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| 21:00 Uhr

Sozialer Kietz
In Lübben-Nord geht es (volks-)solidarisch weiter

 Seit fast zehn Jahren arbeiten die Genossenschaftliche Wohngemeinschaft und die Volkssolidarität zusammen. In Lübben-Nord betreiben sie einen Kietz-Treff an der Kleist-Straße. Nun haben Carola Ahlert von der Volkssolidarität, Nicole Jaegers und Jürgen Busch von der GWG einen überarbeiteten Kooperationsvertrag als Fortführung unterschrieben.
Seit fast zehn Jahren arbeiten die Genossenschaftliche Wohngemeinschaft und die Volkssolidarität zusammen. In Lübben-Nord betreiben sie einen Kietz-Treff an der Kleist-Straße. Nun haben Carola Ahlert von der Volkssolidarität, Nicole Jaegers und Jürgen Busch von der GWG einen überarbeiteten Kooperationsvertrag als Fortführung unterschrieben. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben. Die Genossenschaftliche Wohngemeinschaft (GWG) und die Volkssolidarität erneuern ihre Kooperation. Ziel ist es, künftig noch früher einzugreifen, wenn sich Schwierigkeiten andeuten. Von Ingvil Schirling

So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben – diesen Wunsch wollen GWG und Volkssolidarität den Mietern erfüllen helfen. Deshalb setzen sie ihre seit September 2010 bestehende Kooperation fort. Im Kietz-Treff „Kleiststube“ in Lübben-Nord unterschrieben Volkssolidaritäts-Chefin Carola Ahlert einerseits und Nicole Jaegers sowie Jürgen Busch von der GWG andererseits den überarbeiteten Fortsetzungsvertrag.

Dies verbanden sie mit einem kleinen Neujahrsempfang, über den sich auch diejenigen freuen durften, die sich zu dieser Zeit in den zusammengefassten und zum Treffpunkt umgestalteten zwei ehemaligen Wohnungen zum Spielenachmittag trafen. Gleichzeitig blickten GWG und Volkssolidarität auf das in den vergangenen Jahren Entstandene zurück und informierten darüber, was sie sich als nächstes vorgenommen haben.

„Wir wollen nichts realisieren, was danach nicht ankommt“, betont Carola Ahlert als Geschäftsführerin der Volkssolidarität. Besonders stolz ist sie ebenso wie Nicole Jaegers daher darauf, dass der Generationen-Spielplatz an der Ecke Fontane-/Kleist-Straße beiden zufolge sehr gut angenommen wird. Dessen Eröffnung gehöre ebenso wie die Erweiterung des Kleist-Treffs zu den „Meilensteinen“ der Zusammenarbeit. Der Spielplatz besteht aus Geräten für große und kleine Kinder sowie „Seniorenbänken“. „Diese sind höher und anders geformt“, erklärt Nicole Jaegers, „und damit angenehmer zu sitzen.“ Wenn die Bänke zu sehr nach hinten geneigt sind, kämen ältere und möglicherweise etwas unbeweglichere Menschen nicht mehr gut heraus. „Dann werden solche Bänke zum Mobilitätshindernis. Es gibt auch entsprechende Stühle, mit Platz für den Rollator daneben.“ Diese Beispiele umreißen, worum es Volkssolidarität und GWG miteinander geht: Bedürfnisse erkennen und so erfüllen, dass das Angebot funktioniert.

Genau dies soll nun mit erweiterter Zielrichtung ausgebaut werden. Da kommt Wienke Schuschies ins Spiel. Sie ist die Sozialberaterin in der Kleist-Stube und im Treffpunkt an der Geschwister-Scholl-Straße, den GWG und Volkssolidarität ebenfalls zusammen betreiben. „Es ist unsere gemeinsame Intention, dass die Mieter so lange wie möglich in ihren eigenen Wänden bleiben können“, sagt sie. Nicole Jaegers ergänzt aus der Erfahrung der vergangenen Jahre: „Wir haben sehr viele ältere, aber auch jüngere Mieter in prekären Lebenslagen, auch Alleinstehende gehören manchmal dazu. Wir als GWG haben das Spezialwissen nicht, um ihnen zu helfen, können aber gemeinsam mit der Volkssolidarität diese Beratungen anbieten.“ Sie sind für alle offen, auch diejenigen, die nicht Mitglied beider Organisationen sind.

„Manche bekommen ihr Leben in bestimmten Phasen einfach nicht mehr geregelt. Bevor dann Mietschulden auflaufen, die womöglich zur Kündigung führen würden, möchten wir künftig weit im Vorfeld eingreifen können“, so das GWG-Vorstandsmitglied. Traurig fasst sie zusammen: „Das sind leider keine Einzelfälle mehr.“

Frühzeitig soll somit drohender Verwahrlosung oder Vereinsamung entgegengewirkt werden. Die Kleiststube ist durch einen kleinen Lastenaufzug barrierefrei, sodass theoretisch alle hinkommen können. Manchmal hilft auch schon eine Einladung in den Mietertreffpunkt, „damit jemand aus seinem eigenen Kosmos herauskommen kann“, so Nicole Jaegers.

Carola Ahlert ergänzt, dass das Angebot künftig auch auf junge Mütter mit Kindern ausgeweitet werden soll. „Wir wollen den Raum bieten, in dem sie sich treffen und austauschen können“, zeichnet sie die Entwicklung vor. Selbsthilfegruppen könnten sich ebenso in der Kleiststube treffen. „Unser Ziel ist, dass die Räume montags bis sonntags ausgebucht sind“, sagt Carola Ahlert.

In die perspektivische Entwicklung des Kietz’ Lübben-Nord sei die GWG selbstverständlich mit eingebunden, betont Jürgen Busch als GWG-Vorstand. „Wir sind mit der Stadt im Gespräch.“ Diese kommt möglicherweise in den Genuss spezieller Fördermittel für das Gebiet. Dass die GWG darin weitere Wohnungen baut, hält Busch nicht für ausgeschlossen. „Wir können uns das überall vorstellen, wo wir Häuser haben, neben denen Platz ist.“