Von Andreas Staindl

Starke Regelschmerzen. Erschöpfung. Unerfüllter Kinderwunsch. Viele Frauen kennen das. Sie leiden unter den starken Schmerzen im Unterleib – oft ohne zu wissen, was die Ursache ist. Es kann Endometriose sein. Sie ist eine der häufigsten Unterleibserkrankungen bei Frauen. Bei etwa einem Drittel von Frauen mit Regelschmerzen wird Endometriose diagnostiziert.

Andrea Schulz weiß das. Die 44-Jährige aus Golßen (Unterspreewald) leidet seit 30 Jahren unter der Krankheit. „Endometriose ist physisch und psychisch belastend. Es ist eine Dauerbelastung für Betroffene und deren Familien.“ Sie hat deshalb eine Selbsthilfegruppe (SHG) gegründet, leitet diese von Beginn an. Am Samstag feierte die Gruppe ihren zehnten Geburtstag.

Bis zu acht Frauen treffen sich regelmäßig. Vier von ihnen gehören zu den Gründungsmitgliedern. Auch Yvonne, die ihren vollen Namen nicht im Zusammenhang mit ihrer Krankheit in der Zeitung lesen möchte, ist seit zehn Jahren dabei. Die 41-Jährige, die im Oberspreewald lebt, hat sich „mit der Krankheit abgefunden. Ich gestalte mein Leben halt anders als geplant.“ Ihr Kinderwunsch blieb unerfüllt – eine der Folgen der Erkrankung.

Bei Endometriose wächst Gewebe, wo es nicht hingehört, etwa außerhalb der Gebärmutter. Das Gewebe kann sich entzünden, was große Schmerzen verursacht. Die körperlichen Beschwerden sind das eine, die seelischen das andere. Betroffene Frauen müssen lernen, mit der Krankheit umzugehen. „Ich bin sehr froh, dass es unsere Selbsthilfegruppe gibt“, sagt Yvonne. „Wir tauschen uns aus, geben uns gegenseitig Tipps, verstehen einfach, wie sich die andere fühlt. Das ist sehr angenehm und hilft mir sehr. Die Frauen in unserer Gruppe sind für mich inzwischen Freundinnen geworden.“

Andrea Schulz bestätigt sie, betont aber ausdrücklich: „Wir sind keine Jammergruppe, sondern sprechen über Behandlungsmöglichkeiten, über Ernährung, den Umgang mit unserer Krankheit im Alltag und auch wie diese unsere Partnerschaft beeinflusst.“ Das Liebesleben leidet unter der Erkrankung gewaltig. Endometriose bedeutet meistens auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. „Es gab Phasen, da habe ich an meiner Weiblichkeit gezweifelt“, erzählt Anja Breuer (38) aus Löpten im Norden des Landkreises Dahme-Spreewald. „Ohne einen verständnisvollen Partner wird es schwierig. Die Beeinträchtigungen durch die Krankheit macht nicht jeder Mann mit. Ich weiß das Verständnis meines Manns deshalb umso mehr zu schätzen.“

Anja Breuer bekam vor 15 Jahren die Diagnose Endometriose. Vor etwa einem halben Jahr fand sie zur Selbsthilfegruppe – der einzigen für diese Krankheit in der Lausitz, wie Andrea Schulz sagt: „Bei uns haben betroffene Frauen die Möglichkeit, ihre Probleme und Herausforderungen zu diskutieren und sich auszutauschen, ohne ihre Familie zu belasten. Wir suchen gemeinsam nach Wegen, die uns das Leben mit der Krankheit erleichtern.“

Die Chefin der Gruppe hat gute Erfahrungen mit sportlicher Betätigung gemacht. Seitdem sie regelmäßig Sport treibt, sich an Wettkämpfen im Laufen, Duathlon und Triathlon beteiligt, kann sie auf Schmerzmittel verzichten. Die Gespräche mit den anderen Frauen jedoch will die Golßenerin nicht missen: „Ich kann und will zu Hause nicht immer nur über meine Probleme reden. In einer Partnerschaft gibt es schließlich auch noch viele andere Themen.“ Deshalb trifft sich die Selbsthilfegruppe einmal pro Monat. „Ich genieße den Austausch mit den anderen Frauen“, sagt Andrea Seyberth (39) aus Cottbus. „Es hilft mir zu hören, dass es anderen Betroffenen viel schlimmer geht als mir.“ Sie weiß seit etwa zehn Jahren, dass sie an Endometriose erkrankt ist – diagnostiziert nach der Geburt ihres Kindes. Nach einer Operation fand sie vor fünf Jahren zur Selbsthilfegruppe.

Diese engagiert sich unter dem Dach des Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Lübben, nutzt etwa Räume im Mehrgenerationenhaus in der Gartengasse 14. Das Interesse ist weit größer, als die Zahl der regelmäßigen Teilnehmer. „Oft rufen betroffene Frauen bei mir an, um sich Tipps zu holen, wie sie mit der Krankheit umgehen sollen, welche Hilfen und Unterstützung es gibt“, erzählt Andrea Schulz.

Kontakt zur Chefin der Selbsthilfegruppe gibt es telefonisch über 016096793321 oder über endo-shg-lds@t-online.de per E-Mail. Die Selbsthilfegruppe Endometriose wird von der regionalen Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe des Landkreises Dahme-Spreewald unterstützt.

In einer Serie stellt die RUNDSCHAU jede Woche Herzens­­menschen vor. Es geht um Männer und Frauen, die mit Leidenschaft und großem Engagement ihre Sache verfolgen – oder in ihrem Leben eine Herzens­entscheidung treffen mussten, die nicht ohne Risiko war und vieles verändert hat.

 

Wenn Sie Vorschläge haben, wer im Rahmen dieser Serie vorgestellt werden sollte, wenden Sie sich gern an die LR, am besten per E-Mail an red.spreewald@lr-online.de.