Von Liesa Hellmann

Manchmal kann man sich in Groß Leuthen fühlen wie am Ende der Welt. Das geht besonders gut zwischen 11 und 17 Uhr, wenn man zu alt oder zu jung ist, um selbst Auto zu fahren. In dieser Zeit gibt es keine direkte Busverbindung von Groß Leuthen nach Lübben. Wer ohne Auto in die Kreisstadt will, etwa für einen Arztbesuch oder für Besorgungen – auch Einkaufsmöglichkeiten sind in Groß Leuthen bisher rar – muss spätestens den Bus um 10.43 Uhr nehmen. Die nächste durchgängige Verbindung geht erst wieder um 17.09 Uhr. Hin und weg kann man von Märkische Heide sein, hin und wieder weg ist manchmal schwieriger.

In der Zeit dazwischen muss man mindestens ein- bis zweimal umsteigen, um nach Lübben zu kommen. Die Fahrzeit von einer halben Stunde ohne Umsteigen (Hauptstraße Groß Leuthen bis Bahnhof Lübben) verdoppelt und verdreifacht sich bei diesen Verbindungen. Das ist insbesondere für ältere Menschen anstrengend – aber wünschen sie sich überhaupt mehr Angebote?

Die Mitglieder der „Initiativgruppe Groß Leuthen entwickeln“ sind sich bei ihrer Diskussionsrunde zur Mobilität am Montagabend uneins. „Viele von uns haben Eltern, die über 80 Jahre alt sind. Ich mache mir Sorgen, dass sie bald nicht mehr mobil sind“, sagt etwa Viola Lüben. Zugleich hätten sich aber viele ältere Menschen bereits selbst Hilfe aus der Nachbarschaft oder von Verwandten organisiert, geben mehrere Anwesende zu bedenken.

Fest steht, dass bisher an niemanden aus der Initiativgruppe explizit der Wunsch nach mehr Mobilitätsangeboten herangetragen wurde. Deshalb will die Gruppe zuerst Angebote von Fahrdienstleistern einholen und dann eine Umfrage in der Gemeinde starten, um herauszufinden, ob Bedarf an Fahrdiensten etwa zu Ärzten oder zu den Markttagen nach Lübben besteht. „Für manche Senioren ist das vielleicht jetzt noch kein Thema, das kann in fünf Jahren anders sein. Es braucht Zeit, um Strukturen aufzubauen“, sagt Birgit Raddatz, Leiterin des Hauses der Generationen in Groß Leuthen, in dessen Räumen sich die Initiativgruppe monatlich trifft.

Dass Geduld gefragt ist, wenn es darum geht, Projekte zu etablieren, weiß Birgit Raddatz aus ihrer Arbeit im Mehrgenerationenhaus. Das Haus der Generationen in Groß Leuthen wurde im März 2010 vom  Deutschen Roten Kreuz (DRK) als Träger eröffnet. „Die Gemeinde hat noch nicht das Potenzial des Hauses erkannt, aber das ändert sich gerade. Der Anfang ist gemacht“, sagt Raddatz. Für Anfang März sei ein Treffen zwischen Haus der Generationen, Gemeinde, Diakonie und Seniorenbeirat geplant. Raddatz wünscht sich mehr Zusammenarbeit zwischen dem Mehrgenerationenhaus sowie den Angeboten von Gemeinde und Kirche. „Wir wollen jetzt monatlich einen Plan erstellen, aus dem ersichtlich ist, was an jedem Tag in der Gemeinde passiert.“ Der Plan wird dem wieder ins Leben gerufenen Umlaufzettel anhängen.

Die Veranstaltungen im Haus der Generationen richten sich an alle Einwohnerinnen und Einwohner von Märkische Heide. „Es ist aber schwer, von Groß Leuthen aus die Menschen in allen 17 Ortsteilen zu erreichen“, gibt Birgit Raddatz zu bedenken. Um vor allem ältere Menschen von Alt-Schadow bis Wittmannsdorf-Bückchen anzusprechen, hat das Haus der Generationen das Projekt „Kümmerer“ initiiert. „Wir sind immer auf der Suche nach Menschen, die mit offenen Augen durch ihr Dorf gehen und sich mit den Einwohnern unterhalten“, sagt Birgit Raddatz über das Projekt. Etwa 14 Kümmerinnen und Kümmerer sind in den Ortsteilen unterwegs. „Erst kürzlich haben wir unsere Kümmerer darin geschult, Bewegungsübungen mit älteren Menschen zu machen, damit sie mobil bleiben.“

Allerdings: Derzeit sind die Räumlichkeiten des Hauses für Menschen im Rollstuhl oder mit Beeinträchtigungen kaum zu erreichen. 15 Treppenstufen müssen bis zum Eingang überwunden werden. Barrierefreiheit zu schaffen sei allerdings Aufgabe der Kommune, sagt die Leiterin des Hauses. Man warte deshalb auf das Gemeindeentwicklungskonzept von Märkische Heide. Das Konzept soll 2019 entworfen werden. Was genau darin stehen wird, kann Bürgermeisterin Annett Lehmann noch nicht sagen. Sie sei sich aber „zu hundert Prozent sicher, dass sich die Schwerpunkte Daseinsvorsorge und Mobilität im Konzept niederschlagen werden.“