ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:54 Uhr

Sorgen um die Gemeinschaft
Hartmannsdorf "wächst" und wünscht sich eine Kita

Hartmannsdorf. Lübbener Bildungsausschuss hat aber erstmal andere Ortsteile auf der Prioritätenliste. Von Andreas Staindl

Hartmannsdorf will eine Kindertagesstätte. „Dieser Wunsch brennt uns auf den Nägeln“, sagt Ulrich Schimanski. Der Ortsvorsteher hat das Thema ins Spiel gebracht während der Sitzung des Lübbener Bildungsausschusses. „Ohne Kita verlieren die Kinder die Beziehung zu unserem Dorf“, begründet er. Annett Kaiser, Vorsitzende des Kultur- und Sportvereins im Lübbener Ortsteil, unterstützt ihn: „Wir haben viele Rückkehrer, junge Leute, die in unser Dorf ziehen. Die wünschen sich eine Kita vor Ort.“

Den alten Kindergarten in Hartmannsdorf gibt es nicht mehr. Er wurde schon vor Jahren geschlossen. Eltern bringen ihre Kinder seitdem in andere Einrichtungen in der Kreisstadt. „Die Gemeinschaft eines Dorfs geht verloren, wenn der Nachwuchs verschiedene Einrichtungen besucht, sich kaum noch kennt, zumindest wenig miteinander zu tun hat“, sagt Annett Kaiser. Bedarf für eine Kita im Ortsteil sieht sie: „Hartmannsdorf wächst. Wir würden eine Kita voll bekommen.“

Die zuständige Fachbereichsleiterin Petra Streiber gibt zu bedenken, dass eine Kindertagesstätte nicht nur kurzzeitig, sondern rund 40 Jahre lang ausgelastet sein muss, damit es sich wirtschaftlich lohnt. Etwa 60 bis 80 Kinder dauerhaft wären nötig, wie der Ausschussvorsitzende Jens Richter (CDU) sagt. Ulrich Schimanski hält nichts von der reinen „Zahlenbetrachtung, denn dabei gehen die Menschen verloren“. Petra Streiber kann die Argumente aus Hartmannsdorf „sehr gut nachvollziehen. Wir werden überlegen, wie wir mit dem Wunsch umgehen. Das Signal, dass sich der Ortsteil für eine Kindereinrichtung engagiert, nehmen wir auf jeden Fall mit.“ Sie regte zudem an, auch über Tagesmütter im Dorf nachzudenken.

Der Wunsch nach einer Kita kommt dennoch zur richtigen Zeit. Die Stadt denkt derzeit intensiv über den Bau neuer Kindertagesstätten nach. Sie hat schon eine Standortanalyse gemacht, sucht mögliche Investoren. 225 Krippen- und Kitaplätze fehlen der Analyse zufolge bis 2025. Hartmannsdorf wird nicht als idealer Standort gesehen: „Das Dorf liegt zu sehr abseits“, sagt Streiber. „Die Wege für Aktivitäten sind weit. Wir müssen bei der Standortwahl die gesamte Stadt betrachten.“

Jens Richter nimmt den Wunsch aus dem Ortsteil dennoch ernst, hat Verständnis dafür, sagt aber auch: „Die erste Kita, die wir dringend für eine Entlastung der angespannten Situation brauchen, wird sicherlich nicht in Hartmannsdorf gebaut.“ Ortsbeirat, Kommunalpolitiker und Verwaltung wollen im Gespräch bleiben. Konkrete Kinderzahlen in Hartmannsdorf sollen Grundlage für weitere Diskussionen sein. Am Geld sollte eine Kita in dem Dorf nicht scheitern. „Wir haben einige finanzielle Mittel zur Verfügung“, sagt Ulrich Schimanski.