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| 01:09 Uhr

Hilfe mit jedem Takt und jeder Harmonie

Lübben.. Nächstenliebe und tätige Hilfe gab es in Zeiten der Renaissance, des Barock und gibt es erst recht heute – das machte ein Konzert deutlich, das am Sonnabend Musiker aus vielen Sparten und ihre hilfsbereiten Hörer in der Lübbener Paul-Gerhardt-Kirche zusammenführte.


Das Programm wurde ganz im Sinn der Besinnung auf Hilfe für den Nächsten geschrieben. Die kam im Rahmen der Spenden nach dem Musikereignis für die jüngsten Opfer der großen Flutkatastrophe in Südostasien: Der Erlös aus der Kollekte ist für Unicef bestimmt, die besonders für die 1,5 Millionen Kinder im von der Flut betroffenen Gebiet wirkt.

Leise, besinnlich, gekonnt
„Alle, die musikalisch in der Gemeinde wirken, haben gleich gesagt: Bei einem solchen Konzert machen wir mit“ , sagte sich Kirchenmusikerin Rebecca Ferydoni vor dem Konzert im RUNDSCHAU-Gespräch. Erstaunlich, wer sich da im gut anderthalbstündigen, abwechslungsreichen Programm präsentierte!
Es werde eher ein leises, besinnliches Konzert sein, so die Veranstalter. Aber es wurde ein Konzert, das eine Gemeinde voller Musikalität und Engagement gestaltete und so ziemlich alle Register der musikalischen Gestaltungsmöglichkeiten von Renaissance, Barock bis zur Gegenwart ziehen wollte - und konnte.
Johann Sebastian Bach mit seinen Werken steht für unerschütterlichen Optimismus und das Vertrauen in Gott - er zog sich wie ein „roter Faden“ durch das Programm. Ob es im Konzert „Lass mich dein sein und bleiben“ für Trompete (Kambiz Ferydoni) und Orgel (Rebecca Ferydoni) war, im andächtig-tongewaltigen Choral „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ , dargeboten vom Posaunenchor mit Moderation von Werner Kuhtz, oder im wunderschön auf der romantischen Schuke-Orgel von Tobias Scheetz interpretierten Präludium e-Moll war, Bach rührt noch heute an und forderte zum Helfen auf.
Selten Gehörtes erklang in diesem Benefiz-Konzert auch - und einige Interpreten hatten Jean Baptiste Loeillet vergnüglich für sich und ihre Hörer wiederentdeckt. Der Belgier spielte im 18. Jahrhundert perfekt Oboe, Flöte und Harfe, verdiente als Flötist und Lehrer in London ein Vermögen und hinterließ ein Werk, das heute noch weitgehend zu erschließen ist. Ulrike Voigt (Flöte), Michael Voigt (Violoncello) und Rebecca Ferydoni (Cembalo) interpretierten die Sonate d-Moll des Meisters mit Stilsicherheit, Gefühl und in der ihm eigenen Heiterkeit. Tatjana Süß bot am Klavier eine „Arietta“ des zeitgenössischen Komponisten Skulte.
Der Flötenkreis der Gemeinde wagte sich gekonnt an Werke der Renaissance - es erklangen Hans Leo Hasslers „Canzon“ tänzerisch-heiter, Tilman Susato (der deutsch-niederländische Komponist ist ebenfalls selten in Konzerten zu hören) mit seinem hübschen „Königstanz“ und schließlich das vertraute „Dona nobis pacem“ als anrührend melodischer Kanon der acht Flötistinnen.

Mit Mut zum Erfolg
Fontane schrieb: „Am Mute hängt der Erfolg“ , und Dorit Blanke-Douglas (Flöte) sowie Ute Eichelmann (Orgel) wagten sich an das „Presto“ , die „Siciliana“ und das „Vivace“ aus der „Partita Nr. 4“ von Georg Philipp Telemann - mit Erfolg. Heiter, zart und voller musikalischer Schönheit erklangen die Teile der Partita, die die Interpreten würdig ins Konzert einbrachten. Homogen, harmonisch und sauber sang der Ökumenische Chor unter Leitung von Tobias Scheetz Lieder modernerer Komponisten, aber auch das bekannte Abendlied „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“ in einem Konzert, das anrührte.
Auch wenn das Medieninteresse an der Naturkatastrophe inzwischen nachgelassen habe, so dürfe die Hilfe nicht nachlassen, erinnerte Pfarrer Olaf Beier die Konzertbesucher. Wie die E-Mail eines befreundeten Pfarrers aus der Region am 27. Januar informierte, gab es Nachbeben. Die Not sei groß, es herrschten unter den Menschen Trauer, Angst und Unsicherheit - im Gebiet, das so fern und doch so nah sei.
Hilfe tut Not, sagte Beier, und Interpreten wie Besucher des Konzerts am Sonnabend taten das ihnen Mögliche, um diese Not wenigstens etwas lindern zu helfen. (-ds)