpft. Nach der Stilllegung der Tagebaue stieg das Grundwasser wieder an - ein Puffer, "den es nicht mehr gibt", sagt Jörg Wiesner. "Das Problem ist, dass Niederschläge heute sofort abflusswirksam werden", erklärt er.

Den trockenen Jahren folgten zwei Hochwassersommer in 2010 und 2013. Mit ihnen wurden die Grundwasserstände endgültig gesättigt - auch dort, wo der "Tagebaupuffer" nicht hinreichte.

Eine große Veränderung also im Wasserhaushalt des - grob geschätzt - letzten Jahrzehnts. Der andere große Faktor läuft unter dem bekannten Schlagwort Klimawandel. Höhere Temperaturen bedeuten mehr Wasserdampf in der Luft, was sich in häufigeren und heftigeren Starkregenfällen auswirkt. Auch das bekam der Spreewald diesen Sommer besonders zu spüren. Kaum trocknen die Flächen etwas ab, schon gibt es Nachschlag. Für das kürzlich in der LR beschriebene Binnenhochwasser im Raum Barzlin/Zerkwitzer und Ragower Kahnfahrt gibt es daher keine Entwarnung, auch wenn sich die Situation etwas entspannt hat.

Zu den kaum beeinflussbaren Faktoren Tagebaufolgen und Klimawandel kommen zwei weitere, die sich durchaus verändern ließen. Geld ist - wie so oft - die Voraussetzung. Die Rede ist vom zunehmenden Bewuchs der Fließe und dem Eintrag von Sediment. "Wir müssen es schaffen zu transportieren, dass wir wenigstens für den Burg-Lübbener Kanal und die Hauptspree das Geld für drei jährliche Krautungen bekommen", sagt Jörg Wiesner. Auch müsse weiter ausgebaggert werden. "Sonst läuft das Wasser durch das viele Kraut wie gegen eine Wand, muss oben drüber und der Wasserstand erhöht sich." Mit entsprechendem Rückstau und genau den Problemen dieses Sommers.