Damit wurde das „Kontingent“ für diese Leader-Region mehr als ausgeschöpft. 500 000 Euro stehen jeder der rund 150 Leader-Regionen in der Bundesrepublik (13 gibt es in Brandenburg) zu. Auf dieser Strecke will der Spreewaldverein noch ehrgeiziger werden. Da Mittel, die von einer Leader-Region nicht abgefordert, auf die anderen verteilt werden, will man sich hier mehr anstrengen. Für 2005 sind bis jetzt 18 Projekte vom übergeordneten Gremium, dem Regionalforum, bestätigt, die eine Investitionssumme von 1,190 Millionen Euro hätten. 812 000 Euro davon sind als Fördermittel angestrebt. Immer wieder scheitert es bei den Projekten aber an der Kofinanzierung, die aus Eigenanteilen aufgebracht werden muss. Wenn die wegbricht, ist das Projekt gestorben. Deshalb hat man im Regionalbüro einen „guten Vorlauf“ , wie Irlbacher einschätzt, und noch so einige Sachen in der Schublade. Obendrein wird, wo möglich, versucht, den Eigenanteil über bestimmte Förderkombinationen gering zu halten. Insbesondere dort, wo Kommunen beteiligt sind, ist das wichtig, haben die doch meist das wenigste Geld.
Privatleute hingegen müssen mehr in den Topf packen, wenn sie von einem Projekt - neben der Allgemeinheit und vor allem auch künftigen Generationen - profitieren wollen. Ausdrücklich gewünscht ist außerdem, dass Privatinvestitionen in Leader-Projekte eingebunden werden. Bekanntestes Beispiel im Spreewald: Der Weidendom in Schlepzig. In diesem Jahr soll sein Innenausbau fertig werden. Vom Neugiertourismus hat der Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ profitiert, sagt Chefin Anja Römer. Die Investition des Betriebs sei auf dem besten Wege, sich zu amortisieren. Und auch biologisch ist der Schlepziger Weidendom eine Erfolgsstory: Von den fünf Weidendomen in Deutschland ist er am besten angewachsen.

Projekte mit Langzeitwirkung
Gefördert wurde 2004 zudem die Präsentation auf vier größere Messen in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband mit 88 000 Euro, eine Broschüre mit Wissenswertem aus dem Spreewald oder die Fertigstellung des Internetportals. Gerade darüber, dass hier nun Reisepakete übersichtlich und national angeboten werden - was viel Zuspruch finde - verspricht sich Irlbacher Nachhaltigkeit. Das bedeutet, dass dieses Projekt, diese Förderung noch in Jahren positive Auswirkungen haben wird.
Diese Langzeitwirkung, die übrigens auch für die geförderten Messen gilt (darunter der Handwerker- und Bauernmarkt bei der Spreewaldmesse), sei nicht immer sofort in Zahlen ausdrückbar, so Irlbacher. Das hindert ihn nicht daran, weiter - und entsprechend der Wünsche der Fördermittelgeber - auf Nachhaltigkeit zu setzen. Auch für 2005 sind Privatinvestoren eingebunden. Als Leader-Projekte gefördert werden sollen unter anderem die Scheunenherberge in Neu Lübbenau (auch Heuhotel genannt, die RUNDSCHAU berichtete), die in einem umgebauten Kuhstall entstehen und noch im gleichen Jahr eingeweiht werden soll.
Auf der Liste steht ebenso ein weiterer Weidendom in Burg, nahe des Bismarckturms. Für diesen „sehr guten Standort“ , so Irlbacher, ist in der Projektierung von privaten und kommunalen Investitionen die Rede. 2005 sollen die Vorbereitungen getroffen, 2006 soll die Umsetzung beginnen. An der Reha-Klinik in Burg soll zudem eine Kahnanlegestelle entstehen, was einiges an Grabungen und Brückenbau erfordert. Hier hofft Irlbacher auf entsprechende Genehmigungen im Februar.
Auf dem Plan stehen erneut wichtige Messen, darunter die Grüne Woche, die ITB und der Handwerker- und Bauernmarkt in Lübben.
Freuen wird sich der Nabu Spreewald, dessen Projekt, Wildtierbeobachtungstürme zu errichten, seit Jahren auf der Suche nach einem Förderer in Amtsstuben liegt. Als Infrastrukturmaßnahme kommt dieses Projekt mit einer Kofinanzierung von 20 Prozent aus. Mehr hätte der Nabu, der diese über Sponsoren und Spenden aufgebracht hat, nicht leisten können. Die beiden Türme sollen am Polder Kockrowsberg und bei Schlepzig entstehen. Zur Saison sollen sie nutzbar sein. Irlbacher hofft, dass damit der Tourismus in der Region als Wirtschaftszweig weiter gestärkt werden kann.
Mit den Beobachtungstürmen wurden weitere Projekte verknüpft, zum Beispiel die Unterstützung von Fahrrad- und Bootsverleih.
Außerdem möchte man dieses Jahr mit Leader plus zwei Strecken des Kulturtourismus weiter fördern. Dieser soll im Leader-Gesamtkonzept stärker vertreten sein, so Irlbacher.
Zum einen soll die Förderung Rohkunstbau zugute kommen, zum anderen der Deutschen Gesellschaft, die mit einer Arbeitsgruppe Reisebroschüren zu Schlössern, Gutshäusern und Kirchen der Region unter dem Titel „Landpartie“ erarbeitet.

Mit Kultur die Saison verlängern
Insgesamt hoffe man mit der Stärkung des Kulturtourismus eben auch auf einen Effekt für die Saisonverlängerung, sagt Irlbacher.
Auch die Zusammenarbeit mit Nachbarn will man verstärken. So steht mit der Leader-Region Dahme-Heideseen die gemeinsame Entwicklung des Wanderreittourismus an oder weitere Treffen mit den Niederländischen Partnern.
Seit Mai 2002, bilanziert Dieter Irlbacher weiter, habe man mit Leader plus 1,3 Millionen Euro, davon rund eine Million Fördermittel, investieren können. „Damit sind wir in Brandenburg führend, was die Projektumsetzung und Mittelabschöpfung angeht“ , sagt er und weist gleichzeitig darauf hin, dass der Spreewald auch die größte Leader-Region in Brandenburg, gemessen an Fläche und Einwohnerzahl, ist.

Hintergrund Wunsch zum neuen Jahr
 Zum neuen Jahr darf man sich bekanntlich was wünschen. Dieter Irlbacher vom Spreewaldverein zum Beispiel wünscht sich, „das die Zusammenarbeit mit der Tourismusbranche gut bleibt und die Region nicht auseinanderbricht wegen Kirchturmdenkens“ . Er bedauert, dass es in Sachen ILE-Förderung (ILE bedeutet integrierte ländliche Entwicklung) nicht gelungen sei, den Wirtschaftsraum Spreewald als einheitliche Region zu präsentieren. Hier hätte sich der Landkreis Spree-Neiße nicht mit Dahme-Spreewald und Oberspreewald-Lausitz einigen können.