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| 04:03 Uhr

Heiter und besinnlich mit Katja Ebstein

Hoyerswerda. Nach vielen Jahren gab es jetzt ein Wiedersehen mit Katja Ebstein in der Lausitzhalle. Jost Schmidtchen

Gekommen war sie allerdings nicht mit ihren großen Hits aus den Siebziger- und Achtzigerjahren, sondern mit ihrem Adventsprogramm „Es fällt ein Stern herunter . . .” Katja Ebstein nannte ihn „den Stern der Liebe”, angelehnt an die christliche Weihnachtsgeschichte, und sie versprach dem Publikum, dass vorweihnachtliche Stimmung mit Liedern, Gedichten und Geschichten in vielen Facetten einmal auf andere Art erlebbar wird.

Die Kompositionen und Texte stammten aus der Feder bedeutender Dichter wie Heinrich Heine, Moralisten wie Erich Kästner und dem Iren James Kruess, von Bertold Brecht, Peter Schütz, Karl-Heinrich Waggerl und Rudolf Otto Wiemann. Viele Texte waren zeitgemäß, kritisch, politisch und trotzdem immer weihnachtlich geprägt.

Mit den Liedern „Probefahrt in die Kinderzeit” und „Morgen Kinder wird's nix geben”, erinnerte Katja Ebstein an alle, die das Glück hatten, eine gute Kindheit zu verbringen, und gleichzeitig an die armen Kleinen von heute, die dem Weihnachtsmann traurig hinterher schauen müssen.

Dann war da auch die Erzählung von Robert Gernhardt über die „Weltengänger”. Das sind Leute, die nur am Heiligen Abend in die Kirche gehen. Sie staunen, dass es keine Werbung gibt, dass das Licht nicht ausgeht und dass ein Mann den ganzen Abend allein gestaltet. Er erzählt die Weihnachtsgeschichte bei Livemusik, in einen Korb muss man Geld hineinlegen und darf keins herausnehmen. Und zum Schluss ertönt nicht die Nationalhymne, sondern ein schlichtes Abschiedslied. Die „Weltengänger” sind eben keine Christen.

Auch die Grenzschützer waren solche nicht, als sie in der „Weihnachtsballade” von Peter Schütz im D-Zug von München nach Salzburg einen „verdächtigen” Araber mit griechischen und römischen Pässen als „Leitfigur des internationalen Terrorismus” verhafteten. Nach seiner Festnahme stellte sich heraus, es war der staatenlose Nazareth namens Christus.

Solche Geschichten erheiterten die etwas über 300 Lausitzhallenbesucher natürlich. Katja Ebstein geißelte diese Politik, verdammte Slums, KZ's und Kriegsschauplätze und die führenden politischen Verbrecher aller Generationen in den Machtzentralen, die das alles inszenierten und noch inszenieren. Und alle, die dafür das Geld gaben und geben.

„Was haben wir in Afghanistan verloren? Wer spaltet seit Jahrzehnten Israelis und Palästinenser auf ihrer Suche nach Frieden? Wird im Mutterland Jesu Christi nie Frieden? Gelang die deutsche Einheit nicht gerade deshalb, weil die Staatsmacht nicht eingriff? Fragen, die das Publikum emotional bewegten. Lieder wie „Maria durch ein Dornwald ging”, der „Kleine Trommelmann”, die Balladen vom Heiligen Martin und den Heiligen drei Königen ergänzten die literarischen Phantasien.

Mit einer nachdenklichen Version von „Stille Nacht, heilige Nacht” verabschiedeten sich Katja Ebstein und ihr Pianist Reinhard Hentschke vom Beifall klatschenden Publikum.