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| 02:52 Uhr

Historische Akten hinter Gittern

Karin Deumer und Cordula Liepack (v.l.n.r.) recherchieren im Kreisarchiv in der Geschichte des Landkreises Dahme-Spreewald.
Karin Deumer und Cordula Liepack (v.l.n.r.) recherchieren im Kreisarchiv in der Geschichte des Landkreises Dahme-Spreewald. FOTO: Anja Brautschek
Luckau. Moderne Magazine im historischen Gebäude eines einstigen Gefängnisses und eine nutzerfreundliche Online-Datenbank zeichnen das Kreisarchiv Dahme-Spreewald in Luckau aus. Dafür ist es mit dem Brandenburgischen Archivpreis geehrt worden. Anja Brautschek

Konzentriert sitzen Dirk Hampusch und sein Vater Max im Aufenthaltsraum des Kreisarchives Dahme-Spreewald in Luckau. Sie blättern in alten Unterlagen von Neuendorf und suchen in historischen Aufzeichnungen der Standesämter nach ihren Wurzeln. "Mit einem Geburtstagsgeschenk für meinen Vater hat alles angefangen. Ich wollte für ihn mehr über unsere Vorfahren herausfinden", erinnert sich Dirk Hampusch. Seit drei Jahren fesselt ihn diese Aufgabe. Bis ins 16. Jahrhundert hat er seinen Stammbaum zurückverfolgt. "Unsere Vorfahren sind eingesessene Neuendorfer. Seit über 500 Jahren gibt es sie in dem Lübbener Ortsteil", sagt er. Im Kreisarchiv erhofft sich die Familie nun weitere Ergänzungen. "Auch in Golßen gab es um 1700 einige Hampuschs. Ich möchte herausfinden, in welcher Verbindung wir stehen", sagt der Hobby-Ahnenforscher. Von der Zuarbeit des Kreisarchivs ist er begeistert. "Die Mitarbeiter sind sehr offen und haben die erforderlichen Dokumente schnell bereitgelegt", erklärt er.

"In Luckau gibt es ein sehr kompetentes Team", lobt auch Wolfgang Krogel, Vorstandsvorsitzender des brandenburgischen Landesverbandes deutscher Archivarinnen und Archivare. Für die überzeugenden Leistungen hat der Landesverband das Kreisarchiv in diesem Jahr mit dem Brandenburgischen Archivpreis ausgezeichnet. Alle zwei Jahre ehrt er auf diese Weise vor allem kleine Archive des Landes. "Diesmal gab es eine sehr starke Konkurrenz. Dennoch war die Entscheidung am Ende einstimmig", so Krogel.

2011 zog das Kreisarchiv nach Luckau in ein saniertes Gebäude des früheren Gefängnisses. Rund drei Millionen Euro wurden in den Umbau investiert. Nach und nach erfolgte die Umlagerung der Dokumente aus den Außenstellen in Lübben und Königs Wusterhausen. Nun sind alle Kreis-Akten unter einem Dach konzentriert. Die Einrichtung sei zentral gelegen und gut erreichbar, nennt der Vorstandsvorsitzende einen Grund, warum das Kreisarchiv preiswürdig war. Auch den Aufbau einer elektronischen Datenbank durch Kreisarchivar Thomas Mietk hebt er hervor. "So können Nutzer von zu Hause aus für ihre Nachforschungen recherchieren", sagt er.

Karin Deumer, Mitarbeiterin des Kreisarchivs, freut sich über die Anerkennung der Arbeit, die, so versichert sie, keineswegs monoton oder langweilig sei. "Es ist schön, wenn wir Menschen weiterhelfen können", ergänzt Archiv-Mitarbeiterin Cordula Liepack. Neben der Ahnenforschung wenden sich Nutzer beispielsweise auch bei der Suche nach Vermissten oder bei der Erbenermittlung an das vierköpfige Team. Zunehmend suchen auch frühere Heimkinder nach Heimunterlagen. Bis zu einer Woche kann bei umfangreichen Recherchen die Bearbeitung einer Anfrage dauern. "Rund 540 Anfragen gab es in diesem Jahr bereits. Das sind etwa 100 mehr als in der ersten Jahreshälfte 2013", so Karin Deumer. Darunter sind auch Hilfeersuchen aus Holland, der Schweiz oder Amerika. Ende des Jahres kommt das Kreisarchiv sogar ins Fernsehen. Denn kürzlich drehte dort ein Team für die Vermissten-Serie eines Privatsenders. "Wegen einer Namensänderung dauerte die Suche lange. Aber am Ende konnten wir den entscheidenden Tipp geben", verrät Cordula Liepack.

Zum Thema:
Insgesamt 6300 laufende Meter Akten haben im Kreisarchiv Platz. Momentan sind die vier Magazine mit je 140 Quadratmetern zu etwa zwei Dritteln ausgelastet. Geöffnet hat das Kreisarchiv dienstags von 8 bis 18 und donnerstags von 8 bis 16 Uhr.