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| 03:00 Uhr

Hochwasser: Lübbener Kühe evakuiert

Kühe und Kälber der Lübbener Muri GmbH betreten den trockenen Boden der Weiden ihres Heimatstalls. Der Bio-Betrieb musste sie vor den steigenden Wassermassen im Hochwald in Sicherheit bringen. Insgesamt 300 Tiere reisten per Anhänger aus dem Oberspreewald zurück in die Kreisstadt. Mit dem Eintreffen der Flutwelle aus der Talsperre Spremberg in Lübben rechnet das Landesumweltamt in ungefähr zwei Tagen zu Freitag oder Samstag.
Kühe und Kälber der Lübbener Muri GmbH betreten den trockenen Boden der Weiden ihres Heimatstalls. Der Bio-Betrieb musste sie vor den steigenden Wassermassen im Hochwald in Sicherheit bringen. Insgesamt 300 Tiere reisten per Anhänger aus dem Oberspreewald zurück in die Kreisstadt. Mit dem Eintreffen der Flutwelle aus der Talsperre Spremberg in Lübben rechnet das Landesumweltamt in ungefähr zwei Tagen zu Freitag oder Samstag. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Wie stark Lübben von der Hochwasserwelle aus der Spremberger Talsperre betroffen sein wird, könnte sich schon heute Morgen zeigen, spätestens aber ab Freitag. Die ersten "Evakuierungen" gibt es schon. Die Lübbener Muri Gmbh hat 300 Kühe mit Kälbern aus dem Flutungsgebiet geholt. Ingvil Schirling

Für Jürgen Piesker von der Lübbener Muri GmbH begann der gestrige Mittwoch mit einem Riesenschreck. Als er am frühen Morgen seine 300 Kühe auf den Wiesen der Stauabsenkung Nord kontrollierte, war das Wasser weit höher als erwartet gestiegen - selbst für den hochwassererfahrenen Bio-Landwirt. "Das es so schnell steigt, hätte ich nicht gedacht. Das war schon richtig gefährlich", sagte er. Da waren seine Fahrer bereits unterwegs mit den Anhängern, um die Tiere rechtzeitig von den Weiden zu holen, bevor das Wasser sie einschließt.

Wie das Nass sich auf den 5000 Hektar Hochwald und in der Fläche verteilt, wo es sich sammelt und wann wie viel Wasser durch Lübben fließt, ist unterdessen weiter offen. Einige Fachleute rechnen bereits am heutigen Donnerstag mit ersten Auswirkungen, andere erst zu Freitag oder Samstag.

Landrat Stephan Loge (SPD) sieht mehrere neuralgische Punkte in Lübben. Dazu zählt er neben dem Nadelöhr an der Jugendherberge zwischen Steinkirchen und dem Polder Kockrowsberg auch das Gebiet angrenzend an die Deichsiedlung, dort, wo der Nordumfluter auf den Rückstau aus dem Hochwald treffen könnte. Läuft an der anderen Seite von Lübben aufgrund eines solchen Rückstaus die Ragower Kahnfahrt über, wäre von dort aus wiederum Steinkirchen bedroht. Alles hängt davon ab, wie sich die Lage im Hochwald entwickelt.

Um 11.30 Uhr am Mittwoch war die Abgabe an der Talsperre Spremberg auf 100 Kubikmeter pro Sekunde erhöht worden. Sechs bis sieben Stunden später, schätzt Wolfgang Genehr, kommt das Wasser in der Spreewaldregion an und verteilt sich hinter der Überlaufschwelle am Wehr Eichenwäldchen in der Fläche - auch dort, wo Jürgen Piesker auf Wiesen unter Wasser schaute. Nicht weit davon entfernt ist die aktuelle Baustelle am Deich des Nordumfluters - der Grund dafür, dass dieser nur mit der Hälfte seiner möglichen Last beschickt wird. Dem Landesumweltamt zufolge wird dort auch in der aktuellen Lage weiter gebaut.

Wolfgang Genehr, Abteilungsleiter Süd, blickt mit großer Sorge auf die Zuflüsse aus Richtung Bautzen. In die Talsperre Spremberg fließen derzeit pro Sekunde rund 140 Kubikmeter Wasser - "so viel wie zuletzt beim Hochwasser 1981", erklärt der Fachmann. Heraus fließen seit 17 Uhr 105 Kubikmeter pro Sekunde. Im Laufe des heutigen Vormittags soll geklärt werden, ob diese Abgabe weiter erhöht werden muss.

Der Landkreis Dahme-Spreewald erwägt auf jeden Fall ein Fahrverbot auf den Gewässern - Warnungen hatten offenbar vor allem unerfahrene Paddler in diesen Tagen immer wieder missachtet. Unbestätigten Informationen zufolge soll es zu ersten Unfällen gekommen sein.

Zum Thema:
Zur besseren Kontrolle der Deiche sucht die Stadtverwaltung weitere Deichläufer, informiert Christoph Bartoczek (Fachbereich Ordnung/Sicherheit). Ein Anruf genügt unter Tel. 03546 792511.Unterdessen hat die Lübbener Feuerwehr mehrere Tausend Sandsäcke eingelagert, informiert Hagen Mooser, stellvertretender Stadtbrandmeister. Neben der Lübbener Jugendherberge wird auch die Gartenanlage am Kleinen Hain als besonders überschwemmungsgefährdet betrachtet. Die aktuelle Hochwasserlage wird voraussichtlich kein schnell vorbeiziehendes Ereignis sein. Fachleute rechnen mit hohen Wasserständen über mehrere Wochen.